Die Ukraine nimmt erneut die russische Ölindustrie ins Visier – und meldet zudem Angriffe auf drei Helikopter sowie drei Flugzeuge.
„Sie haben den Treibstoff ruiniert“Angriffe treffen Raffinerie, Flugplatz und Schattenflotte – Wut in Russland

Ein Screenshot aus einem vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj veröffentlichten Video soll einen Angriff auf einen russischen Flugplatz in Rostow zeigen.
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Die ukrainischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben erneut eine russische Ölraffinerie angegriffen. „In der vergangenen Nacht wurde die Ölraffinerie in Jaroslawl getroffen“, berichtete der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj in den sozialen Netzwerken – und gab weitere Angriffe gegen Ziele in Russland bekannt.
Ein „präziser Schlag“ habe einen russischen Militärflugplatz in Rostow getroffen, schrieb Selenskyj und berichtete von „bestätigten“ Schäden an drei Helikoptern sowie drei Antonow-Flugzeugen. Zudem habe es bei Schlägen im Schwarzen Meer „gute Ergebnisse“ gegeben, teilte Selenskyj mit, ohne weitere Details zu nennen.
Ukraine attackiert Raffinerie, Flugplatz und Putins Schattenflotte
Auf einem von ihm veröffentlichten Video waren jedoch Aufnahmen von Drohnenangriffen auf Schiffe zu sehen. Es könnte sich also um Attacken gegen Russlands sogenannte Schattenflotte, mit der Moskau westliche Sanktionen zu umgehen versucht, gehandelt haben. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht.
Russische Behörden bestätigten jedoch Schäden an einer Raffinerie in Jaroslawl. Auch die Verwaltung der Region Rostow berichtete bei Telegram von einem massiven Luftangriff. In mehreren Teilen der Gebietshauptstadt sei die Stromversorgung unterbrochen worden, es gebe zudem Schäden an Wohnhäusern durch herabgestürzte Trümmer, hieß es dort.
Generalstab: Flugabwehrstellungen in Brjansk zerstört
Der ukrainische Generalstab gab zudem Angriffe auf russische Flugabwehrstellungen bekannt. In der russischen Region Brjansk seien zwei S-400-Systeme zerstört worden. Außerdem sei ein russisches Kampfdrohnenlager in der von Russland besetzten ukrainischen Region Donezk attackiert worden, hieß es vom Generalstab, der weitere Schläge ankündigte: „Die Angriffe auf wichtige militärische Ziele des russischen Aggressors dauern an.“
Mit den Schlägen setzt die Ukraine ihre bereits seit Monaten andauernde Angriffsserie gegen die russische Ölindustrie fort – den jüngsten Forderungen von US‑Präsident Donald Trump, die Angriffe auf Raffinerien wegen des hohen Dieselpreises einzustellen, zum Trotz. Bereits am Mittwoch hatte der ukrainische Präsident Selenskyj betont, dass Moskau für einen von Trump gewünschten gegenseitigen Verzicht auf Angriffe gegen Energieinfrastruktur zunächst eine Liste von Zielen vorlegen müsse, um eine Einigung zu erzielen.
Russische Raffinerien stellen Betrieb nach Angriffen ein
Die Auswirkungen der ukrainischen Attacken bleiben in Russland unterdessen sichtbar. Zwei Raffinerien des Ölkonzerns Rosneft in den Städten Sysran und Saratow haben die Verarbeitung nach ukrainischen Drohnenangriffen in der vergangenen Woche offenbar eingestellt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters mit Bezug auf drei Branchenquellen.
Die Ukraine greift seit dem Frühjahr immer wieder russische Ölraffinerien und Treibstoffinfrastruktur an. Erklärtes Ziel der Angriffswellen ist laut Kyjiw, die Kosten des Krieges für den Kreml zu erhöhen und die Versorgung der russischen Armee mit Treibstoff zu stören.
Treibstoffkrise: Lange Schlangen und wütende Worte in Russland
Spürbar sind die Angriffe und ihre Folgen jedoch auch für die russische Bevölkerung. Seit dem Sommer herrscht in vielen Regionen Russlands erhebliche Treibstoffknappheit. In einigen Teilen Russlands und auf der annektierten ukrainischen Halbinsel Krim wurde die Abgabe von Benzin und Diesel stark rationiert. Immer wieder kursieren zudem Aufnahmen von langen Schlangen vor russischen Tankstellen – und von wütenden Worten von russischen Bürgern.
Auch die jüngsten Angriffe sorgten für Frust bei der Bevölkerung. So veröffentlichte der Telegram-Kanal Exilenova+ am Donnerstag etwa eine Aufnahme, auf der verbrannte Raffinerie-Anlagen zu sehen sind. Zu hören sind derweil die mitunter nicht zitierfähigen Flüche eines Russen. Die Ukrainer hätten mit ihren Angriffen, die Treibstoffversorgung in Russland „ruiniert“, beklagte der Mann etwa. „Es gibt keinen Treibstoff an keiner Tankstelle, verdammt nochmal!“
