Selbstgebaute Flugkörper treffen ein Umspannwerk bei Jänschwalde. Der Betreiber spricht von einem Anschlag, die Hintergründe sind unklar.
Selbstgebaute FlugkörperSprengvorrichtungen treffen Umspannwerk bei Jänschwalde

In einem Umspannwerk in der Nähe des Kraftwerks Jänschwalde hat die Polizei Sprengvorrichtungen entdeckt. (Archivbild)
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An einem Umspannwerk in Südbrandenburg unweit des Kraftwerks Jänschwalde sind selbstgebaute Sprengvorrichtungen gefunden worden. Nach Angaben des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz ähneln die Flugkörper handelsüblichen Silvesterraketen. Vor Ort waren am Dienstag Entschärfer im Einsatz.
Die Polizei hatte gegen 8 Uhr eine mögliche Sachbeschädigung an einer Leitung in Turnow-Preilack festgestellt. „Spuren werden gesichert“, sagte eine Polizeisprecherin. Das Landeskriminalamt Brandenburg hat die Ermittlungen übernommen.
50Hertz teilte mit, die versuchte Sachbeschädigung sei nach bisherigen Erkenntnissen mit selbstgebauten Flugkörpern erfolgt. „Vor Ort wurden weitere noch nicht gestartete Flugkörper gefunden.“ Die allgemeine Stromversorgung sei zu keiner Zeit beeinträchtigt gewesen.
Das Umspannwerk wurde großräumig abgesperrt. Der Tatort liegt abgelegen in einem Waldgebiet und ist von der Straße aus nicht einsehbar. Ob es sich um einen mutmaßlichen Anschlag handelt und welches Motiv dahinterstecken könnte, war zunächst unklar.
Kraftwerksbetreiber spricht von Anschlag
Der Energieversorger Leag geht dagegen von einem Anschlag aus. Nach Angaben des Unternehmens wurde am Morgen ein Anschlag auf das Umspannwerk verübt, über das der im Kraftwerk Jänschwalde erzeugte Strom in das Übertragungsnetz von 50Hertz eingespeist wird.
„In der Folge kam es zu einem technischen Ausfall von Block B im Kraftwerk“, teilte ein Leag-Sprecher mit. Ein Zusammenhang zwischen dem Vorfall am Umspannwerk und dem Ausfall werde geprüft.

Bei einem Sabotageanschlag auf das Umspannwerk Preilack, das zum Gelände des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde im Osten Deutschlands gehört, wurden improvisierte Sprengvorrichtungen eingesetzt. (Archivbild)
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Die „Märkische Allgemeine“ berichtete unter Berufung auf Sicherheits- und Unternehmenskreise, Einsatzkräfte hätten mehrere Vorrichtungen für mit Sprengstoff bestückte Raketen gefunden und entschärft. Demnach soll das Umspannwerk mehr als einmal getroffen worden sein.
Woidke fordert besseren Schutz der Infrastruktur
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke sprach von einem „Anschlagsversuch“ und verurteilte die Tat. Die hohe Frequenz entsprechender Vorfälle zeige, dass die Infrastruktur entschlossener geschützt werden müsse, erklärte der SPD-Politiker.
Nach seinen Angaben kamen bei dem Vorfall keine Menschen zu Schaden. Einsatzkräfte sowie Beschäftigte von Umspannwerk und Kraftwerk hätten durch rasches und besonnenes Handeln Schlimmeres verhindert.

Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident von Brandenburg, gibt ein Statement. (Archivbild)
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Das Umspannwerk Preilack im Landkreis Spree-Neiße liegt nahe der Landesgrenze zu Sachsen. Dort wird der im Kraftwerk Jänschwalde erzeugte Strom überregional und regional verteilt. Das Kraftwerk wurde zwischen 1976 und 1989 errichtet. Ende 2028 sollen seine letzten Blöcke endgültig stillgelegt werden.
Ermittlungen nach Angriffen gegen Strominfrastruktur
Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Angriffen auf Strominfrastruktur im Großraum Berlin ein. Im Januar zündeten mutmaßlich linksextreme Täter Starkstromleitungen nahe einem Kraftwerk im Südwesten Berlins an. Rund 45.000 Haushalte sowie mehr als 2200 Geschäfte und Unternehmen, Krankenhäuser und Pflegeheime waren daraufhin tagelang ohne Strom. Die sogenannten „Vulkangruppen“ bekannten sich zu dem Brandanschlag.
Bereits im März 2024 hatte eine Gruppe Feuer an einem großen Strommast gelegt, der auch für die Versorgung der Tesla-Fabrik in Grünheide benötigt wurde. Die Produktion des Werks kam infolge der Sabotage tagelang zum Erliegen.
Während nach dem Vorfall in Brandenburg die Ermittlungen laufen, sorgt ein Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Saale weiterhin für Aufsehen. Laut Medienberichten wird die Bundesregierung am Dienstag Russland für die Attacke verantwortlich machen. Ob es auch bei dem Vorfall in Brandenburg entsprechende Verdachtsmomente gibt, blieb zunächst offen.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Außenminister Johann Wadephul (CDU) wollen wohl offenbar noch am Dienstag über den Fall informieren. Die mit rund 600 Gramm Sprengstoff beladene Drohne war in der Nacht zum 5. August nahe einem ukrainischen Frachtflugzeug entdeckt worden, ihr Zünder hatte mutmaßlich versagt. (das/dpa)
