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LeuchtturmprojektRenommiertes Synagogenprojekt in Pulheim wird fortgesetzt

3 min
Zu sehen ist eine hell erleuchtete Synagoge.

Das Synagogenprojekt „refraction house“ von Mischa Kuball.

Der Pulheimer Stadtrat beschloss ein neues Konzept für die renommierte Kunstreihe in Stommeln und bewilligte dafür 50.000 Euro pro Jahr.

Es ist ein Leuchtturmprojekt. Davon zeigten sich alle Fraktionen im Stadtrat überzeugt. Seit Beginn der renommierten Kunstreihe Synagoge Stommeln im Jahr 1991 haben national und international bekannte Künstlerinnen und Künstler mit wenigen Ausnahmen jährlich eine Arbeit für das ehemalige jüdische Gebetshaus im Herzen von Stommeln entwickelt.

Da das Kunstprojekt in jedem Fall fortgesetzt werden soll, auch wenn Angelika Schallenberg, die Leiterin der Kulturabteilung, die es über Jahrzehnte verantwortet hat, Mitte des Jahres in den Ruhestand geht, haben die Fraktionen ein von der Verwaltung vorgeschlagenes Konzept beschlossen. Das Votum war einstimmig. Einige Ratsvertreter nutzten die Gelegenheit, Angelika Schallenberg für die „hervorragende Arbeit“, die sie über Jahrzehnte geleistet habe, zu danken.

Um die öffentliche Wahrnehmung dauerhaft zu steigern, soll das Programm ausgeweitet werden. Die jährliche große Ausstellung in der Synagoge an der Hauptstraße in Stommeln „soll ergänzt werden durch eine kleinere künstlerische Intervention und ein Diskurs- und Vortragsprogramm, so dass insgesamt drei Veranstaltungen jährlich realisiert werden“, so die Verwaltung im Beschlussvorschlag für den Stadtrat.

Pulheim: Stadtrat bewilligt 50.000 Euro pro Jahr

Dafür hat der Stadtrat 50.000 Euro pro Jahr bewilligt. Das Budget ist fast doppelt so hoch wie in den Vorjahren. Schon für das laufende Jahr ist eine Neuauflage des Projektes geplant. Verantwortlich für das Projekt soll auch künftig die Verwaltung sein. Ein Kunstbeirat wird sie unterstützen. Ihm gehört Mischa Kuball an, Konzeptkünstler und seit 2007 Professor für Kunst im öffentlichen Raum an der Kunsthochschule für Medien in Köln.

Er hat 1994 das Synagogenprojekt „refraction house“ realisiert. Auch Ursula Frohne, Professorin für Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt Moderne an der Universität Münster, und Luzia Kilias, Vorsitzende der 2012 gegründeten Initiative für zeitgenössische Kunst und Musik in Pulheim (IzKuMP), haben laut Verwaltung ihre Mitarbeit zugesagt – um nur einige Namen zu nennen. Die Mitglieder des Kunstbeirates sind gut vernetzt und verfügen über Kontakte zu Förderinstitutionen.

„Ich freue mich über das Vertrauen, das mir die Verwaltung und insbesondere Bürgermeister Frank Keppeler entgegenbringen“, sagte Mischa Kuball im Gespräch mit dieser Zeitung. Dass die renommierte Kunstreihe fortgesetzt werde, „bedeutet einerseits Kontinuität des sehr erfolgreichen, international beachteten Projektes. Und es wird erweitert um Interventionen, Performances und ein Diskurs- und Vortragsprogramm, um die Stadtgesellschaft stärker einzubinden.“

Es gebe aktuell nur noch wenige Zeitzeugen, aber viele, die später geboren worden seien und viele Fragen rund um die Erinnerungskultur hätten. „Die Performances werden uns helfen, deutlicher zu verstehen, wo die jüngere Generation mit ihren Überlegungen steht.“ Luzia Kilias ist „hocherfreut, dass das Synagogenprojekt durch diese Konstellation langfristig gesichert ist“.