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Immer erschöpftWas Mütter für sich tun sollten, um dem Burnout zu entkommen

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Viele Mütter sind dauerhaft erschöpft, funktionieren aber immer weiter - nicht ohne Folgen.

Köln – Diese unendliche Müdigkeit. Die dauernde Erschöpfung. Das Hamsterrad-Gefühl. Die nie enden wollenden Aufgaben und Gedanken, die an den Nerven und Kräften zehren. Und keine Zeit zum Pause machen. Dann die Stimme in einem, die immer wiederkehrt: Ich will einfach nur ins Bett! Ich könnte ständig nur heulen! Aber ich muss ja funktionieren!

Viele Mütter stehen ständig kurz vor Burnout

Im „ganz normalen“ Alltag mit Kindern, Job und Haushalt kommen vor allem Mütter oft an ihre Grenzen. Selbst wenn es von außen so wirkt, als bekämen das alle locker hin, sieht die Realität oft ganz anders aus: Viele schaffen es zwar, aber nur noch gerade so. Sie wanken quasi am Abgrund vorbei, fallen noch nicht um, aber haben auch keine Kraft mehr, das Leben zu genießen. Sie kratzen sozusagen ständig am Burnout.

Kein Wunder, bei dem, was Mütter heute alles leisten müssen, sagt Nathalie Klüver in ihrem Buch „Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein“. Und bei den riesigen Erwartungen, die das Umfeld, aber auch die Mütter selbst an sich stellen. Das Mutterideal in unserem Land sei schließlich mächtig: Es ist das Bild einer sich ständig aufopfernden, perfekten Mutter, die ihre Kinder toll fördert, liebevoll betreut, dabei gut aussieht, einen aufregenden Job mühelos stemmt und bitteschön auch noch ständig glücklich damit zu sein hat. Und die, wenn etwas nicht klappt, die Schuld bei sich sucht und sich lieber noch mehr anstrengt, um alles besser hinzukommen, als um Hilfe zu fragen.

Doch wie können Mütter es schaffen, aus der endlosen Belastungsspirale rauszukommen? Und wie gelingen im vollen Alltag überhaupt echte Auszeiten? Im Buch gibt Klüver Tipps, wie Mütter im Alltag den Stress reduzieren, wieder mehr zu sich finden und dem Burnout entkommen können. Wir haben fünf davon zusammengefasst:

Mehr Zeit für sich – ohne schlechtes Gewissen

Mütter kümmern sich meist um alles gleichzeitig – nur nicht um sich selbst. Viele können sich kaum mehr daran erinnern, wann sie das letzte Mal einfach nur etwas für sich getan haben - ohne dass das schlechte Gewissen kommt. Ohne dass sie das Gefühl haben, Zeit für sich selbst sei ein überflüssiger Luxus und raube nur Zeit für andere Erledigungen und Familienmitglieder.

Doch genau diese Selbstfürsorge sei unglaublich wichtig, sagt Nathalie Klüver. Mütter müssten regelmäßig Pausen machen. Und zwar dann, wenn Körper und Psyche es einfordern. Und nicht erst als Belohnung, wenn die Aufgaben erledigt sind - das sei nämlich ein Teufelskreis, da der Punkt, an dem alles getan ist, bekanntermaßen niemals wirklich eintrete. Mütter sollten lernen, ihre Grenzen wahrzunehmen und sie sich einzugestehen. Und erkennen, was ihnen im Alltag besonders schadet und was ihnen gut tut. Es helfe, diese schönen Dinge als Rituale fest im Alltag zu verankern.

Dass Eltern für sich selbst sorgen, das sei sehr wichtig für die ganze Familie: „Wer sich nie um sich selbst kümmert, hat schnell keine Kraft mehr für andere.“ Niemand könne ständig 120 Prozent geben und sich aufreiben, ohne auf die eigenen Bedürfnisse zu hören.

Einfach mal Nein sagen – und sich abgrenzen

„Klar backe ich einen Kuchen für den Kita-Bazar! Natürlich schaffe ich die Präsentation bis morgen! Logisch helfe ich euch beim Umzug!“ Mütter sagen oft zu vielem Ja, was sie im Alltag zusätzlich eigentlich kaum mehr leisten können. Um die Last der vielen tausend Aufgaben zu reduzieren, so Nathalie Klüver, sollten sie deshalb lernen, öfter einmal Nein zu sagen und Prioritäten zu setzen.

Vielen falle das Nein sagen schwer, weil es möglicherweise die Harmonie störe. Deshalb sollten sie das aktiv üben. Zum Beispiel, indem sie sich den entsprechenden Satz vorher aufschreiben und laut vor sich hin sprechen. In der Situation sollte man dann bestimmt hinter der eigenen Meinung stehen, selbst wenn das Gegenüber doch versuche, einen vom Gegenteil zu überzeugen. Hilfreich sei es auch, sich grundsätzlich klarzumachen, wo die eigenen Grenzen liegen und was man in Zukunft anders machen möchte. Also dem Chef zum Beispiel deutlich zu sagen, dass man kurz vor Feierabend grundsätzlich nichts Neues mehr annehme.

Das Nein sagen gelte übrigens auch den Kindern gegenüber. Oft sei ein Ja der bequemere Weg, doch auch Kinder akzeptierten ein Nein. Und oft trage das sogar dazu bei, dass sie Dinge alleine tun und dadurch selbständiger werden.

Stressquellen erkennen – und entschärfen

Es sind oft die immer gleichen Dinge, die Mütter stressen und das Fass (fast) zum Überlaufen bringen. Um diesen ewigen Auslöser zu durchbrechen, sollten Mütter deshalb herausfinden, was die echten Stressquellen und Zeitfresser in ihrem Alltag sind.

Zwar seien manche dieser Stressauslöser nicht zu umgehen, einige aber könne man ändern und so den Stress reduzieren, sagt Klüver. Soll man die Kinder abends nicht lieber eine halbe Stunde länger spielen lassen, damit sie danach auch wirklich müde sind und nicht ewig Theater machen beim ins Bett gehen? Kann ich die Einkäufe besser erledigen, bevor ich sie von der Kita abhole, um den Nörgel-Eklat im Supermarkt zu vermeiden? Soll ich für Wege nicht von vorne herein mehr Pufferzeit einplanen, damit wir nicht immer unter Zeitdruck stehen? Wer an den wichtigen Stellen kleine Dinge ändere, habe oft einen stressfreieren Alltag.

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Besser planen – und die Tage nicht überfrachten

Es ist immer viel los im Familienalltag. Eine gute Planung könne aber helfen, den Stress zu entzerren, sagt Klüver. Zuallererst sollten Eltern nicht den Familienalltag nach den Terminen ausrichten – sondern umgekehrt. Vieles lasse sich auch mal leicht verschieben oder anders legen.

Besonders wichtig sei, so Klüver, die Tage nicht zu überfrachten. Kinder bräuchten nicht ständig ein großes Nachmittagsprogramm. Sie hätten sowieso genug Action in der Schule oder der Kita. Die Kinder einfach mal in ihrem Tempo spielen und Zeit vertrödeln zu lassen, könne auch auf die Eltern entschleunigend wirken. Im besten Fall würden die sogar das Drumherum vergessen und wie die Kleinen auch einfach mal im Moment leben.

Hilfe annehmen – auch wenn es schwer fällt

„Soll ich was mitbringen? - Danke, ich mach das schnell selbst.“ Mütter, so schreibt Natalie Klüver, lehnten oft Hilfsangebote von anderen reflexhaft ab und machten sich so unnötig das Leben schwer. Weil sie es sich so angewöhnt haben oder zu stolz sind, um etwas abzugeben. Statt immer alles selbst zu machen, sollten sie aber lernen, Hilfe anzunehmen. Und auch einfach mal zugeben, dass sie diese auch dringend brauchen, weil gerade alles zu viel ist.

Dazu gehöre auch, öfter einmal die Hilfe von Großeltern, Freunden, Babysitter oder Putzfrau zu nutzen. Und im Notfall auch eine von der Krankenkasse bezahlte Haushaltshilfe zu engagieren oder eine Mutter-Kind-Kur zu beantragen.

Buchtipp:Nathalie Klüver Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein Trias Verlag, 2018

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