Dringend fordern Tageseltern eine Anpassung der Betreuungssätze an die gestiegenen Kosten „Wir brauchen schnell Hilfe, sonst drohen viele Schließungen.“
Tageseltern in Köln„Nicht mehr zu stemmen“ – Schließungen drohen

In kleinen Gruppen werden Kinder unter drei Jahren von Tagesmüttern und -vätern betreut.
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„An der Grenze des Machbaren“, „noch gerade so“, „nicht mehr zu stemmen“ – Rückmeldungen wie diese kämen von Tagesmüttern und -vätern in Köln fast täglich, sagt Rita van Stegen von der IG Kölner Tageseltern. „Die Kosten für Miete und Energie sind massiv gestiegen, Lebensmittel extrem teuer geworden. Aber die Betreuungssätze der Stadt sind seit Jahren gleich geblieben.“ „Viele von uns arbeiten für eine Vergütung, die seit zehn Jahren nicht an Inflation und Kostenentwicklung angepasst wurde“, kritisiert auch Tagesvater Bülent Erdogan (48).
Wir hatten ein Gespräch mit dem Jugendamt, aber danach ist nichts mehr passiert.
Schon im November 2022 hatten zahlreiche Tagesmütter und -väter mit einer Demonstration vor dem Rathaus auf ihre prekäre Situation aufmerksam gemacht. „Wir hatten ein Gespräch mit dem Jugendamt, aber danach ist nichts mehr passiert“, sagt Rita van Stegen. „Und auch im aktuellen Jugendhilfeausschuss stehen wieder nur die Kitas auf der Tagesordnung.“
Mietkostenzuschuss seit 2015 unverändert
Um das zu ändern, demonstrierten die Tagespflegekräfte gestern erneut. Um Schließungen im großen Umfang zu vermeiden, müssten die seit 2015 stagnierenden Geldleistungen endlich angepasst werden, so die Forderung der IG. Derzeit bekommen die Tageseltern pro Kind unter drei Jahren 5,27 Euro pro Stunde bei der Betreuung in der eigenen Wohnung und 6,27 Euro, wenn sie gewerbliche Räume mieten. „Der Satz muss dringend erhöht werden, auf 6,50 Euro beziehungsweise 7,80 Euro bei Betreuung in gemieteten Räumen“, sagt van Stegen. Die 42-Jährige kümmert sich mit einer Kollegin um neun Kinder – vom Säugling bis zum knapp Dreijährigen. „Mehr dürfen es nicht sein, damit wir die Kinder gut betreuen können. Und das ist auch richtig so.“
Seit 2015 sei auch der Mietkostenzuschuss von einem Euro pro Kind und Stunde nicht angepasst worden. Benötigt würden 1,30 Euro, so die IG Kölner Tageseltern. „Denn fast alle Räume in der Tagespflege haben einen Staffelmietvertrag, neue Verträge werden oft sogar mit Indexmiete abgeschlossen. Dann wird die Miete teurer, wenn die Inflation steigt und alles andere auch teurer wird“, so van Stegen. Von den Tagessätzen müssten ja nicht nur Miete, Nebenkosten und Energiekosten gezahlt werden. „Wenn ich eine 40-Stunden-Betreuung in einer Großtagespflege anbiete, muss ich davon auch meine Familie ernähren können.“ Man werde die Tagespflege in das Fachgespräch zur Situation der Kitabetreuung Ende Mai mit aufnehmen, versprach Schuldezernent Robert Voigtsberger in der gestrigen Ausschusssitzung.
Dies führte in der Vergangenheit aber nur teilweise zum Erfolg.
Dass die Tagespflege schon jetzt eine feste Hausnummer bei der Bereitstellung von Betreuungsplätzen ist, kommt in der schriftlichen Antwort des Dezernenten auf eine Anfrage von Grünen und CDU im gleichen Ausschuss zum Ausdruck: Beim Versuch, mehr Kitaplätze in unterversorgten Stadtteilen zu bekommen, habe man Investoren dort um „Flächen- oder Immobilienakquise und Kitabau“ gebeten. „Dies führte in der Vergangenheit aber nur teilweise zum Erfolg, sodass keine ausreichenden Flächen zur Verfügung stehen.“ Deshalb werde man beim Ausbau der Großtagespflege im Rahmen des städtischen Förderprogramms Steuerungsaktivitäten umsetzen, „die auch und insbesondere benachteiligte Stadtteile adressieren“.
U-3-Betreuung
3374 Kinder wurden 2022 im Rahmen der öffentlich geförderten Kindertagespflege betreut. 900 öffentlich geförderte Tagesmütter und -väter gibt es in Köln. Die Zahl der betreuten unter Dreijährigen ist bis 2019 kontinuierlich gestiegen, während der Pandemie gleich geblieben und liegt jetzt leicht über dem Wert von 2019.

