Eine zweite Hochzeit wirft Fragen auf: Weißes Kleid? Ex-Partner einladen? Experten geben Tipps für die moderne Trauung.
Zweite Ehe, neue RegelnVom Brautkleid bis zur Einladung für den Ex-Partner

Egal, ob erste, zweite oder x-te Hochzeit: Es zählen nicht die Erwartungen von Außenstehenden, sondern nur, was sich das Brautpaar wünscht.
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Eine bekannte Empfehlung für die zweite Eheschließung einer Frau lautet: „Nicht in Weiß!“. Diese Konvention gilt jedoch als überholt, wie die Hochzeitsberaterin Susanne Helbach-Grosser erläutert. Die Braut sei keineswegs gezwungen, ein unauffälliges Beige zu wählen. „Selbstverständlich kann sie auch wieder in Weiß heiraten, wenn sie es möchte!“, unterstreicht die Stilexpertin. Priorität sollte immer haben, welche Vorstellungen das Paar selbst hegt. „Was andere Leute meinen, was früher galt, würde ich heute alles beiseitelassen“, empfiehlt die Fachfrau.
Dieser Grundsatz lässt sich auf weitere Bräuche übertragen, beispielsweise darauf, dass der Brautvater seine Tochter zum Altar geleitet. „Ganz gleich, ob er das schon mal gemacht hat: Wenn das Brautpaar das schön findet und er es gerne wieder übernehmen möchte, kann und soll er es natürlich machen!“, äußert sich Helbach-Grosser.
Die Rolle der Kinder bei der Trauung
Falls der Vater erkrankt oder schon verstorben sein sollte, könnte diese Rolle auch von älteren Kindern übernommen werden. Ein wesentlicher Punkt bei einer zweiten Eheschließung ist die Integration von Nachwuchs aus vorherigen Partnerschaften. „Man muss vorher ganz arg klären, was gewünscht ist bei der Zeremonie“, so die Hochzeitsberaterin. Als besonders positiv wird es empfunden, wenn die Kinder beider Seiten gemeinsam eine Idee zur Gestaltung der Feierlichkeit entwickeln.
Abhängig von ihren Begabungen könnten sie etwas aufführen oder einen gemeinsamen Familienpakt für die künftige Patchwork-Konstellation entwerfen. Ein anderer Vorschlag ist der Austausch selbst gefertigter Armbänder, während das Paar die Ringe wechselt. Ebenso stellt die Anfertigung eines Familienalbums oder eines Wappens eine Option dar, um den Nachwuchs einzubinden.
Anwesenheit von Ex-Partnern: Ein heikles Thema?
Während die Teilnahme der Kinder zumeist unstrittig ist, gestaltet sich die Einladung von ehemaligen Partnern oft als sensibleres Anliegen. Ralf Hillmann, der als Paarberater und Autor tätig ist, erkennt darin aber kein prinzipielles Hindernis. „Ideal fände ich es, wenn es ein Zeichen dafür wäre, dass man gut mit dieser früheren Beziehung abgeschlossen hat“, äußert er. Sofern eine Trennung einvernehmlich war und gemeinsame Kinder vorhanden sind, kann ein achtungsvoller Umgang für alle Beteiligten nützlich sein.
Was geschieht jedoch, wenn ein Teil des Paares den früheren Partner des anderen nicht bei der Feierlichkeit dabei haben will? Hillmann zufolge besitzt keiner der beiden automatisch ein größeres Recht bei der Festlegung der Gästeliste. „Wichtig ist erst einmal, dass beide akzeptieren: Du wünschst Dir dies – und ich wünsche mir das. Und beides ist zunächst einmal in Ordnung.“
Lösung bei Meinungsverschiedenheiten
Jeder Mensch verfüge über individuelle Prägungen und Konzepte von richtig und falsch. „Wenn man wirklich eine partnerschaftliche Lösung will, muss man sich klarmachen: Mein Bedürfnis ist genauso berechtigt und zu respektieren wie Deines“, erklärt Hillmann. Eine umsichtige Lösung bestünde darin, dass einer der Partner nachgibt. Falls jedoch keine Übereinkunft erzielt werden kann, existiert für den Paarberater nur eine einzige, wirklich paritätische Lösung: „In solchen Situationen hilft es nur, ein Los zu ziehen und den Ausgang als gemeinsame Entscheidung zu akzeptieren.“
Eine derartige Debatte sollte allerdings nicht als Indiz für ein Scheitern der Partnerschaft interpretiert werden. „Man kann da ganz viel hineininterpretieren, was aber völlig falsch sein kann“, mahnt Hillmann. Deutlich sei jedoch ebenso: „Eine Beziehung funktioniert dann am besten, wenn beide psychisch reif sind und keine Altlasten mit sich herumschleppen.“
Vergangenes loslassen und Zukunft gestalten
Dies impliziere aber nicht, dass die frühere Ehe vor einer erneuten Heirat intensiv „aufgearbeitet“ werden müsse, so der Paarberater. Solange keine gravierenden Traumata bestehen, sei dies nicht erforderlich. „Meistens reicht es wirklich, sich bewusst zu machen: Beim ersten Mal ist etwas schiefgegangen, das war nicht schön, aber es lohnt sich nicht, das zu dramatisieren.“ Von größerer Bedeutung sei es, loszulassen und die Perspektive in die Zukunft zu lenken.
Die eigene Vorgeschichte muss bei der zweiten Eheschließung keinesfalls unerwähnt bleiben. Die Hochzeitsberaterin Susanne Helbach-Grosser spricht sich für einen humorvollen Umgang aus, beispielsweise bei den Einladungskarten: „Man kann auch ruhig schreiben: ‚Wir starten einen zweiten Versuch‘ oder ‚Level zwei – jetzt wird es offiziell‘!“ Schuldgefühle sowie Rechtfertigungen seien an dieser Stelle unangebracht. (dpa/red)
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