Sich trotz Erfolgen wie ein Betrüger fühlen? Das steckt hinter dem Hochstapler-Syndrom und das können Betroffene tun.
Wenn Erfolge zur Qual werdenWas das Impostor-Syndrom ist und was dagegen hilft

Mehr leisten, um zu genügen? Klingt fleißig – fühlt sich aber wie Dauerstress an. Anhaltender innerer Druck kann Schlafstörungen, Depressionen oder Burn-out begünstigen.
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Wenn persönliche Leistungen sich unverdient anfühlen, könnte das Hochstapler-Syndrom vorliegen. Ein Fachmann erläutert die Hintergründe und zeigt auf, welche Maßnahmen Betroffene ergreifen können.
Permanente Zweifel an der eigenen Person sind nicht nur belastend, sondern können auch gesundheitliche Folgen haben. Das sogenannte Hochstapler-Syndrom ist ein Beispiel hierfür. Menschen mit dieser Veranlagung sind unfähig, persönliche Errungenschaften zu akzeptieren oder Anerkennung anzunehmen, wie Steffen Häfner, ein Spezialist für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, erläutert.
In der Regel betrachten sie sich als Betrüger und schreiben ihre Leistungen dem puren Glück zu. Häfner, der zugleich die Position des Ärztlichen Direktors an der Klinik am schönen Moos in Bad Saulgau innehat, führt aus, dass die Furcht vor der Aufdeckung ihrer angenommenen Inkompetenz weit verbreitet ist. Daraus resultiert ein permanenter Antrieb zu gesteigerter Leistung, was in chronischen und belastenden Stress übergehen kann.
Die Ursachen des Hochstapler-Phänomens
„Ist dieses Persönlichkeitsmuster stark verinnerlicht und hat sich mit der Zeit zunehmend verfestigt, kann der anhaltende innere Druck Schlafstörungen, Depressionen sowie Burn-out begünstigen“, äußert Häfner. Das Hochstapler-Syndrom ist nicht mit übertriebener Zurückhaltung zu verwechseln. Vielmehr verbirgt sich dahinter oft die tiefsitzende Furcht, den Anforderungen nicht gerecht zu werden. Diese Angst wird häufig durch Erziehungseinflüsse, das familiäre Umfeld oder einen ausgeprägten Perfektionismus geformt.
Personen, die von diesem Syndrom betroffen sind, neigen dazu, ihre eigenen Leistungen übermäßig kritisch und strenger als ihr Umfeld zu beurteilen. Sie entwickeln die Überzeugung, dass Erwartungshaltungen ausschließlich durch außerordentliche Anstrengungen zu erfüllen sind. Dennoch existieren wirksame Methoden, um diese Selbstzweifel und den empfundenen Druck zu mindern.
Wie man den Leistungsdruck bewältigen kann
Zunächst ist es entscheidend zu realisieren, dass es sich hierbei um ein psychologisches Phänomen handelt und die Zweifel an sich selbst kein individuelles Scheitern darstellen. Dieses Verständnis entzieht „dem inneren Kritiker einen Teil seiner Macht“, erläutert Häfner. Im Anschluss daran liegt der Fokus darauf, eine konstruktivere Sichtweise auf die persönliche Performance zu kultivieren.
Um einen milderen Umgang mit sich selbst zu pflegen, kann es förderlich sein, die persönlichen Erwartungshaltungen regelmäßig zu reflektieren und fest verankerte Glaubenssätze zu hinterfragen. Dabei können folgende Fragen helfen: Habe ich wirklich keinen Beitrag zum Gelingen geleistet? War alles tatsächlich nur Glück? Ist es zwingend erforderlich, stets fehlerfrei zu agieren?
Des Weiteren empfiehlt Häfner, Fehltritte als integralen Bestandteil des Lernens anzusehen. „Nicht jede Aufgabe muss fehlerfrei gelingen, um kompetent und erfolgreich zu sein“, so der Fachmann. Ein Tagebuch für Erfolge oder der Austausch mit Vertrauenspersonen können der Selbstentwertung entgegenwirken. Ebenso kann eine detaillierte Rückmeldung, beispielsweise durch einen Vorgesetzten, die verzerrte Wahrnehmung korrigieren, indem präzise dargelegt wird, welche Aspekte aus welchen Gründen anerkennenswert waren.
Professionelle Unterstützung als Option
Sollte das Hochstapler-Syndrom zu einer erheblichen psychischen Belastung führen, ist es nach Häfners Einschätzung empfehlenswert, fachkundige Unterstützung zu suchen. Eine Psychotherapie kann Betroffenen dabei helfen, übermäßig kritische Gedankenmuster aufzulösen und die eigenen Fähigkeiten realistischer zu bewerten. Wenn die Etablierung einer konstruktiveren Sichtweise gelingt, kann diese veränderte Haltung Emotionen und Verhalten im täglichen Leben positiv prägen und somit seelisches Leiden verringern. (dpa/red)
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