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Facharzt erklärtSechs Anzeichen, wann aus Genuss eine Alkoholsucht wird

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Mann hält eine Bierdose in der Hand

Der regelmäßige Griff zum Bier? Wer an einer Alkoholabhängigkeit leidet, benötigt in der Regel Hilfe.

Vom gelegentlichen Drink zur Abhängigkeit ist es oft ein schmaler Grat. Ein Facharzt beschreibt die Kriterien, die auf eine Sucht hindeuten.

Alkohol wird von zahlreichen Personen zur Entspannung oder bei geselligen Anlässen konsumiert, was als gesellschaftlich akzeptiert gilt. Der Übergang vom Genussmittel zur Sucht verläuft jedoch häufig unbemerkt. Ein charakteristisches Merkmal einer Suchterkrankung ist die Verharmlosung des eigenen Trinkverhaltens, bei der Betroffene Rechtfertigungen für ihren Konsum finden, erläutert der Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Bajram Vuthaj.

Für eine erfolgreiche Überwindung der Sucht ist das Eingeständnis der Erkrankung unerlässlich. „Der erste Schritt ist, sich einzugestehen, dass man süchtig ist“, bekräftigt Vuthaj, der die Position des Chefarztes an der Median Rhein-Haardt-Klinik in Bad Dürkheim innehat.

Sechs Indikatoren: Ab wann spricht man von Sucht?

Eindeutige Symptome deuten auf eine Alkoholabhängigkeit hin. Eine solche wird diagnostiziert, sofern im zurückliegenden Jahr wenigstens drei der nachstehenden sechs Merkmale zutrafen:

Starkes Verlangen: Ein kaum zu unterdrückender Drang, Alkohol zu konsumieren, ist vorhanden.

Kontrollverlust: Die konsumierte Menge übersteigt wiederholt die eigene Absicht.

Toleranzentwicklung: Um den gewünschten Effekt zu spüren, sind stetig steigende Dosen erforderlich.

Entzugserscheinungen: Physische Reaktionen wie Zittern, Schwitzen, innere Unruhe oder Schlafprobleme manifestieren sich bei Abstinenz.

Vernachlässigung: Das tägliche Leben fokussiert sich immer mehr auf die Besorgung und den Konsum von Alkohol, während Hobbys und soziale Kontakte in den Hintergrund treten.

Anhaltender Konsum: Das Trinken wird fortgesetzt, obwohl es bereits erkennbare negative Auswirkungen auf die Gesundheit, den Beruf oder die Familie hat.

Die Feststellung einer Alkoholsucht hängt demnach nicht davon ab, ob täglich oder hochprozentige Getränke konsumiert werden. Ausschlaggebend ist stattdessen die Reaktion des Organismus auf die Zufuhr oder das Ausbleiben von Alkohol.

Professionelle Unterstützung statt reiner Willenskraft

Die Bewältigung einer Abhängigkeit ist laut Bajram Vuthaj nicht allein eine Sache der Willenskraft. Stattdessen sei fachkundige Unterstützung notwendig. Laut dem Experten offerieren psychosomatische Fachkliniken dafür maßgeschneiderte Programme. Diese ermöglichen es den Patienten, die tieferliegenden Gründe für ihre Sucht zu ergründen und alternative Bewältigungsmechanismen zu entwickeln.

Die Finanzierung einer derartigen Behandlung wird für gewöhnlich von den Rentenversicherungen oder den Krankenkassen getragen. Während der Therapie besteht nach Auskunft des Mediziners ein gesetzlicher Kündigungsschutz für den Arbeitsplatz.

Regionale Hilfsangebote und Selbsthilfegruppen

Zusätzliche Hilfe bei einer Abhängigkeit können Betroffene in Selbsthilfegruppen finden. Deren Besuch ist kostenfrei, teilt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen im Zuge ihrer Kampagne Aktionswoche Alkohol mit. Zahlreiche solcher Anlaufstellen existieren auch in Köln und Umgebung, die sich an spezifische Personengruppen wie Angehörige, junge Menschen oder nach Geschlechtern getrennte Gruppen richten. (dpa/red)

Kontaktdaten und Anlaufstellen in der Umgebung sind beispielsweise über die folgenden bundesweiten Organisationen erhältlich:

- Anonyme Alkoholiker - Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur e.V. - Bundesverband der Elternkreise suchtgefährdeter und suchtkranker Söhne und Töchter e.V. (BVEK)- Deutsches Rotes Kreuz - Blaues Kreuz in Deutschland e.V. (BKD)- Narcotics Anonymous