Die Sonne scheint, doch die Seele ist dunkel. Warum der Frühling für Menschen mit Depressionen eine schwere Zeit ist.
Sonne scheint, Stimmung sinktExperte erklärt, warum der Frühling depressiv machen kann

Aktiv werden, damit die Stimmung besser wird: Auch wenn das mit einer Depression nicht immer einfach ist - Bewegung an der frischen Luft kann Betroffenen helfen.
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Die Sonne scheint, doch die Seele ist dunkel. Für Menschen mit Depressionen ist der Frühling oft eine schwere Zeit. Was Betroffene tun können.
Für Personen mit depressiven Erkrankungen kann es widersprüchlich wirken, wenn die Umgebung im Frühling erwacht. Die Tageslichtdauer nimmt zu, die allgemeine Laune verbessert sich und die Freude über das schöne Wetter ist groß, doch die eigene Niedergeschlagenheit besteht fort.
Dies steht jedoch nicht zwingend in Verbindung mit der Jahreszeit, auch wenn der Begriff der Frühjahrsdepression verbreitet ist. «Eine Frühjahrsdepression gibt es aus wissenschaftlicher Sicht nicht», äußert Prof. Ulrich Voderholzer, Ärztlicher Direktor an der Schön Klinik Roseneck, wie die dpa meldet. «Eine Depression kann grundsätzlich immer auftreten, auch wenn wir es nicht erwarten.»
Verstärkte Symptome durch den Frühling
Nach Aussage des Spezialisten für Psychiatrie und Psychotherapie kann sich der Zustand von Personen mit einer bereits vorhandenen Depression während des Frühlings jedoch verschlechtern.
Möglicher Auslöser ist der gesellschaftliche Druck, sich angesichts der beginnenden schönen Saison wohlfühlen zu müssen. Persönliche Defizite, die mit einer Depression einhergehen, wie etwa Antriebslosigkeit oder Freudlosigkeit, werden durch diesen Gegensatz oft als besonders intensiv empfunden.
«Es ist eher ein soziales oder kulturelles Phänomen», erklärt Voderholzer. Die Annahme, an den angenehmen Unternehmungen, die im Frühjahr wieder stattfinden, partizipieren zu müssen, führt dazu, dass die Kluft zum eigenen Energieniveau noch deutlicher wahrgenommen wird. Dies kann das Empfinden von Verlassenheit intensivieren und bewirken, dass sich Erkrankte weiter zurückziehen.
Sechs alltagstaugliche Strategien für Betroffene
Ulrich Voderholzer gibt jedoch Anlass zur Zuversicht. Falls keine besonders schwere Form der Depression besteht, bei der die Umsetzung von Empfehlungen ohnehin schwierig ist, existiert eine Vielzahl von Methoden, die zur Linderung depressiver Anzeichen beitragen können.
Druck rausnehmen: Voderholzer empfiehlt, die persönliche Lage anzunehmen, ohne die Erwartung, «dass es jetzt anders sein muss». Ein solcher Anspruch könne Schuldgefühle, die bei Depressionen häufig stark vorhanden sind, weiter intensivieren. Zugleich sei der Ausblick von Bedeutung, dass depressive Phasen vergänglich sind.
Tagesstruktur: «Tages- und Schlafstruktur sind wichtige Aspekte zur Besserung», so der Facharzt. Pausen sind gestattet. Verbringen Menschen mit Depressionen jedoch zu viel Zeit des Tages im Bett, wirkt sich das negativ aus. Dies kann die Gemütslage beeinträchtigen und die nächtliche Ruhephase stören.
Bewegung – am besten draußen: Eine zentrale Empfehlung bei depressiven Phasen ist körperliche Betätigung an der frischen Luft. Für zahlreiche Betroffene ist es zudem leichter realisierbar, «einfach rausgehen» umzusetzen, als sich große Aufgaben vorzunehmen. Hierbei ist zu beachten: Selbst eine kurze Runde zu Fuß ist wertvoll.
Aktiv werden: «Nicht warten, bis die Stimmung gut ist, sondern aktiv werden, damit die Stimmung besser wird», lautet der Rat von Voderholzer.
Reden statt Rückzug: Voderholzer legt Betroffenen nahe, ihre Scham zu überwinden und das Gespräch mit nahestehenden Personen zu suchen: «Über die eigene Stimmung reden, sich mitteilen, nicht alleine bleiben.» Unterstützung zu akzeptieren sei kein Ausdruck von Schwäche, sondern von Stärke.
Social-Media-Vergleiche reduzieren: «Die Welt, die man in den sozialen Medien erlebt, ist eine geschönte Realität», erklärt Ulrich Voderholzer und mahnt zur Vorsicht vor permanenten Vergleichen. Diese könnten den Selbstwert und die Gemütslage «noch mehr runterziehen».
Selbstfürsorge: Laut dem Facharzt ist es entscheidend, die eigenen Belastungsgrenzen zu respektieren. «Lieber weniger Aktivität als keine und lieber weniger Aktivität als zu viel», resümiert er. Das bedeutet: Wer eine Stunde im Freien nicht bewältigt, sollte lieber eine halbe Stunde spazieren gehen als gar nicht.
Wann professionelle Hilfe wichtig ist
Obwohl nicht jede depressive Phase umgehend einer Behandlung bedarf, sollten Erkrankte bei Notwendigkeit Unterstützung suchen. «Wenn eigene Strategien nicht mehr reichen und die Symptome erhebliche Auswirkungen auf den Alltag haben und ich zum Beispiel meinen Beruf nicht mehr ausüben kann, brauche ich professionelle Hilfe», erläutert Voderholzer.
Dabei muss es sich nicht unmittelbar um eine Psychotherapie handeln. Als erster Kontaktpunkt kann die Praxis des Hausarztes dienen. Gegebenenfalls können auch leicht zugängliche Therapieoptionen wie digitale Gesundheitsanwendungen eine Hilfe sein. Solche «Apps auf Rezept» vermitteln den Nutzern Methoden gegen die depressive Symptomatik. Entscheidend sind hierbei jedoch die regelmäßige Anwendung sowie eine generelle Aufgeschlossenheit für das jeweilige Programm.
Bei depressiven Phasen Unterstützung zu suchen und zu akzeptieren, ist kein Indiz für Schwäche, sondern ein Weg zur Stabilisierung. Anonym und kostenlos kann man rund um die Uhr mit der Telefonseelsorge sprechen unter 08 00/1 11 01 11 oder 08 00/1 11 02 22.
Informationen zur Unterstützung bei Depressionen finden sich ebenfalls auf der Seite der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Zudem führt das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit online Anlaufstellen für Personen auf, die sich in einer Krise befinden und Unterstützung brauchen. (dpa/bearbeitet durch Gemini 2.5 Pro)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.