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Falsch gedacht beim JournalingEine Therapeutin räumt mit sieben verbreiteten Mythen auf

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Eine Frau schreibt in ein Heft

Journaling ist eine beliebte Mental-Health-Praxis - es gibt aber viele Mythen dazu.

Das Führen eines Tagebuchs kann Anspannungen lösen und die psychische Verfassung verbessern. Aber welche Voraussetzungen sind dafür nötig? Eine Fachfrau gibt Antworten.

Die Gewohnheit, ein Tagebuch zu führen – häufig auch Journaling genannt – erfreut sich großer Beliebtheit. Das regelmäßige Festhalten von Überlegungen und Emotionen dient dazu, die eigene Wahrnehmung zu schärfen, den Umgang mit Belastungen zu erleichtern und die seelische Gesundheit zu kräftigen. Insbesondere auf Social-Media-Plattformen wird diese Methode häufig durch ansprechend aufgemachte Hefte und idealisierte Darstellungen von Schreibenden beworben. Aber was steckt tatsächlich hinter dieser Entwicklung? Laut „dpa“ räumt die zertifizierte Schreibtherapeutin Doris Hönig mit sieben gängigen Missverständnissen auf.

Mythos 1: „Journaling ist aufwendig“

Die Fachfrau widerspricht dieser Vorstellung. Nach Aussage von Hönig genügen bereits zehn Minuten täglich, um größere innere Klarheit zu schaffen und Anspannung zu reduzieren. Wichtiger als die investierte Zeit sei die kontinuierliche Praxis des Notierens.

Mythos 2: „Ich muss perfekt schreiben“

Dies ist ebenfalls eine Fehleinschätzung. Eine Notiz im Tagebuch muss nicht zu einem schriftstellerischen Kunstwerk werden. Man darf durchaus auch Alltägliches aufzeichnen, wobei grammatikalische oder orthografische Mängel irrelevant sind. Der Fokus liegt auf dem Gehalt, nicht auf der äußeren Gestaltung.

Mythos 3: „Ich brauche ein schönes Heft“

Zwar existieren viele besondere Notizbücher mit vorformulierten Anregungen zur Selbstbetrachtung, doch erforderlich sind sie nicht. Im Mittelpunkt steht die individuelle Auseinandersetzung mit sich selbst, nicht das äußere Erscheinungsbild. Ein schlichtes oder sogar abgenutztes Notizheft dient demselben Ziel.

Mythos 4: „Was ich schreibe, ist falsch“

Bei dieser Form des Schreibens existiert keine Unterscheidung zwischen „korrekt“ und „fehlerhaft“. Entscheidend sind allein die ureigenen, echten Gefühle und Überlegungen. Der Vorgang hat einen rein privaten Charakter und ist frei von jeglicher Beurteilung.

Mythos 5: „Oje, wenn das jemand liest ...“

Die Befürchtung, wie die Notizen auf andere wirken könnten, kann blockierend sein. Das Tagebuchschreiben bietet einen geschützten Rahmen, in dem auch Überlegungen geäußert werden können, die man andernfalls nicht zu formulieren wagt. Weil diese reflektierende Tätigkeit ausschließlich für die eigene Person bestimmt ist, rät Hönig dazu, das Heft bei Sorgen an einem geschützten Platz zu verwahren.

Mythos 6: „Ich muss täglich schreiben“

Jeden Tag zu schreiben ist eine Option, jedoch keine Pflicht. Doris Hönig rät: „Eine Regelmäßigkeit sollte aber da sein, zum Beispiel jeden Samstag“. Ein konstanter Takt, der sich in den persönlichen Alltag einfügt, ist bedeutsamer als die Häufigkeit pro Tag.

Personen, die ihre Emotionen und Überlegungen kontinuierlich aufzeichnen, können wiederkehrende Muster in ihrem Handeln und ihren Denkweisen identifizieren und falls nötig gezielt eingreifen. Wissenschaftliche Untersuchungen legen überdies nahe, dass das Stresslevel durch regelmäßiges Tagebuchschreiben reduziert werden kann. Es handelt sich demnach nicht um verschwendete Zeit. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.