Gute NachrichtWarum es weniger Krebserkrankungen gibt, obwohl wir immer älter werden

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Ein Hautarzt untersucht in seiner Praxis mit einem Vergrößerungsglas die Haut einer Patientin bei einer Hautkrebs-Früherkennung. (Archvbild)

Regelmäßige Untersuchungen erhöhen die Chancen, einen Krebs frühzeitig zu erkennen.

Die Zahl der Menschen, die mit Krebs im Krankenhaus landen, ist auf einem Tiefststand. Die Gründe dafür erklärt Arzt Magnus Heier in seiner Medizinkolumne.

Es gibt zwei widersprüchliche Informationen und eine gute Nachricht: Die Menschen in Deutschland werden immer älter. Und obwohl man weiß, dass Krebserkrankungen im Alter häufiger werden, sinkt deren Zahl!

Magnus Heier

Magnus Heier

ist Autor und Neurologe und schreibt die wöchentliche Medizinkolumne „Aus der Praxis“.

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Das ist bemerkenswert, denn das Gegenteil sollte man erwarten. Tatsächlich ist die Zahl der Patienten, die wegen Krebs im Krankenhaus behandelt werden, auf einen Tiefstand gefallen: Gut 1,4 Millionen Menschen lagen im Jahr 2022 (das aktuellste Jahr der Statistik) in Deutschland wegen Krebs in der Klinik. Vor 20 Jahren waren es noch 1,6 Millionen. Diese Zahlen kommen vom Statistischen Bundesamt.

Patienten sterben seltener an Krebs als früher

Hinzu kommt: Vor 20 Jahren starb jeder vierte Mensch an Krebs – jetzt (also wieder 2022) sind es noch 21,7 Prozent. Obwohl die Menschen immer älter werden. Obwohl die Krebswahrscheinlichkeit mit dem Alter steigt. Tatsächlich sind mehr als die Hälfte aller Krebspatientinnen und -patienten zwischen 60 und 79 Jahre alt.

Gleichzeitig ist die Häufigkeit von Krebserkrankungen irritierend unterschiedlich. Die Europäische Kommission hat eine Europakarte erstellt, in der die tödlich verlaufenden Krebserkrankungen farblich aufgetragen wurden. Die Unterschiede sind enorm. Gezeigt werden jeweils die Raten von Krebstoten pro 100.000 Einwohner. Gelb heißt: weniger als 218. Solche „gelben Länder“ sind etwa Schweden, Finnland, Österreich und Spanien. Länder mit mehr als 299 Toten sind tiefblau eingefärbt: etwa Polen, Kroatien oder Ungarn. Wie erklären sich diese enormen Unterschiede?

Vier Faktoren hat die Kommission benannt. Alle vier sind überhaupt nicht überraschend, eher eine Bestätigung dessen, was man schon ahnte. Da ist zum einen natürlich das Rauchen. Dann das Übergewicht. Und eine ungesunde Ernährung (die auch mit Übergewicht einhergehen kann). Und schließlich ein Mangel an Sport und Bewegung. Das Deprimierende bei dieser Aufzählung ist, dass sich diese Faktoren alle verändern ließen. Es ist sicherlich nicht leicht, mit dem Rauchen aufzuhören oder weniger oder gesünder zu essen. Aber es ist möglich. Und es würde das Leben vermutlich verlängern.

Was sich in Deutschland verbessert hat

Die oben genannte sinkende Zahl von tödlichen Krebserkrankungen hat sicherlich auch damit zu tun, dass die vier Faktoren hier zu Lande bekämpft werden, dass Aufklärung stattfindet. Aber das ist nicht alles: Auch die Behandlungen sind besser geworden. Dabei geht es gar nicht unbedingt um spektakuläre Durchbrüche. Es sind eher graduelle Verbesserungen, die das Leben verlängern.

Etwa eine präzisere und damit oft schnellere Diagnostik. Oder auch eine auf die einzelne Person individuell abgestimmte Krebstherapie. Die unter Umständen auch die körperliche und soziale Situation des Patienten berücksichtigt. Vor allem aber ist auch die Krebsbehandlung oft schonender geworden. Mit weniger Nebenwirkungen. Mit besserer Betreuung.

Und schließlich: Es gibt zahlreiche Früherkennungsprogramme. Etwa das Screening auf Hautkrebs – es tut nicht weh und kann Hautkrebs verhindern. Man sollte es nutzen!

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