Der Begriff künstliches Koma ist irreführend. Wir erklären, was bei einer Sedierung im Körper passiert und danach folgt.
Kein Koma, sondern SedierungWas bei einem künstlichen Schlaf im Krankenhaus passiert

Damit der Körper sich erholen kann – Sedierung blendet Reize aus, unterstützt die Beatmung und entlastet das Hirn.
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In deutschen Kliniken versetzt man täglich Patienten auf Intensivstationen in einen medikamentösen Tiefschlaf, eine Prozedur, die mitunter mehrere Wochen andauert. Im Folgenden wird erläutert, was dabei im Körper vorgeht, weshalb der Ausdruck künstliches Koma ungenau ist und welche Aspekte nach dem Aufwachen von Bedeutung sind.
Abgrenzung zum natürlichen Koma
Gemäß der Deutschen Hirnstiftung ist das Koma ein Zustand von andauernder Bewusstlosigkeit und stellt die gravierendste Form einer Bewusstseinsstörung dar. Auslöser können ein Schädel-Hirn-Trauma, ein Schlaganfall oder auch Hirntumore sein. Ebenso kann eine ausgeprägte Unterzuckerung bei Diabetes diesen Zustand herbeiführen. Die betroffenen Menschen reagieren dann nicht mehr auf Reize von außen.
Die künstliche Variante stellt hingegen eine steuerbare medizinische Handlung dar. Laut „Apotheken Umschau“ hält der Intensivmediziner Prof. Hendrik Bracht den Ausdruck für „unglücklich“. Er verwendet den Begriff Sedierung. Im Unterschied zum Koma lässt sich diese jederzeit gezielt aufheben.
Diese Maßnahme unterstützt die Behandlung und den Genesungsprozess. Bracht führt in dem Bericht unterschiedliche, mögliche Gründe an: Zum Beispiel, damit Patienten nicht gegen den Beatmungstubus ankämpfen. Es kann ebenfalls darum gehen, externe Reize auszublenden, wodurch das Gehirn Entlastung erfährt, um Ressourcen für Heilung und Erholung zu mobilisieren.
Der Zeitpunkt für das Beenden der Sedierung und das Aufwecken des Patienten richtet sich nach dessen gesundheitlicher Verfassung. Bei einer Besserung des Zustands wie erhofft, wird die Zufuhr der Medikamente verringert.
Ein solches Vorgehen gab es bei der Sängerin Bonnie Tyler (75). Laut ihrem Management wurde sie in diesen Zustand versetzt, weil sich ihre Verfassung nach einer Darmoperation in Portugal verschlechtert hatte. Ungefähr fünf Wochen danach erlangte sie ihr Bewusstsein zurück. Sie gilt jedoch nach wie vor als ernsthaft erkrankt und erhält eine Behandlung auf der Intensivstation.
Was nach dem Aufwachen wichtig ist
Nach dem Erwachen sind starkes Schwitzen, Kreislaufprobleme und Desorientierung möglich. Dies liegt daran, dass der Organismus Zeit für den Abbau der sedierenden Arzneistoffe braucht, wie das Portal Schlafanfallbegleitung.de darlegt.
Abhängig von der Dauer der Sedierung, dem Alter und vorliegenden Grunderkrankungen, kann es erforderlich sein, dass Betroffene in einer anschließenden Reha bestimmte Fähigkeiten wieder aufbauen oder sogar von Grund auf neu erlernen müssen. Dies kann Bewegungsabläufe, die Sprache oder auch das eigenständige Atmen betreffen.
Therapeutische Maßnahmen wie Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie unterstützen die Patienten dabei, zu einem Leben zurückzufinden, das dem vorigen möglichst nahekommt. (dpa/red)
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