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Neurologe zu Gen-Selbsttest„Es geht nicht um Lappalien, es geht um Leben und Tod“

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gentest

Es gibt zwei Arten von falschen medizinischen Ergebnissen: falsch negativ und falsch positiv. (Symbolbild)

  1. Es ist so einfach: Kein Arzt, nur ein Wattestäbchen, das per Post verschickt wird.
  2. Die Tests sind verführerisch, weil sie leicht zu handhaben sind und billig. Aber sie sind gefährlich.
  3. Dann kommt die Auswertung – und ab diesem Zeitpunkt beginnen gleich mehrere Probleme.

Köln – Es kann nicht schaden, möglichst viel über den eigenen Körper zu wissen – sollte man denken. Und so scheint ein allgemeiner Trend nur folgerichtig: Gentests werden immer populärer. Vor allem Tests nach dem „direct to consumer“ Prinzip: Nicht der Arzt macht den Gentest, sondern der Patient selbst.

Es ist auch ganz einfach: Ein Wattestäbchen wird an der Mundschleimhaut gerieben, es wird in ein Röhrchen gesteckt und mit der Post verschickt. Das schafft der Patient – oder in diesem Fall der Kunde – auch ohne Arzt. Dann kommt die Auswertung, ebenfalls per Post, direkt nach Hause. Und ab diesem Zeitpunkt beginnen gleich mehrere Probleme.

Sinnlose Operationen drohen

Eine Untersuchung unterstellt einem bestimmten Chip, in sage und schreibe 83 Prozent der Untersuchungen falsch zu liegen! Diese Zahl ist unglaublich. Denn es geht nicht um irgendwelche Lappalien, es geht um Leben und Tod. So untersucht dieser Chip eine so genannte BRCA-Genveränderung. Liegt sie vor, besteht ein massiv erhöhtes Risiko für Brust- und Eierstockkrebs. Und wenn das Ergebnis tatsächlich falsch ist?

Es gibt zwei Arten von falschen medizinischen Ergebnissen: falsch negativ und falsch positiv. Falsch negativ heißt: Der Test zeigt keine genetische Veränderung – aber sie ist da. Ein solches beruhigendes Ergebnis kann tödlich sein, wenn der Tumor tatsächlich ausbricht, man sich selbst aber in Sicherheit wähnt. Falsch positiv heißt: Der Test zeigt eine genetische Veränderung, die es in Wirklichkeit aber nicht gibt – der Patient ist verängstigt und es gibt Beispiele, in denen eine sinnlose Operation erst im letzten Moment abgesagt wurde.

Dr. Magnus Heier ist Neurologe und Autor.

Aber selbst wenn die Ergebnisse der Gentests stimmen hinterlassen sie massiv verunsicherte Patienten, die mit dem Ergebnis nichts anzufangen wissen. Sind sie klug, gehen sie in eine genetische Beratungsstelle. Diese Beratungsstellen sind in vielen Fällen durch die zahlreichen Anfragen schlicht überlastet. Und oft auch wütend, wenn sie die Verantwortung für sinnlose Gentests übernehmen müssen – und oft auch nachtesten müssen.

Die Angebote für Gentests sind zahlreich. Am populärsten sind Tests, die die eigene Abstammung erforschen sollen: „Entdecken Sie ihre ethnische Herkunft“ (das mag medizinisch unkritisch sein). Problematischer sind Tests, die etwa versprechen, Fitness und Ernährung zu analysieren – und damit zu verbessern. Ganz neu ist ein Test, der das biologische Alter in den Genen zu bestimmen verspricht. Sehr gefährlich wird es aber, wenn es um Krankheiten wie Krebs geht. Die Tests sind verführerisch, weil sie leicht zu handhaben sind und billig. Aber sie sind gefährlich.