Von Malaria bis Sonnenbrand: Auf Reisen lauern Gesundheitsgefahren. Experten erklären, wie Urlauber vorsorgen können.
Gefahr im UrlaubslandSo schützen Sie sich vor Dengue, Malaria und anderen Gefahren

Entspannt am Strand: Wer sich vorher kurz mit möglichen Gesundheitsrisiken auseinandersetzt, ist im Urlaub relaxter. Sonnencreme nicht vergessen!
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Von Sonnenbrand bis Dengue-Fieber: Auf Reisen lauern diverse Gesundheitsgefahren. Zwei Experten erläutern, wie Urlauber vorsorgen können.
Ob Sonnenschein, Küstenerholung oder neue Abenteuer – die Erwartungen an den Urlaub sind vielfältig. Oftmals werden dabei jedoch die gesundheitlichen Gefahren ignoriert. Dabei können in zahlreichen Destinationen Erkrankungen kursieren, die hierzulande unüblich sind.
Die positive Nachricht lautet: Wer sich der Gefahren bewusst ist und entsprechende Vorkehrungen trifft, kann seine Ferien weitgehend unbeschwert verbringen. Antworten auf zentrale Fragen liefern zwei Spezialisten für Reisemedizin.
Die häufigsten Beschwerden auf Reisen
„Durchfall, Sonnenbrand und Mückenstiche“, erklärt Tomas Jelinek. Dies seien die mit Abstand häufigsten gesundheitlichen Beschwerden, mit denen Reisende konfrontiert werden. „Das hört sich banal an, aber das kann alles garstig sein“, äußert der Berliner Infektiologe, welcher als Präsident der Deutschen Fachgesellschaft für Reisemedizin fungiert.
Aus diesem Grund sollten grundlegende Dinge wie Sonnencreme, Insektenschutzmittel und Arzneien gegen Diarrhö stets Teil des Reisegepäcks sein.
Notwendige Impfungen und die persönliche Abwägung
Eine Immunisierung kann Urlauber vor manchen gesundheitlichen Gefahren bewahren. Die Notwendigkeit einer spezifischen Impfung ist von diversen Umständen abhängig. Die Internistin Sabine Jordan gibt eine generelle Empfehlung: „Egal, wohin man reist: Alle Impfungen, die hierzulande als Standard empfohlen sind, sollte man haben“, erklärt die Medizinerin vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Dies betrifft Tetanus, Masern oder Polio – Erkrankungen, die in anderen Weltregionen teils deutlich verbreiteter sind als hierzulande.
Die Entscheidung für eine zusätzliche, reisespezifische Vakzination ist eine persönliche Überlegung. Sie wird maßgeblich vom Reiseziel, den geplanten Unternehmungen sowie der Häufigkeit und Gefährlichkeit einer bestimmten Krankheit beeinflusst.
Ein Beispiel hierfür ist Hepatitis A, eine Erkrankung mit einem in zahlreichen Ländern signifikant höheren Infektionsrisiko als in der Bundesrepublik. Übertragen werden die Erreger, welche eine Entzündung der Leber verursachen können, beispielsweise durch kontaminierte Nahrung. Meistens nimmt die Krankheit einen unkomplizierten Verlauf. Allerdings sind in Ausnahmefällen auch gravierende Krankheitsverläufe möglich. Jordan führt aus, dass die Hepatitis-A-Impfung aus diesem Grund eine typische Reisevakzination darstellt, deren Empfehlung sehr breit ausgesprochen wird.
Einfluss der Reiseart auf die Impfentscheidung
Personen, die ihre Ferien nur innerhalb eines Hotelkomplexes verbringen, sind bestimmten Gefahren tatsächlich weniger ausgesetzt. Die Wahrscheinlichkeit für Tollwut oder manche seltene Infektionskrankheiten sinkt erheblich, wenn man sich nicht weit bewegt und den Kontakt mit Tieren oder der unmittelbaren Umgebung meidet.
Wer hingegen auf Bali Affenparks besichtigt oder sich generell viel auf der indonesischen Insel bewegt, sollte eine Vakzination gegen Tollwut in Erwägung ziehen. Hierbei ist zu beachten: Obwohl die Ansteckungswahrscheinlichkeit äußerst niedrig ist, ist das gesundheitliche Risiko bei einer Infektion immens. Nach Bissen oder Kratzern durch infizierte Tiere existiert zwar eine Postexpositionsprophylaxe, doch darauf sollte man sich nicht verlassen. Sobald die Krankheit ausbricht, endet sie letal.
Auch wenn bei einem reinen Cluburlaub möglicherweise weniger Gesundheitsrisiken zu bedenken sind als bei einer Rucksackreise durch ein ganzes Land, existieren dennoch Gefahren. „Hotelanlagen schützen nicht vor lebensmittelübertragbaren Erkrankungen“, stellt Sabine Jordan klar. Diarrhö oder Hepatitis A sind auch dort relevante Themen. Zusätzlich können Krankheiten, die von Mücken übertragen werden, unabhängig von der Art der Reise vorkommen. „Man kann auch auf den Malediven Dengue-Fieber bekommen“, fügt sie hinzu.
Unterschätzte Risiken in beliebten Urlaubsländern
Definitiv. Tomas Jelinek nennt im Gespräch als Beispiel die Dominikanische Republik. Dieses populäre karibische Reiseziel ziehe zahlreiche Urlauber an, von denen sich laut dem Experten aber nur sehr wenige vorab informieren. Dabei bestehen dort, auch aufgrund der ausgedehnten Grenze zum von Krisen heimgesuchten Haiti auf der Insel Hispaniola, diverse Gesundheitsgefahren. Der Experte listet Dengue, Chikungunya, Diphtherie, Meningokokken und die bakterielle Infektion Leptospirose auf.
Spezifische Krankheitsgefahren in verschiedenen Regionen
Eine erschöpfende Antwort auf diese Frage würde den Rahmen sprengen. Ein kurzer, exemplarischer Überblick verdeutlicht jedoch, weshalb man sich insbesondere vor Reisen in die Ferne rechtzeitig über die gesundheitlichen Gefahren informieren und Vorkehrungen treffen sollte. Dies kann Impfungen umfassen, aber in jedem Fall eine adäquat ausgestattete Reiseapotheke.
Informationsquellen für eine sichere Reise
Eine erste Orientierung bieten die online verfügbaren Reisehinweise des Auswärtigen Amtes. Diese sind für alle Länder der Welt kostenfrei zugänglich und benennen sowohl Gesundheitsgefahren als auch Präventionsempfehlungen. Falls ein Staat bei der Einreise den Beleg für spezifische Impfungen fordert, ist dies ebenfalls dort vermerkt.
Aufbauend auf dieser ersten Übersicht kann man sich je nach Destination weitergehend informieren. „Das Allerwichtigste ist, dass man sich vor jeder Fernreise einmal reisemedizinisch beraten lässt“, unterstreicht Sabine Jordan.
Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) stellt im Internet eine Postleitzahlen-Suche für spezialisierte Mediziner und Gelbfieberimpfstellen bereit. Eine zusätzliche Anlaufmöglichkeit für Urlauber sind die Tropeninstitute in verschiedenen deutschen Städten. Ebenso offeriert das Centrum für Reisemedizin eine Online-Suche für Beratungs- und Impfstellen.
Gesundheitliche Gefahren innerhalb Europas
Selber Kontinent, identische Gesundheitsgefahren? Die Realität ist komplexer. Durch die Verbreitung der Tigermücke gewinnen Krankheiten wie Dengue und Chikungunya in südlichen Gebieten an Bedeutung.
In der Vergangenheit kam es bereits in Italien, Frankreich und Spanien zu Ausbrüchen, berichtet Tomas Jelinek: „Europa wird in der Hinsicht schon tropischer.“ Ein Schutz vor Mücken durch Sprays, Netze und lange Bekleidung ist empfehlenswert. Bei Reisen in Gebiete mit aktuellen Ausbrüchen können auch Impfungen sinnvoll sein.
Dies trifft ebenso auf eine andere, von kleinen Blutsaugern übertragene Erkrankung zu: die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Risikozonen für diese durch Zecken verbreitete Krankheit existieren unter anderem im südöstlichen Teil Deutschlands, in gesamt Osteuropa, Österreich, der Schweiz sowie in Teilen von Skandinavien. Eine Impfung gegen FSME ist ebenfalls möglich.
Arztbesuch nach der Rückkehr: Wann ist er nötig?
Einige Infektionskrankheiten weisen charakteristische Symptome auf. Laut Tomas Jelinek leiden viele Dengue-Patienten unter heftigen Muskelschmerzen, während bei Chikungunya eher Gelenkschmerzen im Vordergrund stehen. Jedoch sind Kopfschmerzen, Fieber und ein Abfall der Leistungsfähigkeit unspezifische Anzeichen vieler Krankheiten. Handelt es sich um eine tropische Erkrankung oder eine Infektion mit lokalen Viren? „Das lässt sich nur mit einer Blutentnahme klären“, so der Mediziner. „Es kann ja auch mal Malaria sein, wo es dann wirklich auch lebensgefährlich wird. Also sollte man auf jeden Fall gucken.“
Dies bezieht sich ebenso auf Diarrhö nach einer Reise, die durch unterschiedliche Pathogene verursacht werden kann, sowie auf nicht eindeutige Hautprobleme.
Jelinek äußert den Wunsch, dass Menschen nicht nur nach ihren Reisen mit Symptomen, sondern vermehrt bereits im Vorfeld zur Beratung in seine Praxis kämen: „Mit dem Ziel, dass sie im Urlaub gar nicht erst krank werden.“ (dpa/red)
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