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Oft nicht behandeltWoran man Depressionen im Alter erkennen kann

3 min
Senior sitzt traurig am Fenster und schaut hinaus

Nur trübe Stimmung - oder doch etwas mehr? Depressionen werden oft unterschätzt, gerade bei älteren Menschen. 

Leipzig/Berlin – Die Trauer, die nicht aufhört. Die Stimmung, die nicht besser wird. Die Motivation, die nicht zurückkehrt. Depression im Alter hat viele Gesichter - und wird doch oft verkannt oder verharmlost.

Wer um die 60, 70 oder 80 Jahre alt ist, hat schon einiges erlebt. Das hat auch eine gute Seite: Die seelische Widerstandsfähigkeit ist oft höher als bei Jüngeren. Doch gleichzeitig häufen sich im Alter die Krisenmomente, der Tod des Partners, von Freunden oder schwere Krankheiten etwa. Die Folge davon können Depressionen sein.

Umfeld nimmt anhaltend gedrückte Stimmung bei Älteren als natürlich wahr

Es ist eine Erkrankung, die oft unterschätzt wird – gerade im Alter. Ärzte und Angehörige nehmen eine anhaltende gedrückte Stimmung bei Älteren oft als eine natürliche Reaktion hin. „Hinzu kommt, dass die Betroffenen sich selbst die Schuld geben, erschöpft und hoffnungslos sind und deshalb oft nicht zum Arzt gehen“, sagt Prof. Ulrich Hegerl. Der Facharzt für Psychiatrie, Neurologie und Psychotherapie ist Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Prof. Ulrich Hegerl

Prof. Ulrich Hegerl

Dabei sind Depressionen im Alter eigentlich gut behandelbar, sagt Iris Hauth, Chefärztin im Alexianer Krankenhaus Berlin-Weißensee. „Von Depressionen ist dann die Rede, wenn Symptome wie Antriebs- , Freud- und Lustlosigkeit über mindestens zwei Wochen anhalten“, erklärt die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie.

Leidensdruck kann enorm groß sein

„Voraussetzung ist eine entsprechende Veranlagung, und manchmal kommt noch Negatives als Auslöser hinzu“, sagt Hegerl. Die Erkrankung beeinflusst Denken, Fühlen und Handeln der Betroffenen und kann einen enormen Leidensdruck verursachen.

Iris Hauth

Iris Hauth

„Eine wichtige Rolle kommt auch den Angehörigen eines Erkrankten zu“, sagt Diplom-Psychologin Christine Sowinski vom Kuratorium Deutsche Altershilfe. Sie sollten depressive Stimmungen keinesfalls verharmlosen. Hauth rät Angehörigen, die Betroffenen behutsam und bestimmt nach ihrer Befindlichkeit zu fragen. Allerdings gilt auch: „Es gibt Situationen, in denen Angehörige an ihre Grenzen stoßen“, warnt Sowinski. Sagt etwa ein Erkrankter, er wolle sich das Leben nehmen, sollten Angehörige den Notarzt rufen.

Christine Sowinski

Christine Sowinski

Mit Verdacht aus Depressionen zum Hausarzt

Erste Anlaufstelle bei Verdacht auf depressive Störung ist ansonsten der Hausarzt. Um die Ursachen der Symptome zu finden, stehen dort zunächst Untersuchungen des Bluts an. Depressionen zeigen sich im Alter mitunter auch in Sprach- und Gedächtnisstörungen und ähneln so einer Demenz. Um Verwechslungen zu vermeiden, stellt der Arzt Fragen. „Depressive Patienten können auf Nachfragen beispielsweise angeben, wie das Datum ist und wo sie sich gerade befinden“, sagt Hegerl.

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Häufen sich die Hinweise auf Depressionen, überweist der Hausarzt in der Regel an einen Psychiater oder an einen Psychotherapeuten. Der kann die Krankheit dann mit einer Psychotherapie oder Medikamenten behandeln. „Je nach Schweregrad kann auch beides miteinander kombiniert werden“, sagt Hauth. Eine Lichttherapie kann ebenfalls helfen. Und zur Behandlung gehören körperliches Training und regelmäßige Bewegung.  (dpa/tmn)