Abo

Neuer Trend für HundeExperten erklären die „Do as I do“-Methode beim Training

4 min
Eine Frau gibt einem Hund Kommandos

Soziales Lernen stärkt Aufmerksamkeit, Bindung und Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund.

"Do as I do": Bei dieser neuen Trainingsmethode lernt der Hund durch Nachahmung des Menschen. Experten erklären, wie es geht.

Die Befehle „Sitz“, „Platz“ oder „Bleib“ sind den meisten Hundebesitzern geläufig. Zunehmend populärer wird jedoch ein neuer Ansatz im Training, der als „Do as I do“ bekannt ist. Dessen Grundsatz lautet: „Tue das, was ich tue!“ Fachleute erläutern die Funktionsweise dieser Methode des sozialen Lernens und die positiven Effekte für beide Seiten.

„Wenn man sich anschaut, wie Hunde miteinander umgehen, sieht man, dass sie sehr sozial reagieren und agieren. So wie wir Menschen ja eigentlich auch am allermeisten lernen, indem ich ein erwachsenes Vorbild habe, an dem ich mich orientiere“, so die Erklärung von Kate Kitchenham, einer Zoologin, Verhaltensbiologin und Kulturanthropologin. Die Mitautorin von „Hundeforschung aktuell“ bedauert jedoch, dass diese soziale Lernmethode in vielen Hundeschulen noch kaum unterrichtet wird. Dabei stellt sie die natürliche Art des Lernens für Hunde dar und kann dabei helfen, Fehler mit potenziell tödlichen Konsequenzen abzuwenden.

Die Definition von sozialem Lernen bei Hunden

Laut Udo Gansloßer, einem Zoologen und Verhaltensforscher, bedeutet soziales Lernen, „dass man von einem Sozialpartner Informationen aufnimmt, die dann zu einer Veränderung des eigenen Verhaltens in zukünftigen vergleichbaren Situationen führen“. Dieser Prozess schließt nicht nur die Beobachtung ein, sondern ebenso die Aneignung von gesellschaftlichen Normen und Kommunikationsweisen während des Spiels.

Als „sozial sehr hochstehende Tiere“ lernen Hunde auf vielfältige Weise voneinander, erklärt der an den Universitäten Jena und Vechta lehrende Privatdozent für Zoologie. Zum Beobachtungslernen gehört beispielsweise das Meistern von Hindernissen sowie die selektive Imitation. Letzteres wird deutlich, wenn ein Hund eine Handlung mit der Schnauze wiederholt, die ein Mensch mit der Hand demonstriert hat, oder wenn er Objekte aufspürt, die in seinem Beisein verborgen wurden.

Der Ablauf des „Do as I do“-Trainings

Bei der Methode „Do as I do“ demonstriert die Person ihrem Hund eine Handlung. Auf das Signal „Do it!“ hin soll das Tier diese nachahmen. „Sobald er das Prinzip verstanden hat, kann er es beliebig übertragen und lernt dadurch blitzschnell und nachhaltig neue Aufgaben“, heißt es im Buch „Do as I do“ der Forscherinnen Claudia Fugazza und Fumi Higaki, das von Kate Kitchenham übersetzt und ergänzt wurde.

Eine weitere Herangehensweise ist „Model Rival“. Hierbei imitiert der Hund eine Aktion, weil die vorführende Instanz – sei es ein Mensch oder ein Artgenosse – dafür gelobt wurde oder eine Belohnung bekam. Der Wunsch nach Aufmerksamkeit und einer Prämie beschleunigt den Lernvorgang.

Das Training unterteilt sich laut den Forscherinnen von der Universität Budapest in eine Basisphase und das eigentliche „Do-As-I-Do“-Training. Eine wesentliche Voraussetzung ist, dass der Hund bereits sechs verschiedene Aktionen allein auf ein Hörzeichen hin beherrscht. Drei davon müssen objektbezogen sein, wie zum Beispiel das Kinn auf einen Stuhl zu legen oder eine Flasche umzuwerfen.

Schritt für Schritt: So werden die Übungen aufgebaut

Svenja Tworek, die mit ihrer Hündin Yuna zahlreiche „Do it!“-Übungen praktiziert, beschreibt das Vorgehen: Zuerst wird die Handlung vorgemacht, woraufhin „Do it!“ und das bereits bekannte Kommando folgen. Bei korrekter Ausführung wird der Hund belohnt. Die Übungen sollten in wechselnder Reihenfolge trainiert werden. Funktioniert dies zuverlässig, kann das alte Kommando weggelassen werden. Wenn das Tier alle sechs Verhaltensweisen sicher beherrscht, können neue hinzugefügt werden.

„Beim Training gilt grundsätzlich: Das Neue kommt vor das Alte“, so Tworek. Wenn das alte Kommando „Sitz“ lautet, setzt sich die Person hin, steht wieder auf und sagt dann schnell nacheinander „Do it“ und „Sitz“. „Beide Signale müssen schnell hintereinander gesagt werden, damit der Hund es verknüpfen kann“, unterstreicht die Trainerin. Mit der Zeit versteht das Tier, dass auf „Do it“ die bekannte Handlung folgt, und wird sie schon beim neuen Signal ausführen.

Notwendige Bedingungen für das Training

„Ganz pragmatisch: Der Hund muss die sechs Signale wirklich auf Hörzeichen kennen“, erklärt die Hundetrainerin Svenja Tworek. Das heißt, er reagiert auch dann, wenn die Person mit dem Rücken zu ihm steht. „Daran scheitern schon viele.“ Zudem benötigt der Hund eine gewisse Impulskontrolle, sodass er ruhig warten und zusehen kann, anstatt unruhig zu werden.

Vonseiten des Menschen verlange die Methode „ziemlich großen Ehrgeiz und Disziplin“, hebt Kate Kitchenham hervor. „Man muss super geduldig sein und das Trainingsprogramm Schritt für Schritt aufbauen.“ Eine Grundvoraussetzung sei außerdem, dass der Hund generell Interesse an der Zusammenarbeit zeigt und sich leicht motivieren lässt.

Auswirkungen auf die Beziehung zwischen Mensch und Hund

„Es zeigt uns, wie gut Hunde uns beobachten und wie sehr sie auf das Zusammenleben mit Pseudo-Artgenossen angepasst sind“, sagt Udo Gansloßer. Die Methode werde gezielt eingesetzt, um die Beziehung zu stärken. „Gerade Hunde, die sonst ihre Menschen im Alltag keines Blickes würdigen, merken mit dieser Methode sehr schnell, dass es sich lohnt, ihren Menschen doch besser im Blick zu haben.“ Für Hunde, die aus Unsicherheit ohnehin schon sehr stark auf ihre Bezugspersonen fixiert sind, sei das Training hingegen weniger empfehlenswert.

Ob diese Trainingsform für die Bindung besser ist als andere gemeinsame Aktivitäten, lässt sich laut Kate Kitchenham nicht pauschal beurteilen. Wichtig sei vor allem, dass Mensch und Hund gemeinsam Freude und Erfolgserlebnisse teilen. „Etwas zu leisten und sich daran zu freuen, ist ein Riesengewinn für beide und stärkt die Bindung.“ (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.