Termin, Qualität, PreisHandwerker verzweifelt gesucht – Wie finde ich einen guten?

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Handwerker Terminlage schwierig

Einen Handwerker – und dazu den richtigen – zu finden, ist nicht einfach.

Köln – Ein Rohr ist verstopft, die Heizung zickt herum, die Fassade soll neu verputzt werden – in der Regel brauchen Menschen für diese Dinge Profis. Doch die sind derzeit Mangelware. Wie findet man dennoch schnell und unkompliziert einen guten Handwerker? Worauf muss man bei der Suche achten? Und was tun, wenn nach einer Reparatur Mängel bleiben? Ein Überblick.

Warum gibt es gerade so wenige Handwerker?

Im Handwerk suchen unzählige Betriebe nach neuen Auszubildenden. Das wirkt sich auch auf die Verfügbarkeiten der Betriebe aus. „Es dauert generell länger“, sagt Dirk Hecking, Leiter der Kaufmännischen Unternehmensberatung der Handwerkskammer zu Köln. Größere Projekte könnten viele Betriebe über Monate nicht einplanen, zumindest Reparaturen und kleinere Arbeiten seien kurzfristig möglich. Durch das Hochwasser im Juli hat sich die Situation nicht gerade verbessert.

Wie finde ich einen Handwerker?

Der erste Ansprechpartner ist der eigene Bekanntenkreis. Fragen kann man auch Handwerksbetriebe, die man in anderer Sache bereits beauftragt hat. Oft kennen sie Branchenkollegen mit anderen Fachgebieten und können deren Qualität einschätzen. Oder man sucht im Netz und wirft einen Blick auf Kundenbewertungen. Die Handwerkskammer zu Köln bietet eine eigene Suchmaschine an. „Dort findet man die eingetragenen Betriebe sortiert nach Gewerken und Orten“, erklärt Dirk Hecking. Alternativ gibt es eine solche Suchfunktion auch unter handwerker-radar.de. Oder man wendet sich an Vermittlungsportale wie beispielsweise MyHammer. Hier kann man einen Auftrag einstellen, die jeweiligen Betriebe sehen diesen und melden sich. Allerdings lauern bei diesen Portalen manchmal versteckte Gebühren. Zudem ist eine eigene Recherche wichtig, um zu überprüfen, ob ein Betrieb vertrauenswürdig ist. Und auch, ob die Arbeiten von dem jeweiligen Betrieb selbst oder nur von einem Subunternehmen durchgeführt werden. Auch ein Blick in die AGBs lohnt sich: Manchmal sind Gesuche unverbindlich, manchmal erfolgt eine automatische Vergabe.

Worauf muss ich bei der Suche achten?

Hat man ein passendes Unternehmen gefunden, solle man laut Dirk Hecking noch sicherstellen, „dass es sich um in die Handwerksrolle eingetragene Unternehmen handelt.“ Auch eine Innungsmitgliedschaft ist ein Hinweis auf ein seriöses Unternehmen. Gerade bei größeren Projekten sind Referenzen der Betriebe hilfreich. Vertrauenswürdige Betriebe haben zudem ein ausführliches Impressum auf ihrer Webseite, bestehend aus Name, Sitz und Steuernummer. Ist dort eine Festnetznummer angegeben, ist dies ebenfalls ein gutes Zeichen. Eine Handynummer oder eine Telefonnummer mit der Vorwahl 0800 können auf mangelnde Seriosität oder gar Betrüger hinweisen.

Die Verbraucherzentrale warnt zudem vor Handwerksdiensten, die mit den Buchstaben AAA beginnen. „Diese zum großen Teil unseriösen Firmen werden alphabetisch zuvorderst im Branchenbuch eingetragen und versprechen sich davon den größten Erfolg.“ Ein weiteres Warnsignal ist ein vorschneller Kostenvoranschlag. Seriöse Handwerker kommen in der Regel zunächst vorbei und schauen sich die Begebenheiten vor Ort an, bevor sie ein Angebot erstellen. 

Wie finde ich die richtige Mitte zwischen Preis und Qualität?

Dirk Hecking stellt klar: „Seriöse Betriebe stehen auch für seriöse Qualität, die ist nicht zum Schnäppchenpreis zu haben.“ Bei auffällig billigen Angeboten ist Misstrauen angebracht. Mit einer zeitlichen Limitierung von vermeintlich guten Angeboten wird versucht, Kundinnen und Kunden unter Druck zu setzen.

Generell empfiehlt es sich, mehr als ein Angebot oder einen Kostenvoranschlag einzuholen – gerade dann, wenn es sich um ein größeres Projekt handelt. „Dann kann man zwei alternative Angebote einholen, mehr sind aus meiner Sicht nicht sinnvoll“, sagt Dirk Hecking. Beim Vergleich verschiedener Angebote ist es wichtig, dass alle Aufgaben vollständig aufgelistet sind. Außerdem gut zu wissen: An Preise in Angeboten sind die Betriebe in der Regel gebunden. Kostenvoranschläge hingegen sind nicht verbindlich, es kann auch teurer werden. „Steigt der Preis um mehr als 15 bis 20 Prozent, muss der Unternehmer jedoch darauf hinweisen“, betont die Verbraucherzentrale. Dann könne man den Vertrag kündigen. Wer einen Handwerksdienst aus der näheren Umgebung kontaktiert, spart bei den Anfahrtskosten.

Was muss ich beachten, nachdem ich mich für einen Handwerksdienst entschieden habe?

Vereinbarungen mit dem Betrieb stets schriftlich festhalten: „Wer sich auf mündliche Absprachen verlässt, kann Probleme bekommen beim Pochen auf Preise, beim Fordern von Nachbesserungen oder bei rechtlichen Schritten. Schon in Angebotsanfragen sollten deshalb Leistungen und Anforderungen gut beschrieben werden“, so die Verbraucherzentrale. Dazu gehören alle zu leistenden Arbeiten mitsamt Preis, Anzahl der benötigten Arbeiter und ungefährer Dauer. Zu streng sollte der Zeitplan allerdings nicht sein, findet Dirk Hecking. Denn dazwischenkommen kann immer irgendetwas, „lieber Pufferzeiten für unvorhersehbare Verzögerungen einplanen.“

Für einen zügigen Ablauf kann man auch selbst sorgen, indem man den zu bearbeitenden Bereich großzügig leerräume, Möbel, Teppiche, Bilder usw. entferne, so Hecking. Auch die Wege zwischen Tür und Arbeitsbereich sollten freigeräumt sein. Vom permanenten „auf die Finger schauen“ bittet Hecking abzusehen. Auch dadurch verzögern sich Arbeiten. „Wenn man über einen längeren Zeitraum vor Ort ist, freuen sich viele Handwerkerinnen und Handwerker auch über eine Tasse Kaffee oder ein paar Kekse.“

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In den allermeisten Fällen müssen Teilzahlungen bereits im Vorfeld getätigt werden. „Gängig sind Anzahlungen bei Auftragserteilung und Abschlagszahlungen nach Baufortschritt“, erklärt Hecking. Wichtig: Jede Bezahlung sollte mit einer Rechnung belegt werden. Die abschließende Rechnung werde aber erst nach einer gemeinsamen Abnahme der Arbeiten erstellt und bezahlt. Ist die Arbeit abgenommen, hat der Handwerksdienst Anspruch auf die Bezahlung. Unklarheiten müssen vorher ausgeräumt werden. Kommen bei der Abnahme Zweifel auf, kann man durch Fachleute externe Expertise hinzuziehen.

Was mache ich, wenn ich Mängel feststelle?

Stellen Kundinnen und Kunden während der Abnahme Mängel fest, stehen ihnen natürlich verschiedene Rechte zu. Sie können die kostenlose Beseitigung der aufgetretenen Mängel innerhalb einer angemessenen Zeit, in der Regel ein bis zwei Wochen, fordern. Solange können sie auch einen Teil des fälligen Rechnungsbetrags zurückhalten, betont die Verbraucherzentrale. Um dies zu untermauern, müssen die Mängel schriftlich und im Idealfall auch bildlich festgehalten. Die Aufforderung an den Betrieb zur Fehlerbehebung erfolgt schriftlich.

Tritt ein Mangel erst nach erfolgter Abnahme auf, muss der Betrieb ihn ebenfalls beseitigen – wenn er Teil der im Vertrag festgehaltenen Gewährleistung ist und innerhalb der Gewährleistungsfrist auftritt. Diese gilt bei der Herstellung einer Sache und bei Reparaturarbeiten zwei Jahre. Bei der Herstellung von und Arbeiten an Bauwerken ist die Frist sogar fünf Jahre gültig.

An wen wende ich mich bei einem Mangel?

In einem Mängelfall sind Ruhe und Sachlichkeit gefragt. Der Fehler ist dem Handwerksdienst sicherlich nicht extra unterlaufen, bedeutet dieser doch einen Mehraufwand für den Betrieb. In einer solchen Situation solle man „sachlich reklamieren und dem Betrieb Gelegenheit zur Nachbesserung geben“, sagt Hecking.

Falls das beauftragte Unternehmen die Fehler nicht (rechtzeitig) korrigiert, können Kundinnen oder Kunden diese auch eigenständig beheben oder eine andere Firma beauftragen. „Diese Kosten gehen dann zu Lasten des ursprünglichen Vertragspartners", so die Verbraucherzentrale. Im Streitfall bietet ein Anwalt oder die Verbraucherzentrale rechtlichen Rat. Außerdem gibt es die Möglichkeit, einen Sachverständigen hinzuzuziehen. 

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