Pflanzliche Drinks sind beliebt, aber sind sie wirklich gesünder und besser fürs Klima? Ein Faktencheck räumt auf.
Kuhmilch vs. PflanzendrinkDer große Faktencheck zu den häufigsten Mythen

Echte «Milch» gibt es laut Vorschrift nur von Tieren - aber im Alltag werden auch Pflanzendrinks so genannt.
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Ob aus Hafer, Soja oder Mandeln, pflanzliche Getränke sind in vielen Haushalten zu finden und stehen im Zentrum von Debatten. Doch sind sie wirklich vorteilhafter für die Gesundheit und das Klima als Kuhmilch? Stellen sie bei Unverträglichkeiten immer die bessere Alternative dar? Eine Überprüfung der Fakten ergibt: Manche Annahmen sind zutreffend, viele Verallgemeinerungen jedoch unhaltbar.
Gesundheitsaspekt: Ein Nährstoffvergleich
Die pauschale Aussage, pflanzliche Drinks seien gesünder als Kuhmilch, ist unzutreffend. Widerspruch kommt hierzu von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Demnach beinhalten Milch und daraus hergestellte Produkte von Natur aus hochwertiges Protein, welches für den Erhalt und Aufbau der Muskulatur essenziell ist. Ferner stellen sie Kalzium für stabile Knochen sowie Vitamine und Jod bereit. Pflanzliche Ersatzprodukte hingegen weisen diese Mikronährstoffe oft nur dann in nennenswerten Konzentrationen auf, wenn sie künstlich zugesetzt wurden. Fachleute raten Konsumenten, die auf Milcherzeugnisse verzichten, daher zur genauen Prüfung der Inhaltsstoffliste oder zur Kompensation der Nährstofflücken durch andere Lebensmittel.
Bio-Produkte und die Nährstofffrage

Kuhmilch - von Natur aus voller wichtiger Nährstoffe, aber in der Herstellung nicht unbedingt gut für sie Umwelt
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Auch die Annahme, dass Bio-Varianten die Nährstoffe von Kuhmilch adäquat ersetzen, ist nicht korrekt. Der Slogan „Bio gleich gesund“ trifft hier nicht zu, insbesondere bezüglich wichtiger Substanzen wie Kalzium, Jod und Vitaminen. Die Ursache liegt in der EU-Öko-Verordnung 2018/848: Demnach ist eine Anreicherung von Bio-Nahrungsmitteln mit Vitaminen und Mineralstoffen nur bei gesetzlicher Verpflichtung erlaubt. Eine derartige Regelung für pflanzliche Milch-Ersatzprodukte besteht nicht, weshalb ein Zusatz von Nährstoffen untersagt ist. Manche Produzenten weichen auf Mischgetränke aus, beispielsweise einen Hafer-Drink mit kalziumhaltigen Bio-Algen, um diese Bestimmung zu umgehen. Die rechtliche Zulässigkeit dieses Vorgehens wird jedoch kontrovers diskutiert.
Pflanzliche Drinks: Nicht immer eine Lösung für Allergiker
Die These, Pflanzengetränke seien für Allergiker die überlegene Option, ist größtenteils unzutreffend. Personen mit einer Milcheiweißallergie oder Laktoseintoleranz wählen häufig pflanzliche Alternativen. Diese stellen jedoch nicht ausnahmslos die Lösung dar. Abhängig von Rohstoff, Produktionsprozess und Deklaration können sie erhebliche Gefahren für Allergiker mit sich bringen. Zahlreiche Ersatzprodukte, die beispielsweise auf Soja, Nüssen, Hafer (Gluten) oder Lupinen beruhen, beinhalten selbst kennzeichnungspflichtige Allergene.
Zusätzlich macht der Deutsche Allergie- und Asthmabund auf die Problematik von Hinweisen wie «Spuren von» potenziellen Allergenen aufmerksam. Selbst wenn das Getränk nicht direkt aus einem allergenen Stoff hergestellt wird, sind Kontaminationen durch Produktionsanlagen oder entlang der Lieferkette nicht auszuschließen.
Bedeutung für das Wachstum von Kindern

Experten: «Pflanzendrinks sind kein gleichwertiger Ersatz für Kuhmilch»
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Die Aussage, Kinder benötigten für ein gesundes Wachstum Kuhmilch, ist eingeschränkt zutreffend. Expertenmeinungen zufolge ist besonders bei Kleinkindern eine adäquate Zufuhr von Nährstoffen wie Kalzium, Jod, Vitamin B2, Vitamin B12 sowie Protein entscheidend. Im Gegensatz zu Kuhmilch weisen pflanzliche Getränke, unabhängig vom Ausgangsprodukt, von sich aus keine oder nur sehr geringe Mengen dieser für Milch charakteristischen Nährstoffe auf. Das Netzwerk «Gesund ins Leben», eine Initiative des Bundesernährungsministeriums, kommt zu dem Schluss: «Pflanzendrinks sind daher kein gleichwertiger Ersatz für Kuhmilch». Fachleute raten Eltern, die auf Milchprodukte verzichten möchten, zu einer professionellen Ernährungsberatung, um eine lückenlose Versorgung mit allen essenziellen Nährstoffen zu gewährleisten.
Die Berechnung konkreter Risiken gestaltet sich jedoch schwierig, da die wissenschaftliche Datenbasis unzureichend ist. Forscher des Max Rubner-Instituts für Ernährung und Lebensmittel geben ebenfalls an, dass Langzeitfolgen für Gesundheit und Wachstum nicht genügend erforscht sind. Dennoch legen vergleichende Studien nahe, dass ein erhöhter Konsum von pflanzlichen Milch-Ersatzprodukten im frühen Kindesalter das Risiko gesundheitlicher Nachteile steigern könnte.
Die Klimabilanz: Ein Vorteil für Pflanzen-Alternativen

Soja - ein beliebter Grundstoff für pflanzliche Milchalternativen - wird auch in Deutschland angebaut.
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Die Annahme, dass pflanzliche Drinks das Klima schützen, ist im Großen und Ganzen korrekt. Obwohl Milch in zahlreichen Staaten als Basisnahrungsmittel gilt, leistet sie einen beträchtlichen Beitrag zur CO2-Bilanz der Ernährung. Eine vergleichende Analyse pro Liter, basierend auf einer Übersichtsstudie von 2018, belegt: Kuhmilch weist bei ökologischen Indikatoren eine signifikant schlechtere Bilanz auf als sämtliche pflanzlichen Varianten. Die Wissenschaftsautorin Hannah Ritchie resümiert für «Our World in Data», dass die Produktion von Kuhmilch mit etwa dreifachen Treibhausgasemissionen, einem rund zehnfachen Landverbrauch, einem merklich höheren Wasserbedarf und einer intensiveren Überdüngung verbunden ist.
Jedoch existieren auch zwischen den pflanzlichen Ersatzprodukten deutliche Differenzen. Ein Mandelgetränk beispielsweise erfordert weniger Landfläche und erzeugt geringere Emissionen als Sojaanbau, kann jedoch einen höheren Wasserverbrauch aufweisen und vermehrt zur Eutrophierung beitragen. Aus diesem Grund lässt sich kein klarer Gewinner über alle Umweltaspekte hinweg benennen.
Der Mythos um Soja und Männlichkeit
Die Behauptung, Sojamilch würde die Männlichkeit beeinträchtigen, ist falsch. Der in sozialen Netzwerken kursierende Begriff «Soy boy» stützt sich auf die Legende, Sojakonsum könne Männer «verweiblichen», indem er den Testosteronspiegel senkt oder den Östrogenspiegel anhebt. Soja beinhaltet zwar Isoflavone, welche eine Ähnlichkeit zum Hormon Östrogen aufweisen. Die Wissenschaft widerlegt jedoch das Gerücht, Soja sei ein „Männlichkeitskiller“. Im Jahr 2020 ergab eine im Fachjournal «Reproductive Toxicology» publizierte Meta-Analyse, die Dutzende klinische Studien auswertete, keinerlei nachweisbare Auswirkungen von Sojaprodukten oder Isoflavon-Supplementen auf die Testosteron- und Östrogenwerte von Männern. (dpa/red)
Rechtliche Definition: Was als „Milch“ gelten darf

Für die Herstellung dieses «Käses» muss keine Kuh gemolken werden: Für «Leberkäse» und «Liebfraumilch» gelten Ausnamen von den strengen Namensregeln
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