Viele Menschen sind auch nach der Arbeit mit ihrem Job beschäftigt. Was dabei hilft, dass die Beziehung oder Ehe nicht darunter leidet.
„Nur mal kurz schauen“Beziehung oder Ehe leidet unter der Arbeit? Das können Sie tun

Wer viel arbeitet, kann häufig auch zu Hause kaum zur Ruhe kommen.
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Für viele endet der Arbeitstag nicht wirklich gedankenlos auf der Couch. Denn auch dort hängen die Gedanken oft noch im Mailpostfach. Romantik kommt dann nicht auf. Was können Paare dagegen tun?
Gerade Arbeitshandys sorgen dafür, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rund um die Uhr erreichbar bleiben. Bei einem dünn besetzten Team, aber vielen Aufgaben mag das verständlich sein. Doch bei den Liebsten kommt das auf Dauer nicht gut an.
Keine Entspannung vom Job: Wenn die Arbeit mit nach Hause kommt
Arbeit, Ehe, Partnerschaft, Freundschaften und Zeit für sich selbst: Viele Menschen jonglieren mit verschiedenen Lebensbereichen wie ein Artist im Zirkus. Und jeder kennt das Gefühl, wenn ein Ball auf einmal nicht mehr aufgefangen werden kann.
„Im Allgemeinen ist der Beruf der Faktor, der alles andere mehr oder minder auffrisst“, beobachtet der Psychotherapeut Wolfgang Krüger aus Berlin. Das gilt vor allem für diejenigen, die nie gelernt haben, Nein zu sagen. Dann könne die Arbeit ein Monster werden, das gar keine Grenzen zulässt. Und unter dem die Partnerschaft leidet – etwa, weil der Liebste sich beschwert: „Du bist gar nicht richtig präsent.“
Auf Spurensuche: Warum nimmt der Job so viel Raum ein?
Was kann man also tun, wenn man sich in so einer Situation wiederfindet? Der erste Schritt sollte dabei sein: Erst einmal verstehen, was überhaupt los ist. Danach weiß man, wo angesetzt werden muss.

Jetzt ist Feierabend: Auch das Diensthandy sollte dann abgestellt werden
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Der Job gibt oft Anerkennung. „Durch den Beruf bekommt man dann eine gewisse Anerkennung, ein Gefühl von Bedeutung, das viel stärker sein kann als im Privatleben“, sagt der Psychotherapeut.
Fragen kann man sich Krüger zufolge in einem der ersten Schritte: „Gehe ich gern nach Hause? Fühle ich mich zu Hause wohl? Manchmal ist es so, dass man viel zu viel arbeitet, weil der Haussegen schief hängt.“
Krise in der Beziehung durch Arbeit? Das hilft dagegen
Wer eigentlich abschalten will, aber das nicht schafft, lebt nicht selten in einem Dauerstress-Modus. Nie ist man wirklich entspannt, sondern immer auf Abruf verfügbar. Doch eines hilft.
Der entscheidende Schlüssel ist: Abgrenzung vom Job. Klingt simpel, fällt vielen aber schwer. „Ich vereinbare mit Patienten regelrecht Grenzen: Nach einer gewissen Zeit wird das Arbeitshandy ausgeschaltet. Keine Mails, kein "Nur kurz mal schauen", sondern eine klare Trennung machen zwischen Beruf und Privatleben – das muss man lernen.“
Das zu schaffen, lohnt sich: Denn so kann es gelingen, wieder ganz im Augenblick bei sich selbst und dem Partner zu sein, sei es in der Ehe oder in einer Beziehung.
Und wenn die Gedanken trotzdem ständig kreisen, während man eigentlich einen netten Abend mit dem oder der Liebsten genießen möchte? „Es passiert nichts Schlimmes, wenn Sie mal nicht erreichbar sind. So wichtig sind Sie gar nicht“, sagt Krüger.
Rituale schaffen feste Paarzeit
Zweisamkeit, ganz ohne Berufsthemen: Sie sollte nicht erst Thema sein, wenn die ständige Präsenz des Jobs das Privatleben beschädigt. Daher gilt es, schon früher Grenzen und Vereinbarungen zu treffen, wie Krüger rät.
In jeder Partnerschaft müsse man herausfinden: „Was sind die Plus-Themen und was sind die Minus-Themen? Also, was passt auch in das Privatleben hinein und was nicht? Das müssen Sie miteinander aushandeln“, sagt der Psychotherapeut. „Welche Grenzen wünscht sich der Partner für das Privatleben und was ist zu viel?“.
Balance entsteht nämlich nicht von selbst – sie wird gestaltet. Dabei kann es helfen, Rituale zu schaffen. Beispiele: Spaziergänge, gemeinsames Kochen oder gemeinsame Hobbys, ein Filmabend, bei dem das Handy schweigt. (bas mit dpa)