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1700 Männer außer Rand und Band

4 min

LINDLAR. Was ist der schönste Tag im Jahr? Die „Kalauer“ waren sich nicht einig: Herrensitzung oder der Geburtstag der Ehefrau („weil man da als einziger Mann nur Frauen um sich hat“). Für die knapp 1700 Männer im Lindlarer Riesenfestzelt eröffneten die drei musikalischen Verwandlungskünstler am Samstag in jedem Fall eine Herrensitzung, die niemand so schnell vergisst.

Von Johannes Heesters, dem ein rheinischer Sauerbraten „vum Pääd“ („Das war mindestens 100 Jahre alt“) schwer im Magen lag, bis zu Christian Anders auf dem Donnerbalken („Ich krieg nen Zug auf diesem Klo“) ließen Rainer Höfer, Gottfried Kalenberg und Matthias Kalenberg jede Menge Promis auf die Bühne kommen. Eis brauchten sie nicht zu brechen - es war bereits nach Sekunden geschmolzen. Zugabe? Keine Frage. „Joe Cocker“ musste mit „Op dem Maat stonn de Buure“ gleich noch mal auf die Bühne, und die Meister der Verwandlung legten mit „Schööön ist die Liebe“ noch einen drauf - und brachten knapp 1700 Männer zum Singen. Entdeckt hat die drei übrigens ein Mann, der am Samstag als „Ne Werbefachmann“ abräumte: Bernd Stelter war schon am Eingang vom Lindlarer Herrensitzungsspektakel beeindruckt: „So ein großes Zelt hab ich noch nicht gesehen.“ Sprach s, bestieg die Bühne und legte mit einem musikalisch gewürzten Rundumschlag frech-frivoler bis bissig-böser Pointen los. Ob „Kanzlerette“ Merkel, die Jacques Chirac staunen ließ: „Und aus dem gleichen Land kommt Heidi Klum . . .“, Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der zwei Wochen nach Amtsende schon drei schöne Jobs gefunden hat, oder Ex-Außenminister Joschka Fischer, der nach seiner fünften Hochzeit ein Vorbild sein könnte: „Fünf mal lebenslänglich und schon vier mal auf Bewährung raus.“ Alle bekamen ihr Fett weg. Beim Thema Fußball legten Stelter und die Herren noch einen Zahn zu, mit seinem WM-Song riss der Werbefachmann die Männer glatt von den Stühlen - das Zelt tobte. „Und das bei einer Herrensitzung“, staunte selbst ein eingefleischter Jeck der KG Rot-Weiß Lindlar Falkenhof, die mit Unterstützung von Feuerwehr, Malteser-Hilfsdienst, Protec-Sicherheitsdienst, Musikkapelle unter Martin Sajonz und Wirtegemeinschaft für den reibungslosen Ablauf der Sitzung und die gute Laune der Jecken sorgte. Unterdessen bewies Literat Axel Peffekoven auch mit den folgenden Nummern das richtige Händchen und steuerte als gelernter Fahrlehrer das Herren-Narrenschiff zusammen mit Sitzungspräsident Markus Günther souverän durch ein sechsstündiges Programm der Extraklasse. Der „Mann für alle Fälle“ Guido Cantz, der das Bettgeflüster der Kanzlerin ebenso zum Besten gab wie er den Papst bewunderte („Der erste Deutsche, der den Polen eine Stelle streitig gemacht hat“), bestritt nur einen der vielen Programmhöhepunkte. Und er wusste, warum Jesus kein Holländer gewesen sein kann: „Der hat aus Wasser Wein gemacht - keine Tomaten.“

Die „Räuber“ brauchten nur „Ich habe was . . . “ anzustimmen, und schon sang das Zelt: „. . . was du nicht hast.“ Bei „Sulang die Botz noch hält“ enterten erste Zuschauer Stühle und Tische - Männer außer Rand und Band. Dass „Ne Blötschkopp“ mit seiner Rede nicht landen konnte, tat der Stimmung keinen Abbruch. Die Cheerleader des 1. FC Köln brachten mit ihren akrobatischen Nummern selbst Nicht-FC-Anhänger erneut auf die Beine. Und ihre „Echte- Fründe“-Choreographie versöhnte sogar Schalke-Fans.

„Bei dem Programm kannst du nicht auf die Toilette gehen - du verpasst immer was“, schwärmte Norbert Hauke, als er auf dem Weg zu den WC-Häuschen abermals vom Bühnenprogramm gestoppt wurde: „Mir sin immer mittendrin“, sangen die „Rheinländer“ - den Text zum Mitsingen gab s auf den großen Videoleinwänden, die auch Nummerngirl Bianca in Großaufnahme in die letzte Reihe brachten.

Während „Blom und Blömcher“ Westernhagen ebenso im Gepäck hatten wie Mireille Mathieu, und „de Boore“ mit dem unvermeidlichen „Rut sin de Ruse“ punkteten, räumten die Lindlarer Stammgäste „Flöckchen“ mit Tänzerinnen und Gaststar Mr. James („What is los“) ab. Für die beiden Stimmungskanonen in XXL stand die KG sogar Spalier am Bühnenabgang, bevor die „Luftflotte“ mit Tanzakrobatik in luftiger Höhe für die verspäteten „Rabaue“ einflog, die zum großen Finale anhoben: „Kölsche Junge sin joot drop.“ Für die Junge en Lenkeln galt das mindestens ebenso.