BONN. Der ermittelnde Staatsanwalt ist entsetzt angesichts der grässlichen Taten, die acht Männern zwischen 18 und 28 Jahren vorgeworfen werden. Anfang Mai sollen sie eine 20-jährige Frau an einer Grillhütte im Derletal brutal vergewaltigt und sich dabei mit einem Handy gefilmt haben. Sechs Männer klagte die Bonner Staatsanwaltschaft jetzt wegen Geiselnahme, Vergewaltigung in besonders schwerem Fall sowie gefährlicher Körperverletzung an. Den anderen wird Beihilfe beziehungsweise unterlassene Hilfeleistung zur Last gelegt.
Der Horror begann für das Opfer gegen 3 Uhr morgens nach einer Geburtstagsparty ihrer Freundin. Als die 20-Jährige belästigt wurde, wollte sie die Feier verlassen und machte sich auf den Weg in Richtung Straße. Die acht Männer aber gingen ihr nach und schlugen sie laut Anklage gegen den Kopf und auf den Rücken. Wehrlos auf dem Boden liegend, soll sie noch gewürgt und mit einem Messer bedroht worden sein, bevor sechs der Männer sie stundenlang mehrfach vergewaltigten.
Bevor es zu den Vergewaltigungen kam, wollte eine Bekannte der 20-Jährigen zu Hilfe kommen, da sie Schreie gehört hatte. Kurzzeitig ließen die Männer von der 20-Jährigen ab, bedrohten aber die Bekannte. Wenn du was machst, bist du die nächste hier, soll einer laut Anklage gesagt haben. Da die Bekannte dachte, es wäre vorüber, ging sie wieder weg. Erst danach soll es zu den stundenlangen Misshandlungen und Vergewaltigungen gekommen sein.
Das Grauen endete laut Anklage für die 20-Jährige erst gegen 10 Uhr morgens. Einem Polizisten, der mit seinem Hund spazierenging, waren vier Männer im Gebüsch aufgefallen. Da er die Stuation nicht sofort einschätzen konnte, rief er eine Streife herbei. Nur kurze Zeit später näherten sich die Beamten mit gezogenen Schusswaffen und forderten, die Frau freizulassen. Weinend lief die 20-Jährige auf die Beamten zu. Vier Männer wurden noch vor Ort festgenommen und drei weitere innerhalb der nächsten Stunden. Der Achte wurde am folgenden Tag gefasst. Bis heute sitzen sieben von ihnen in Untersuchungshaft. Das Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung gegen die Bekannte der 20-Jährigen wurde eingestellt.
Neben der Aussage des Opfers und DNA-Spuren stützt sich die Anklage vor allem auf die Filmaufnahmen, die auf dem Handy von einem der Männer gefunden wurden. Während er die schrecklichen Taten filmte, soll er die anderen noch angestachelt haben. Höhnisches Lachen soll die grauenhaften Aufnahmen begleiten. Laut Staatsanwaltschaft sieht man im Laufe des Filmes das Gesicht des Opfers durch die wiederholten Schläge immer weiter anschwellen. Quetschwunden, Blutungen am Auge und am ganzen Körper sowie Prellungen und Schürfwunden trug die 20-Jährige laut Anklage davon.
Nur einer der Männer hat zugegeben, die Filmaufnahmen gemacht zu haben. Drei dagegen streiten alles ab, während die übrigen vier schweigen. Im Prozess sollen 23 Zeugen und vier Sachverständige gehört werden. Gegen zwei der Angeklagten läuft zudem ein weiteres Verfahren. Sie sollen versucht haben, einem Bekannten den Finger abzuschneiden. Er wollte ihnen kein Geld geben.