REMSCHEID. „Ich gucke nicht viel Fernsehen.“ Während Axel Schneider diese Worte spricht, steht er inmitten von 3120 Exemplaren der „Hörzu“. Der Remscheider hat, fein säuberlich in Regalen gestapelt, fast sämtliche Hefte der Fernsehzeitschrift gesammelt, die von 1946 bis heute erschienen sind. Hier ist alles nachzuschlagen, was je über deutsche Bildschirme flimmerte. Und Axel Schneider, der nicht viel Fernsehen guckt, schickt noch ein zweites Paradox hinterher: „Als ich neulich gefragt wurde, was ich an der „Hörzu“ so gut finde, ist mir nichts eingefallen. Ich lese ja nur selten darin.“
Dennoch: Seit Schneider denken kann, war die „Hörzu“ Teil seines Lebens. „Ich bin damit aufgewachsen“, sagt er. „Aber bei meinen Eltern wanderte sie nach Gebrauch immer in die Tonne.“ Dass er das damals schade fand, weiß der Lüttringhauser noch heute. Doch es sollte Jahrzehnte dauern, bis er etwas dagegen unternahm. „Es war 2001“, erzählt er. „Ein Heft mit Jennifer Aniston auf dem Titel. Die sah so lecker aus, da habe ich es aufgehoben.“ Und hat seither keine „Hörzu“ mehr weggeworfen.
Im gleichen Jahr - der Diplom-Designer lebte damals in Hamburg - half ihm der Zufall beim Ausbau seiner Sammlung. Eine alte „Hörzu“-Leserin aus der Hansestadt, die alle Hefte seit 1949 im Keller aufbewahrt hatte, war gestorben, ihr Mann wollte die Sammlung verkaufen. Und Axel Schneider schlug zu. „Das waren mehrere Kofferräume voll Zeitschriften.“ Schneider lagerte sie, sortierte sie - und verfolgte fortan das große Ziel, die Sammlung komplett zu machen.
Heute fehlt ihm noch genau eine Ausgabe, Nr. 40 aus 1947, doch die bekommt er im März geschenkt, nachdem ihr Besitzer sie bei einer Ausstellung verwendet hat. Eine durchaus logische Idee, wie Schneider findet: „An der ,Hörzu lässt sich die komplette Geschichte der BRD nachvollziehen, vielleicht sogar besser als mit dem ,Spiegel .“ Tatsächlich widmet er sich mit seiner Sammlung einer Art historischer Aufarbeitung. Zum einen betreibt er als Hobby die Internet-Seite www.zuschauerpost.de Dort stellt er Leserbriefe aus 60 Jahren „Hörzu“ ins Internet. Zum anderen hilft er einem Bekannten aus Hannover bei dessen Seite www.tvprogramme net, die alte Fernsehprogramme komplett abrufbar macht. „Von 1952 an habe ich alles abgetippt“, berichtet Schneider stolz. „Jetzt bin ich bei Ende März 1956. Ich bin echt zur Tippse geworden.“ Und warum all die Arbeit, geschätzte vier bis sieben Stunden pro Woche? „Wer weiß, wozu es gut ist. So etwas gab es halt bisher noch nicht.“
Tatsächlich konnte der Remscheider, der heute als Mediengestalter arbeitet, mit seiner Sammlung schon Menschen helfen. Einer Frau, deren Ehemann als Kind einmal auf dem Titelbild war. Oder einem Fan von „Ein Herz und eine Seele“, der eine bestimmte, verschollene Folge der Serie suchte. Für solche Anfragen guckt Schneider manchmal hunderte Ausgaben durch.
Die interessanteste Bitte kam allerdings aus Hamburg, von der „Hörzu“ selbst. Zur großen Jubiläumsausgabe wollte die Redaktion im Dezember Dutzende von Titelseiten abdrucken - und entdeckte, dass im Bergischen Land eine Art Privatarchivar sitzt. Axel Schneider scannte die Bilder ein, mailte sie nach Hamburg und wurde in die Redaktion eingeladen. „Ich soll auch meine Meinung zur aktuellen Ausgabe sagen“, erklärt der 38-Jährige. Dafür wird er sie sogar lesen müssen.