Abo

40 Mitarbeiter bei Polyclad erhalten Kündigung

2 min

EGERPOHL. Die schlechten Nachrichten vom Wipperfürther Arbeitsmarkt reißen nicht ab. Jetzt erwischt es zum wiederholten Mal die Polyclad Europe GmbH in Egerpohl, ein Zulieferbetrieb für die Elektronikindustrie. 149 Menschen arbeiten dort, 40 bekommen in den nächsten Tagen ihre Kündigung auf den Tisch. Noch vor einem Jahr gab s in Egerpohl 215 Beschäftigte. Dann wurden 70 Mitarbeiter gekündigt.

„Die Stimmung ist voll im Keller , sagt der Betriebsratsvorsitzende M. Sarlak. „Alle Jahre wieder das Gleiche , meint sein Kollege Ralf Dillmann. Bis vor kurzem gab s in Europa noch drei Werke: in Egerpohl, in Nantes (Frankreich) und in Perstorp (Schweden). Das Werk in Nantes wurde geschlossen. „Aber Perstorp ist voll ausgelastet, die fahren drei Schichten an sieben Tagen in der Woche , sagt Sarlak. Egerpohl werde dagegen immer weiter heruntergefahren. Der Vorwurf des Betriebsrates: „Es werden immer mehr Aufträge nach Schweden verlagert , meint Dillmann, denn zwei der Polyclad-Geschäftsführer seien Schweden und würden das dortige Werk bevorzugen. Und das, obwohl viele Polyclad-Kunden aus Deutschland kämen. An der Qualität der Arbeit könne dies nicht liegen. „Wir wissen, dass wir sehr gut sind, sagt Sarlak. „Wir produzieren derzeit nahezu null Ausschuss .

Das Wipperfürth gute Arbeit liefert, bestreitet auch Geschäftsführer Georg Munck nicht. Allerdings arbeite das schwedische Werk günstiger. „Wir brauchen beide, Wipperfürth und Perstorp. Nationale Kategorien würden keine Rolle spielen. „Wir müssen europäisch denken, sonst haben wir auf dem Weltmarkt keine Chance. Und der Markt sei derzeit sehr schwach.

Die Entscheidung über die Entlassungen, wo werden sie getroffen? In Wipperfürth oder in Foxborough (USA), dort wo der Mutterkonzern Cookson zuhause ist? „Das ist eine akademische Frage , meint Munck, „die Geschäftsentwicklung hat uns gar keine andere Wahl gelassen. Viele Aufträge seien in den vergangenen Jahren nach Asien abgewandert, dazu trage auch der starke Euro bei.

Nicht verstehen kann der Betriebsrat die Entscheidung, warum bei Polyclad keine Kurzarbeit angemeldet wird. „Kurzarbeit für sechs Monate wäre jetzt genau das Richtige , meint Dillmann. Denn es gebe doch viele Anzeichen, dass die Konjunktur 2004 wieder anziehen werde.

„Kurzarbeit ist keine wirkliche Lösung , sagt dagegen Geschäftsführer Munck. „Wenn es 2004 einen Aufschwung gibt, was ich sehr hoffe, so wissen wir doch nicht, wann. Er sei zwar verhalten optimistisch, aber eine wirkliche Trendwende auf dem europäischen Elektronikmarkt sei kaum zu erwarten.