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Abenteurer hinter der Kamera

3 min

GUMMERSBACH / YUKON. „Grizzly als Gast am Lagerfeuer“ oder „Blizzard zwang zur Umkehr“, lauteten Anfang der 80er Jahre die Schlagzeilen in der OVZ über den Gummersbacher Klaus Gretzmacher. Der angehende Gymnasiallehrer hatte damals eine Auszeit genommen in der kanadischen Arktis. Dann zog es den heute 48-Jährigen und seine Ehefrau Britta (42) endgültig nach Kanada. Nur noch selten ist er zu Besuch in Oberberg, ganz zurückkehren will er nicht mehr. „Mein Lebensmittelpunkt ist Kanada“, so Gretzmacher.

Aus dem Abenteurer ist ein vielseitiger Unternehmer geworden. Immer mehr Touristen kamen zu seiner Ruby Range Lodge im Distrikt Yukon, gingen mit Gretzmacher und seinen Führern (Guides) auf Kanu-Tour, zum Bergsteigen, Fischen und Jagen. Daneben brachte Gretzmacher als Manager ein großes Skigebiet auf Vordermann, bildete Piloten im Umgang mit dem Wasserflugzeug aus - und filmte.

In diesem Jahr übertrug Gretzmacher seinem langjährigen Guide Frank Müller aus Gummersbach den Tourismus-Part der „Yukon Adventure Company“. In den Sommermonaten werden in der Ruby Range Lodge, 600 Meilen von der Zivilisation entfernt, bis zu 300 Touristen von 20 Guides betreut. Für sie hat Gretzmacher in den vergangenen Jahren über 200 Touren ausgearbeitet, aber immer noch Neuland zu bieten.

„Ich mache jetzt nur noch, was mir Spaß macht“, sagt das Multitalent. Und das ist Filmen. „Von Hubert Voss habe ich viel gelernt, der hat mir das Handwerkszeug beigebracht“, erinnert er sich an die Anfänge, als er nachts in Gummersbach die ersten Streifen aus der Wildnis zusammenschnitt. Dass man von dem Spaßfaktor Filmen leben kann, erfuhr Gretzmacher 1982, als der WDR auf ihn aufmerksam wurde. „1900 Mark hat man mir damals angeboten - für den ganzen Film, dachte ich. Doch in der Zahl-stelle drückte man mit das Zehnfache in die Hand - das vereinbarte Honorar galt pro Minute. ,Damit verdienen wir unser Geld , habe ich da zu meiner Frau gesagt.“

Seinen ersten großen Film drehte er 1982 über ein Jahr Leben in der Wildnis, der Streifen wird alljährlich im Fernsehen wiederholt. Ein Jahr später folgte „Vunta Gwitchin - Indianer der Arktis“. „Von dem Geld haben wir die Lodge gebaut“, erinnert er sich. Bis heute hat Gretzmacher rund 15 Beiträge fürs Fernsehen produziert. Gedreht hat er unter anderem mit Dieter Kronzucker für die ZDF-Serie „Abenteuer und Legenden“ oder die Serie „Weltenbummler“ mit Hardy Krüger. Seit fast zehn Jahren produziert Gretzmacher regelmäßig Beiträge für das ZDF-Urlaubsmagazin „Reiselust“. Doch nicht nur in Kanada ist er mit der Kamera unterwegs, Gretzmacher dreht „exotische Sachen“ weltweit. „Fernsehen ist gut für den Ruf, doch Geld bringt die Werbung“, hat er erfahren. Und so gehören Autoreifen-Hersteller ebenso zu seinen Kunden wie der renommierte Outdoor-Ausrüster Schöffel, der bei Gretzmacher die Fotos für den Sommerkatalog 2004 schoss. Und mit Filmen unterstützt er auch die Indianer im nördlichen Kanada, deren Lebensraum durch Ölbohrungen bedroht ist.

Gedreht wird in den drei Sommermonaten, aufgearbeitet wird das Material dann auf dem sieben Hektar großen Winterwohnsitz („Eine ganz normale Grundstücksgröße“) in Vernon / Britisch Columbien. Dort gehen auch Tochter Nina (13) und Sohn Oliver (9) zur Schule. Nina pflegt übrigens einen Austausch mit einer Freundin aus Marienberghausen und fährt Skirennen, Oliver will Eishockey-Profi werden. „Der will partout nicht deutsch sprechen, versteht aber jedes Wort“, erzählt der Papa, der in diesem Winter für die Familie ein Haus nahe der Lodge im Yukon bauen will - bei Temperaturen bis zu minus 50 Grad. Denn das Baumaterial kann er nur herbeischaffen, wenn der See vor der Haustür zugefrorenen ist.

Und dann freut sich Klaus Gretzmacher schon auf den nächsten Sommer, aufs Jagen und Angeln - und aufs Filmen.