„Der Stüssgen-Markt gehört zu Köln wie der Dom, wie Kölsch, Karneval und der Zoo“, ließ Rewe noch zum 100. Geburtstag der Handelsmarke stolz verkünden. Das war vor sieben Jahren. Doch von der langjährigen Verbundenheit mit der Domstadt ist heute keine Rede mehr. Bis Ende 2005 will das zweitgrößte deutsche Lebensmittel-Unternehmen seine 47 Stüssgen-Märkte in Köln in Minimal-Filialen umwandeln, dabei „die Warenpräsentation optimieren“ und „das Sortiment überprüfen“.
Einige Stüssgen-Filialen wie am Lindenthalgürtel, auf der Buchheimer Straße und Bonner Straße haben die Neukonzeption bereits hinter sich. Neben den im Rheinland verbreiteten Stüssgen-Märkten werden auch HL und Otto Mess zu Minimal-Läden. Die Zusammenführung der Konzepte solle dazu beitragen, die internen Abläufe zu vereinfachen und Kosten zu sparen, so ein Rewe-Sprecher.
Mit dem stillen Abschied von der bekannten Marke „Stüssgen“ verschwindet zugleich ein mutiger Pionier des deutschen Einzelhandels. Am 28. August 1897 hatte Lebensmittelkaufmann Cornelius Stüssgen, damals 20 Jahre alt, seinen ersten Laden an der Venloer Straße 466 eröffnet. Zum Sortiment der „Kölner Konsum-Anstalt“ zählten Kaffee, Reis, Nudeln sowie Tran als Schuhcreme-Ersatz und Petroleum. Für ein Pfund Kaffee zahlte die Hausfrau seinerzeit eine Mark, einen Hering gab es für fünf Pfennige. Schon um vier Uhr in der Frühe stand Cornelius Stüssgen im Laden, erst um 23 Uhr war Schluss. Geöffnet war auch an Sonn- und Feiertagen.
Bereits Ende 1904 existierten unter dem neuen Namen „Rheinisches Kaufhaus für Lebensmittel“ schon zwölf Filialen. Weil die Verkäuferinnen die in Säcken, Kisten und Fässern angelieferte Ware wie Zucker, Mehl und Hülsenfrüchte zeitaufwendig wiegen und verpacken mussten, sann der innovative Geschäftsmann auf Abhilfe. Als erstes Handelsunternehmen ließ Stüssgen die Lebensmittel im Lager fertig für den Verkauf verpacken - und schuf damit die Basis für die späteren Selbstbedienungs-Supermärkte. 1928 wurde das prosperierende Lebensmittel-Unternehmen in die Cornelius Stüssgen AG umgewandelt. Mit 145 Filialen stand die AG 1933 in der Kölner Bucht ganz groß da.
Einen schweren Einbruch bescherte allerdings der Zweite Weltkrieg, der nicht nur die Zentrale in der Stolberger Straße, sondern auch die Hälfte der Geschäfte zerstörte. Trotz seiner 68 Jahre dachte Cornelius Stüssgen nicht an Kapitulation. Schon 1948 lief der Verkauf wieder in über 80 Filialen, 1952 entstand in Brühl der erste Selbstbedienungsladen. Als der erfolgreiche Firmengründer 1956 mit 80 Jahren starb, hinterließ er ein gesundes Unternehmen, das den Einzelhandel geprägt hatte. Erst in den 70er Jahren geriet die AG durch bundesweite Filialisten, Discounter und Verbrauchermärkte auf der grünen Wiese heftig unter Konkurrenzdruck. 1984 erwarb die Rewe-Gruppe die AG zunächst zu 51 Prozent und 1989 komplett. Unter der neuen Bezeichnung „Stüssgen Der Frische“ existierten die Filialen weiter - doch jetzt sind ihre Tage gezählt.