DÜSSELDORF - Häme von Passanten, Stress mit hupendenRivalen, und wenn's ganz daneben geht: eine Schramme im Lack: DasEinparken in Großstädten gehört heutzutage zum Alltagskampf oder -krampf des mobilen Menschen. Verzweifelten Autofahrern - und das sindMänner wie Frauen, Rentner wie Studenten - bietet der ADAC NordrheinHilfe mit einem "Einparkkurs". Den entscheidenden Tipp gibt ihnen derpensionierte Fahrlehrer Josef Steinkamp: "Gegenlenken - und zwarimmer dahin, wo ihr gleich hinwollt."
"Ich möchte ihnen das Lachen verderben - den Leuten, die mit einemhämischen Gesichtsausdruck am Straßenrand stehen und sich auf dasSchauspiel freuen, wenn eine ältere Dame einparkt", sagt die 68-jährige Kurs-Teilnehmerin Edith Wright. Die Dolmetscherin imRuhestand fährt seit einem halben Jahrhundert Auto, und doch fühltsie sich beim Einparken manchmal unsicher. "Gut Parken ist chic",findet sie.
Fünf Frauen und drei Männer haben sich zu einer Nachhilfestunde inSachen Einparken um den 75-jährigen Steinkamp herum versammelt. Sieschauen gebannt auf seine Modellplatte mit Spielzeugautos. Zumindestbei der Trockenübung en miniature ist es ganz einfach: seitlichvorwärts, seitlich rückwärts oder direkt in die Lücke manövrieren -kein Fahrzeug kommt dabei zu Schaden. Dann aber geht es auf einemDüsseldorfer Parkplatz an die Praxis.
Wright startet ihren nicht eben kleinen Van mit Fahrradaufsatz amHeck und fährt mutig, wenn auch etwas ruckelig auf die Parklücke zu -die ist immerhin fast sieben Meter breit. Vier rote Verkehrshütchenbegrenzen die Ecken der Test-Lücke. "Bis zum Anschlag lenken, nichtso schnell", ruft ihr Fahrlehrer Steinkamp zu. Ein hinteresVerkehrshütchen fällt um. Wright versucht es noch einmal und nocheinmal. Beim vierten Versuch schafft sie es. Die anderen siebenKursteilnehmer applaudieren ihr aufmunternd zu.
Ein Drittel kommt wieder
Nicht nur ältere Damen machen mit. Der jüngste im Bunde, ein 20-jähriger Student, nimmt - auf Anraten seines Vaters - auch am Kursteil. "Ich traue mich nicht in kleine Parklücken - seitdem ich aberin Düsseldorf lebe, muss ich nehmen, was kommt", klagt der gebürtigeMonheimer. Er hofft auf ein Erfolgserlebnis nach dem Kurs: "Mit einemZug nur fünf Zentimeter vom Bordstein parken."
Steinkamps Fazit: "Ein Drittel kapiert es sofort, ein Drittel mussnur etwas üben, und das letzte Drittel der Teilnehmer kommt wieder."Steinkamp hat seit 1998 rund 250 Einparkkurse geleitet und tausendenAutofahrern die Angst vor der Lücke zu nehmen versucht. Bei seinenSchülern kommt immer wieder Gelächter auf, wenn der Rentner seineRatschläge mit Anekdoten aus 50 Jahren Fahrlehrer-Erfahrung ausmalt.
Seinen Schülern rät er zum Beispiel dazu, sich durch hektische undhupende Autofahrer beim Parken nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.Bloß nicht überlegen, was die sich denken. "So schnell denkenAutofahrer nämlich nicht."
Nach zwei Stunden nähert sich der Kurs dem Ende. Steinkamp stehtmit den letzten zwei Verbliebenen am Rande der Sieben-Meter-Parklücke. "Irgendwann fährt mich noch einer über den Haufen,das sehe ich kommen", sagt er und lacht. Auch diesmal hat sich seineErfahrung bewahrheitet. "Ein Drittel hat es noch nicht ganz kapiert." (dpa)
