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Aenne BurdaHommage an eine besondere Frau

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Aenne Burda. (Bild: dpa)

Wer hätte je gedacht, dass man mit Schnittmusterbögen weltberühmt werden könnte? Aenne Burda wurde es - und ist auch nach ihrem Tod mit 96 Jahren im November 2005 unvergessen. Mit ihrer faszinierenden Persönlichkeit, in der sich Energie und Durchsetzungskraft mit Kreativität und großem Charme verbanden, wurde sie eine der einflussreichsten Frauen der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Vorgezeichnet ist der Tochter des Offenburger Lokomotivführers Franz Lemminger die glanzvolle Karriere nicht. Wohl aber zeigt sich schon früh das Bestreben zu Höherem. „Ein liebes Kind war ich nicht. Ich wollte immer etwas Besseres sein“, erzählt Aenne Burda später selbstbewusst. Weil die Eltern kein Geld für die Droschkenfahrt zur Erstkummunion haben, kratzt sie es eben mit der Bäckerstochter von nebenan selbst zusammen. Mit 17 schneidet sie ihre langweiligen Zöpfe ab und trägt fortan einen flotten Bubikopf. Auch der Name Anna erscheint ihr altmodisch und wird kurzerhand in Aenne umgewandelt.

Zündende Idee mit Schnittmustern

Von der bildhübschen jungen Frau, die inzwischen als Kassiererin der Offenburger Elektrizitätswerke im Verlag seiner Familie Außenstände einholt, ist Dr. Franz Burda hingerissen. Beide werden ein Paar, heiraten 1931 und werden Eltern dreier Söhne. Doch nur für ein Leben als Mutter und Hausfrau ist die Verlegersgattin nicht geschaffen - und wird in ihren Ambitionen von ihrem Mann unterstützt. 1949 überantwortet er ihr einen kleinen, maroden Verlag, aus dem seine Frau eine weltberühmte Adresse macht.

Pariser Haute Couture ist im Nachkriegsdeutschland zu teuer - und zu extravagant, Massenmode noch kein Thema. Doch Aenne Burda hat eine Idee: Ein Modemagazin mit Schnittmusterbögen zum Selbstschneidern. 1950 erscheint die erste Ausgabe von „Burda Moden“ mit einer Auflage von 100 000 Exemplaren, die 1965 schon an der Millionengrenze kratzt. 1952 beginnt die Produktion von Einzelschnittmustern, 1953 wird von dem namhaften Architekten Egon Eiermann das neue Verlagsgebäude errichtet - und „Burda International“ kommt auf den Markt.

In wenigen Jahren war Aenne Burda, der Schönheit immer wichtig war und die sich zu ihrer Eitelkeit bekannte, zur stilbildenden Mode-Ikone geworden. Zahlreiche Ehrungen wie 1974 das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern, 1979 der Ehrenring ihrer Heimatstadt und 1984 der Bayerische Verdienstorden belegen die Bedeutung der Verlegerin für die deutsche Wirtschaft ebenso wie für das hohe Ansehen, dass sie national wie international bis heute genießt.

Ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes Dr. Franz Burda 1986 bringt „die Königin der Schnittmuster“ die erste westliche Zeitschrift in russischer Sprache in der damaligen Sowjetunion heraus und übernimmt zusammen mit der Burda GmbH den weltweiten Anzeigenverkauf für die Regierungszeitung „Isvestija“. 1995 erscheint erscheint Burda Moden auch in China. Ausgleich und Entspannung findet das Energiebündel Aenne Burda 30 Jahre lang in ihrem Haus am Meer im sizilianischen Taormina.

Heute schneidern Frauen in 120 Ländern der Welt ihre Kleidung nach den Anleitungen aus München, wo die Redaktion inzwischen beheimatet ist. Ein riesiger internationaler Erfolg, der allerdings nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass im Mutterland des Modemagazins die Lust am Nähen nachgelassen hat. Modeketten, Warenhäuser und Boutiquen bieten längst Mode von der Stange zu bezahlbaren Preisen an. Viele Frauen sind berufstätig und haben schneller gekauft als selbst geschneidert. Ein Modemagazin mit Schnittmustern ist da nicht mehr so ganz am Puls der Zeit.

Es war also höchste Zeit für ein Lifting - und das ist erfolgt. Am 24. Juli erscheint mit der ersten Ausgabe von „burda style“ ein rundum verjüngtes und optisch wie inhaltlich dem Geschmack und Lebensstil moderner Frauen angepasstes Magazin. Viele neue Rubriken wie Trendseiten, Accessoire-Strecken und Heft für Heft eine komplette Kollektion sollen neue Lust aufs Selbermachen wecken.

„Ich bin sehr stolz auf die neue burda style. Wir haben das Konzept verjüngt, ohne dabei den Grundgedanken von Aenne Burda zu vergessen“, sagt Chefredakteurin Dagmar Bily. Nähen sei wieder modern, ist sie überzeugt. Der Trend komme aus den USA und fände jetzt in Europa wieder zunehmend Anhänger. Entscheidend dafür sei allerdings nicht die Wirtschaftskrise, sondern das wachsende Bedürfnis nach Individualität und Freude am kreativen Arbeiten. Verblüffend ist Bilys Aussage, dass „immer mehr Männer nähen lernen wollen“.

Schade, dass Aenne Burda das nicht mehr erlebt. Das Vorbild von Millionen Frauen in aller Welt wäre sicher begeistert gewesen, auch für Männer eine modische Leitfigur sein zu können. Und wer weiß - vielleicht wäre der einfallsreichen und klugen „Königin der Schnittmuster“ eine Idee gekommen, wie man diese neue Zielgruppe vergrößern kann.