RHEIN-SIEG-KREIS. Der Tag beginnt früh für Markus Grommes. Der 27-jährige steht um Sechs auf, um die Milchkühe des Familienbetriebes in Lohmar-Algert zu melken und zu versorgen. Zwölf Stunden später werden die 130 Tiere wieder gemolken. So gibt jede einzelne schwarz-weiße Kuh im Durchschnitt 8 412 Kilogramm Milch pro Jahr.
Obwohl die Qualität der Milch gut ist, zahlt sich die harte Arbeit, oft 60 Stunden pro Woche, für den jungen Landwirt kaum aus. Der Preis für Milch ist auf das Nivau von vor 30 Jahren gesunken. Früher haben wir für den Liter 40,45 Cent bekommen, heute sind es gerade noch 25 Cent, erzählt Lambert Stöcker. Der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) für den Rheinisch-Bergischen Kreis warnt, dass viele Höfe durch die niedrigen Preise bedroht seien. Deshalb haben sich bereits 120 Betriebe des Rhein-Sieg-Kreises, des Rheinisch-Bergischen-Kreises und des Oberbergischen-Kreises im BDM organisiert.
Der Verband fordert, dass die Molkereien ab Oktober 40 Cent pro Kilogramm Milch bezahlen. In diesem Fall wären die Bauern auch unabhängig von staatlicher Hilfe, der im Moment 60 Prozent des Milchpreises trägt. Aber ab 2008 sollen die Subventionen halbiert werden. Wenn sich unsere Milch dann nicht selbst trägt, können wir eine flächendeckende Produktion nicht mehr garantieren, sagt Stöcker. Deshalb sind die Landwirte jetzt zum letzten Schritt bereit. Sie drohen mit einem Lieferstopp, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden.
Zur Zeit sind im BDM 22 000 Milchbauern organisiert, die 35 Prozent der deutschen Milch erzeugen. Die Zahl der Mitglieder ist steigend. Auch in zehn weiteren europäischen Ländern existieren solche Verbände. Sollte es im Oktober zu einem europaweiten Milchstreik kommen, wirkt sich das schnell auf die Kühlregale in deutschen Kaufhallen aus. Steigende Preise für den Rohstoff Milch würden die Verbraucher weniger drastisch spüren. Es sind nur ein paar Euro mehr, die die Leute im Jahr für Milchprodukte ausgeben müssten, sagt BDM-Kreisvorsitzender Lambert Stöcker.
Um auf die sinkenden Preise zu reagieren, haben viele Höfe in der Vergangenheit expandiert: Mehr Milch, mehr Umsatz. Aber weniger kann auch mehr sein. Wird die Produktion gedrosselt, wäre das Grundnahrungsmittel knapper und damit wertvoller. Bei sinkender Produktion, sinken auch die Produktionskosten und der Arbeitsaufwand. Dann hätte auch Markus Grommes aus Lohmar-Algert endlich mehr Freizeit. Bei 3 800 Arbeitsstunden im Jahr ein kostbares Gut.