KÜRTEN – Plötzlich ist die Praxis zu und die Aufregung groß: "Mein Nachfolger ist nicht erschienen", sagt Lothar Elf, praktischer Arzt aus Kürten. Eigentlich hätte der Neue am Montag seinen Dienst antreten sollen. Aber er kam nicht.
Nach 30 Jahren und drei Monaten hatte Elf zum Jahresende seine Praxis an der Bergstraße aus Altersgründen geschlossen und den Mietvertrag gekündigt. Mit der Kassenärztlichen Vereinigung sei aus seiner Sicht alles geregelt gewesen. Den Nachfolger habe man sogar in einer Anzeige in der BLZ namentlich bekanntgegeben und sich für das jahrelange Vertrauen der Patienten bedankt.
"Wirtschaftliche Gründe"
Gegenüber der BLZ spricht der verhinderte Landarzt, ein Arzt für Allgemeinmedizin, von "wirtschaftlichen Gründen" für seinen plötzlichen Rücktritt. Er bemühe sich seit Jahren um eine Praxis in Rhein-Berg, aber die Kassenärztliche Vereinigung lehne immer wegen angeblicher Überversorgung ab. Einzige Chance sei die Übernahme einer bestehenden Praxis, bei Lothar Elf wäre dies nur zum 1. Januar möglich gewesen. "Aber die bürokratischen Hürden sind sehr hoch." Obwohl er sich schon den Kürtener Patienten vorgestellt habe, müsse er sein Übernahmeangebot zurückziehen, bedauert er.
Mit dem Praxis-Aus hängen über Nacht etwa 1000 Patienten in der Luft. Viele haben Sorge, nicht mehr vor Ort versorgt zu werden. "Diese Angst ist unbegründet", stellt Dr. Heiner Pasch, Allgemeinmediziner aus Kürten, fest: "Es wird zu keinem Zusammenbruch der medizinischen Versorgung kommen. Alle Patienten von Herrn Elf werden von den in der Gemeinde Kürten niedergelassenen Ärzten weiter versorgt." Darauf hätten sich die Mediziner in einer Telefonkonferenz verständigt. Noch in dieser Woche finde ein Ärzte-Treffen statt. "Für eine Übergangszeit können die Kollegen die Patienten mit übernehmen." Wie lange diese Übergangszeit bemessen sei, könne er nicht sagen. Jeder der sieben Kürtener Allgemeinmediziner werde etwa 100 bis 150 Patienten zusätzlich betreuen müssen. Ein Honorar für diese Mehrarbeit bekomme allerdings keiner der Ärzte. Für die Patienten bedeute dies: "Die Wartezeiten werden länger." Empfohlen werde eine "relativ wohnortnahe Versorgung". Das heißt: Ein Dürscheider Patient sollte nicht nach Kürten zu einem Arzt gehen, darauf würden die Betroffenen auch hingewiesen und gegebenenfalls an einen anderen Kollegen verwiesen. "Das wäre schon wegen der Entfernungen für die Hausbesuche nicht zu leisten", erklärt Pasch. "Die Patienten sollten sich verteilen im Gemeindegebiet."
Für die Zukunft malt der Mediziner schwarz: Von den sieben praktischen Ärzten in der Gemeinde Kürten seien vier älter als 65 Jahre. "Die sind in drei Jahren weg." Junge Ärzte seien nach wie vor nur schwer zu bewegen, aufs Land zu gehen. "Die Mehrarbeit ist für sie nicht attraktiv." Außerdem seien auch nicht alle Praxen verkäuflich.
In der CDU-Fraktion ist der Ärztemangel seit einem Antrag der Senioren-Union Thema. "Es ist wichtig, dass in einer der nächsten Sitzungen des Sozialausschusses ein Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Vereinigung zur Situation der Ärzte in Kürten Stellung bezieht", erklärt CDU-Sprecher Harald Höller. Es dürfe zu keinem Ärztemangel in der Gemeinde kommen.
