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Als Kölns Musikleben wieder wachgeküsst wurde

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Haben ältere Kölner noch eine LP des „Club Français du Disques“ im Schrank? Auf den Platten im bunten Design der 1950er und 1960er Jahren erschienen auch Aufnahmen des Gürzenich-Orchesters unter ihrem damaligen Generalmusikdirektor Günter Wand. Lange blieben diese Tondokumente vom CD-Markt unberücksichtigt. Das englische Label „Testament“ (Vertrieb: Note 1) macht sie nun wieder zugänglich.

In zwei ersten Serien erschienen auf acht Einzel-CDs und einer Doppel-CD Werke von Beethoven und Mozart. Der 2002 im Alter von 90 verstorbene Wand erntete in seinem phänomenalen „Spätherbst“ weltweiten Ruhm. Doch sein frühlingshafter Eifer galt 1945 bis 1974 zunächst Köln. Nach dem Krieg lag die Domstadt in Schutt und Asche. In einem ungeheizten, halb zertrümmerten Universitäts-Hörsaal leitete der von den britischen Besatzern eingesetzte Wand erste Konzerte. Zuhörer standen bis auf die Gänge und lauschten der Musik, jede Aufführung war ein Ereignis. Die CDs machen diese Zeit wieder lebendig.

Die Aufnahme von Beethovens Neunter zeigt den eisernen Willen des Dirigenten: Sie ist nicht nur ein Hymnus der von den Nazis befreiten Bevölkerung, sondern Wand säubert die Partitur auch von Nachbesserungen späterer Dirigenten und bietet so reinen Beethoven. Mit erstaunlicher Genauigkeit, Reife und Texttreue widmet er sich dem Werk. Ein faszinierendes Klangdokument aus dem Jahr 1955, aufgezeichnet kurz nach dem Eröffnungskonzert im wieder erbauten Gürzenich (SBT 1287). Der Gürzenich-Bau war wegen den vorbeirumpelnden Straßenbahnen für Aufnahmen ungeeignet. Daher traf man sich im Feierabend-Haus der Chemiewerke von Hürth-Knapsack sowie in Klettenberg, Deutz und Leverkusen. Der Schnitt folgte in Paris.

Als erste Produktionen erschienen 1954 Mozarts „Haffner-Serenade“ und Beethovens zweite Sinfonie - noch in Mono. Besonders reizvoll ist die CD mit „Haffner“- und „Posthorn“-Serenade auch, da der damalige Gürzenich-Konzertmeister Günter Gugel die Solo-Violine spielt (SBT 1302). Für Wand war Mozart ein „musikalischer Leitstern“. Die Einspielungen der „Kleinen Nachtmusik“ sowie der Sinfonien Nr. 33-36 und 38-41 verraten, wieso.

Wand befreit Mozart von allem romantischen Ballast und macht sich damit zum Vorreiter der „historischen“ Aufführungspraxis, die er später allerdings kritisierte. Früh war er der Ansicht, dass Mozart zeitlos klassisch und nicht anders gespielt werden müsse. Man höre etwa seine nüchtern-klare Interpretation der „Jupiter“-Sinfonie. (SBT 1304). Auch bei den Beethoven-Sinfonien Nr. 1-5 und Nr. 7 überwiegt eine kontrollierte Haltung, doch der Ton ist insgesamt ernster. Spürbar ist, wie Wand das Gürzenich-Orchester zu einem konzentrierten und brillanten Klangkörper formt. Ein Highlight ist die Koppelung der Vierten und Fünften (SBT 1286). Doch auch die Zweite darf eigentlich in keinem CD-Regal fehlen, zumal die Stereo-Aufnahmen der beigefügten drei Ouvertüren („Coriolan“, „Egmont“ und „Leonore Nr. 3“) hervorragend räumlich klingen (SBT 1285).

Ein besonderes Schmankerl ist die Doppel-CD der „Missa solemnis“ von 1965. Darauf singen der Gürzenich-Chor und der junge Peter Schreier (SBT2 1283). Diese lobenswerte Edition überzeugt auch wegen der informativen Beihefte. Die CDs sind im Fachhandel und am CD-Stand im Philharmonie-Foyer erhältlich.