Naxos – Wie es in Griechenland in den kommenden Tagen und Wochen weitergeht, ist offen. Seit die Regierung am Montag Kapitalverkehrskontrollen einführte, wird das Bargeld knapp. Während die Situation für griechische Bürger teils schwierig ist, sind Touristen davon kaum betroffen.
Wir wirkt sich die Krise bisher auf Touristen aus? Eigentlich gar nicht. Reiseveranstaltern zufolge gibt es bisher keinerlei Beeinträchtigungen. „Es gibt keine Leistungseinschränkungen“, betonte eine Sprecherin des Deutschen Reiseverbands (DRV) am Freitag. Einzige Ausnahme: Bei der Bargeldversorgung können Schwierigkeiten auftauchen. Zwar gilt das von der griechischen Regierung eingeführte Abhebelimit von 60 Euro pro Tag nur für Griechen, aber angesichts der Schließung aller Banken kann es nach Angaben des Auswärtigem Amts unter Umständen zu Wartezeiten an Automaten kommen oder diese bleiben irgendwann leer. Das griechische Tourismusministerium erklärte am Montag, dass - sowohl in den Stadtzentren, als auch in den ländlichen Regionen und auf den Inseln - die Versorgung mit Kraftstoff und mit allen anderen für Touristen notwendigen Produkten und Dienstleistungen gewährleistet sei.
Auswirkungen für Touristen überschaubar
Selbst bei einer anhaltenden Bargeldknappheit bleiben die Auswirkungen für die meisten Griechenland-Urlauber demnach wohl vergleichsweise überschaubar, da es sich um Pauschaltouristen handelt. Sie haben den allergrößten Teil ihrer Reise schon bezahlt, außerdem können sie Bargeld mitbringen. „Die touristischen Leistungen wie Flüge, Hotelübernachtungen oder Bustransfers sind eingekauft und vertraglich fixiert“, beruhigte der Veranstalter Tui. „Alle veröffentlichten Preise behalten ihre Gültigkeit. Gäste, die All-Inclusive gebucht haben, sind ohnehin rundum versorgt.“
Unsere Redakteurin Ismene Poulakos ist derzeit im Urlaub auf Griechenland und macht ganz eigene Erfahrungen. Ein kurzer Erfahrungsbericht:
Wir sind zur Zeit auf Naxos, eine der griechischen Kykladen Inseln. Wenn man nicht ab und zu die Nachrichten lesen und hören würde, würde man glauben, alles sei wie immer. Die Restaurants sind voll, die Supermärkte auch, und insgesamt herrscht eine sehr entspannte Stimmung. In genügend Läden kann mit Kreditkarte bezahlt werden. Auffällig häufig sind jedoch die Kreditkartengeräte nicht in Ordnung.
„Sie müssen bar zahlen", heißt es dann. Cash aus Berlin in diesen Zeiten beliebt. In einem Restaurant steckte der Besitzer unsere Kreditkarte so lange falsch herum in den Schlitz, bis wir ihn darauf aufmerksam machten. Die Bank-Automaten in unserem kleinen Ort sind alle „Out of Order“. Gerne auch mit dem Zusatz versehen, dass in wenigen Minuten alles wieder in Ordnung sei. Dann passiert: nichts.
Vergleichsweise luxuriös
Heute haben wir allerdings im Städtchen einen Automaten gefunden, der uns Euro in größerer Menge auszahlt. Hoffentlich haben wir keinem Rentner das Begleichen der Stromrechnung vermasselt.
Als ich Anfang der neunziger, nach meinem Abi, in Naxos war, bin ich schon mal geldmäßig ziemlich gestrandet. Der letzte Travellerscheck war eingetauscht und ausgegeben. Zurückblieben waren rund 1000 Drachmen, irgendwas um die fünf Mark. Von dem Geld habe ich mir Wasser, Butterkekse und ein Paket Tabak gekauft und kam schließlich ziemlich hungrig bei meinen Freunden in Athen an. Dagegen ist die jetzige Situation ziemlich luxuriös. (mit afp)
