56 000 Einträge listet die Internetsuchmaschine Google auf, wenn man den Namen Johannes B. Kerner eintippt. Da ist vieles nachzulesen über den Fernsehmoderator. Zum Beispiel, dass er mit sieben Jahren Mittelfeldregisseur einer überdurchschnittlichen Bundesligamannschaft werden wollte. Dass er sich beruflich für nix schämt. Auch Zitate von ihm sind zu finden, wie dieses: Was nützt die schönste Viererkette, wenn sie anderweitig unterwegs ist. Und der Interessierte erfährt auch, dass er den Bienenstich aus einer bestimmten Bäckerei in Bonn schätzt. Welche denn?
Wer das wissen wollte, hörte gestern Abend beim Neujahrsempfang des Bonner Medien-Clubs (BMC) die Antwort. Es ist die Bäckerei Ott. Wo? In Friesdorf, Annaberger Straße, erklärte Schmecklecker Kerner so strahlend, als habe er gerade in ein solch süßes Teil gebissen.
Johannes B. Kerner, 1964 in Bonn geboren, erhielt beim BMC-Neujahrsempfang das Bröckemännche, einen Preis, den der Club an Persönlichkeiten verleiht, die wider den Stachel löcken. Wer? Der brave Kerner, den die Zuschauer mögen, soll einer sein, der mal gegen den Strich bürstet? BMC-Vorsitzender Werner P. D hein war sich da ganz sicher: Kerner sei aufmüpfig, weil Aufmüpfigsein zum Berufsbild eines jeden Journalisten gehöre. Der Laudator, Deutsche Welle-Intendant Erik Bettermann, wollte keine so rechte Antwort geben auf diese Frage. Er hielt im wahrsten Sinne des Wortes eine Lobrede. Nannte Kerner einen der erfolgreichsten Moderatoren des deutschen Fernsehens, dessen Sendungen, via Deutsche Welle verbreitet, auch in den USA und Kanada beliebt sind. JBK, Kerners werbewirksames Kürzel, sei inzwischen eine unverwechselbare Marke.
Kein Wunder, der Mann leitet vier Talkshows pro Woche im ZDF, moderiert zehnmal im Jahr das Sportstudio und kommentiert Länderspiele der Nationalmannschaft. Nebenher ist er bei Benefizgalas zu sehen, zuletzt bei der großen ZDF-Show für die Flutopfer. Wer Rang und Namen hat, geht zu ihm, sagte Bettermann über den 40-Jährigen; Politiker bringen ihre Botschaften lieber bei Kerner unters Volk als in den einschlägigen Polit-Magazinen.
Der so Gelobte hörte sich das bescheiden an; er stand im gläsernen T-Mobile-Forum neben seinem Vater Klaus Kerner und seiner Stiefmutter Janne Kerner, die bis zur Kommunalwahl 2004 für die SPD im Bonner Stadtrat saß. Und bedankte sich dann artig mit leicht belegter Stimme. So vor großen Publikum zu reden, sei seine Sache nicht; vor der TV-Kamera sei das hingegen kein Problem. Um dann aber doch frei weg - Achtung, hier wird wider den Stachel gelöckt - zu erklären, dass er gezögert habe, die Auszeichnung anzunehmen, weil sie auf der falschen Rheinseite verliehen werde. Er ist eben Bad Godesberger, der nicht gern nach Beuel gekommen ist, auch nicht wenn Pützchens Markt angesagt war.
Von 1964 bis 1980 lebte er in der damaligen Bundeshauptstadt, das war noch das Daniels-Bonn, sagte Kerner mit Blick auf Alt-OB Hans Daniels. Er sei damals gern nach Berlin gegangen: Ich bin einer der wenigen Bonner, die das zugeben. Doch vieles habe sich inzwischen geändert, Friesdorf habe jetzt sogar eine eigene Autobahnabfahrt. Wenn er heute in seine Heimatstadt komme, freue er sich. Bonn ist eine tolle Stadt, eine junge Stadt, es macht Spaß, hier zu Gast sein. Und er könne sich sogar auf lange Sicht vorstellen, hier wieder zu leben. - Aber da will ich mich nicht festlegen, schob er eilig nach, als habe er so eben ein Geheimnis verraten.
Der Aufenthalt gestern war jedenfalls nicht von Dauer; am späten Abend bereits fuhr er nach Hamburg zurück, wo heute eine neue Folge seiner Talkshow aufgezeichnet wird. Ob das Bröckemännche eingeblendet wird?