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An allen Häusern zeigt sich die weiße Fahne

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VORGEBIRGE. In der von Nikolaus Drese (1889 bis 1963) verfassten Pfarrchronik berichtet dieser vom Kriegsende in Dersdorf, wo er von 1939 bis 1952 als Ortsgeistlicher wirkte. Der ehemalige Bornheimer Vikar Heinrich Schneider notierte seinerseits die kriegerischen März-Geschehnisse in seinem privaten und mittlerweile veröffentlichten Tagebuch. Auch andere Quellen berichten ebenfalls zuverlässig aus der Zeit, da amerikanische Truppen den Kämpfen im Vorgebirge ein Ende bereiteten.

Am 4. März 1945 erleidet Sechtem einen Bombenangriff, nachdem in der Nacht zuvor eine Abteilung des Volkssturms zu Schanzarbeiten und zum Ausbau einer Flakstellung am Bornheimer Weg befohlen worden war. Der verzweifelte Versuch dazu beizutragen, im topographischen Vorfeld die Rheinfähren in Wesseling und Mondorf zu sichern, war zum Scheitern verurteilt.

Oberhalb von Brenig müssen unter den Argusaugen der waffenstrotzenden SS seit 24 Stunden 900 aus dem europäischen Osten stammende Frauen und Männer zwangsweise Stellungen ausheben und sichern. Die Breniger Bevölkerung missbilligt diese unsinnigen Bemühungen, die beim raschen Vorstoß der Amerikaner von Westen her mit starkem Blutvergießen ad absurdum geführt werden.

Von Weilerswist und Metternich her preschen die Amerikaner über die Hochfläche des Vorgebirges auf die Dörfer am Ostabhang der Ville vor. Dank der zähen Vermittlungsarbeit von Dechant Josef Blum, damals Pfarrer in Hemmerich, wurde hier jegliches Blutvergießen vermieden. Die von amerikanischen Soldaten in der Scheune des Hasenhofs gefangen gesetzten deutschen Soldaten werden auf seine Fürsprache wieder frei gelassen.

In der Nacht vom 5. auf den 6. März wird Walberberg kampflos besetzt. Rösberg liegt am selben Tag noch unter amerikanischem Artilleriebeschuss. Dabei stirbt ein Sohn des damaligen Rösberger Volksschullehrers Augstein. Zwar hatte man am Rösberger Wasserturm eine weiße Fahne gehisst, ein Oberleutnant der Wehrmacht schoss sie freilich in blinder Wut herunter, so dass die Amerikaner zum Angriff auf das Dorf übergingen. Am 6. März wird Brenig mit Granaten beschossen. Am Morgen des 7. März ist Brenig ganz in amerikanischer Hand. In Bornheim wird an diesem Tag noch gekämpft. Am Hellenkreuz zwischen Dersdorf und Bornheim fallen zwei Bomben, in Brenig ebenfalls zwei. Die Bomben wurden allerdings keineswegs von amerikanischen, sondern von deutschen Fliegern abgeworfen: Das Vorgebirge war in diesen Tagen regelrecht zwischen die Fronten geraten. Es sind Tote und Verletzte zu beklagen. Das Bornheimer Wohnhaus von Vikar Heinrich Schneider wird stark beschädigt. Am 8. März fällt Bonn, und die Rheinbrücke wird gesprengt. An diesem Tag ist man in Bornheim mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Schneider notiert: „Eine neue provisorische Verwaltung wird eingesetzt. Wie ein Bienenschwarm drängen sich die Leute um das Amtsgebäude, bis ein plötzlicher Feuerüberfall alles in Deckung treibt. Dann geht die Arbeit weiter.“

Der Dersdorfer Pfarrer Nikolaus Drese notiert für den 6. März 1945: „Am Nachmittag gegen 5 Uhr wird ein Motorengeräusch vernehmbar; es sind die Panzerwagen der Amerikaner. Bald ziehen Kolonnen von Infanterie mit bereitgehaltenen Waffen durch alle Straßen des Dorfes. An allen Häusern zeigt sich die weiße Fahne. Gegen Abend lebhafte Schießerei. Auf der Straße am Rankenberg und in Brenig sind noch deutsche Soldaten. Wild, aufregend sieht sich das Schießen mit Leuchtmunition an. Diese Nacht sollen etwa dreihundert Personen eng zusammengepfercht im Bunker zugebracht haben.“

Von Walberberg bis Alfter, wo am 2. März im Ortsteil Birrekoven noch sechs Zivilisten beim Angriff eines Jagdbombers den Tod fanden, hatten die amerikanischen Truppen relativ zügig das Vorgebirge unter ihre Kontrolle gebracht. Ihr Nahziel war der Rhein. Am 8. März wurden die Rheinorte Urfeld, Widdig und Uedorf kampflos besetzt, während in Hersel noch vereinzelt Widerstand geleistet wurde. Hersel lag noch bis zum 14. März unter dem Geschützfeuer deutscher Verbände, die sich jenseits des Rheins im Bereich der Siegmündung zurückgezogen hatten und den gegenüber liegenden Ort beschossen, in der Hoffnung, die amerikanischen Soldaten aufhalten zu können.

Einigen deutschen Soldaten war es gelungen, sich im Eichenkamp bei Bornheim zu verschanzen. Es gelang ihnen jedoch nicht, die hier gehorteten Munitionsvorräte auf das rechte Rheinufer zu verbringen. Auch hier konnten die Amerikaner gezielt zuschlagen. Der ohnehin nur noch spärliche militärische Widerstand der Deutschen brach immer mehr in sich zusammen.