EIFELLAND – Seit Wochen hat es nicht geregnet. Während sich viele freuen, dass das Schmuddelwetter ausbleibt, machen sich andere, die auf Wasser angewiesen sind, mehr Gedanken. Welche Auswirkungen hat die Trockenheit?
„Das ist eine außergewöhnliche Situation“, sagt Marcus Seiler vom Talsperrenverband Eifel-Rur (WVER). Derzeit ist der Rursee um die Hälfte „geschrumpft“. „Normalerweise hätten wir jetzt 125 Millionen Kubikmeter Wasser in der Rurtalsperre. Wir haben aber tatsächlich 61 Millionen.“
Immer mehr Teile des Ufers werden sichtbar, wodurch neue Gefahren entstehen. Jüngst musste eine Schülerin von der Feuerwehr aus dem Schlick befreit werden, weil sie im Schlamm zu versinken drohte. Seiler: „Im Uferbereich können sich Tümpel bilden. Und der Boden ist feucht, weil der See noch weiter absinkt. Das kann gefährlich sein, je nachdem, wo man rumläuft.“ Es gelte das Prinzip der Eigenverantwortung, sagt er. Schließlich habe man zahlreiche Schilder aufgestellt, die vor dem Betreten warnten. „Wir können den See nicht einzäunen oder rund um die Uhr bewachen lassen“, erläutert er.
In der Nähe des Badestrands Eschauel kommen die Mauern des „Hilgers-Hofs“ zum Vorschein, der wegen des Talsperrenbaus aufgegeben wurde. Auch jede Menge Unrat ist plötzlich zu sehen. Jüngst wurde in Abstimmung mit dem WVER eine Reinigungsaktion von den Anglern durchgeführt – da kam einiges zusammen.
Besondere Sorgen wegen der Trockenheit macht man sich beim WVER nicht. „Sollte es keine neuen Regen- oder Schneefälle geben, reichen unsere Vorräte fürs ganze nächste Jahr.“ Der Obersee, der zur Trinkwassergewinnung genutzt wird, sei bis zur Oberkante mit 18 Millionen Kubikmetern Wasser gefüllt. Für die Trinkwasserversorgung werden dort dem See 500 Liter pro Sekunde entnommen. Bei Einruhr fließen aber 700 Liter pro Sekunde hinein. Der Hauptsee, der nicht für die Trinkwasserherstellung genutzt wird, gibt 5000 Liter Wasser pro Sekunde an die Rur ab, auf die die Dürener papierverarbeitende Industrie angewiesen ist.
Die Wasserknappheit im Rursee ist nicht der jetzigen Trockenheit geschuldet. Problematisch wurde es bereits im Frühjahr. Während des Winters, als viel Niederschlag fiel, durften die Talsperren nicht komplett gefüllt werden, um Hochwasser-Schutzräume freizuhalten. „Von Februar bis April dürfen wir höher anstauen“, so Seiler. Doch da regnete es nicht. „Seit März geben wir mehr Wasser ab, als hineinfließt.“ Der verregnete Sommer habe daran nichts geändert, das Wasser wurde von der Vegetation aufgenommen.
Erftverband
„Die Erft“, so Dr. Ulrich Kern, „führt schon das ganze Jahr sehr wenig Wasser.“ Der Abteilungsleiter der Flussgebietsbewirtschaftung beim Erftverband macht das an Zahlen deutlich. Normalerweise fließen bei Arloff im Jahresmittel 800 Liter Wasser in der Sekunde ab. Dieser Wert wurde dieses Jahr bereits am 1. März unterschritten – zu einem Zeitpunkt, an dem der Abfluss in der Regel deutlich über dem Jahresmittel liegt. Dieses wird ansonsten erst in den Sommermonaten erreicht. Ab Mai waren es nur 70 bis 90 Liter, die sekündlich durch die Erft flossen. Und: An der Niederschlagsmessstation Eicherscheid wurde der Wert von 500 Litern Niederschlag pro Quadratmeter im Zeitraum von November bis Oktober unterschritten – erstmals seit 1976. An Grundwasser, so Kern, mangele es hingegen nicht: „Der harte Winter hat für einen großen Vorrat gesorgt.“
Wälder
Die Wälder haben die Trockenheit bislang gut weggesteckt. Henning Walter, Leiter des Nationalpark-Forstamtes: „Die Trockenheit hat den Bäumen bislang nicht geschadet.“ Man habe auch keinen verfrühten Blattabfall gehabt. Und nun gingen die Bäume in die Winterruhe. Der vergangene Winter sei sehr schneereich gewesen. Die weiße Pracht sei langsam weggetaut und von Boden und Vegetation gut aufgenommen worden. „Das hat zu einem unheimlich guten Wasserreservoir im Boden geführt.“ Wenn demnächst Regen oder Schnee einsetze, werde sich das Feuchtigkeitsreservoir langsam wieder auffüllen.
Sein Kollege Horst-Karl Dengel, Leiter des Regionalforstamtes Hocheifel-Zülpicher Börde, sieht es ähnlich: „Natürlich leiden die Bäume etwas. Das ist aber nicht gravierend, weil wir außerhalb der Vegetationsperiode sind.“ Die Pflanzen bräuchten jetzt nicht mehr so viel Wasser.
Schifffahrt
Waltraud Heuken von der Rurseeschifffahrt KG wirkt nicht beunruhigt. Man müsse zwar die Brücken immer weiter ins Wasser verlegen. Aber derzeit sei die Schifffahrt in der Winterpause. Dennoch kann man am Sonntag noch einmal über den See schippern. Dann finden um 11 und 15 Uhr ab Schwammenauel die Nikolausfahrten statt (Dauer zwei Stunden). Trotz Niedrigwasser kann der gesamte See befahren werden, aussteigen können die Passagiere jedoch nur in Schwammenauel. „Der Nikolaus kommt, er bringt den Kindern Geschenke und es wird etwas gebastelt“, beschreibt Heuken die Seepartie, die etwas für Oma, Opa und Eltern sei.
Industrie
Beim Iversheimer Unternehmen Greven Fett-Chemie ist man froh, dass man sich vor Jahren Erft-unabhängig gemacht hat. „Wir haben Brunnen gebaut“, so Werner Heiliger, Mitglied der Geschäftsführung. So bezieht das Unternehmen das Wasser für die Produktionsprozesse aus der Erde – und da ist, wie der Erftverband mitteilt, genügend Flüssiges vorhanden. „Unsere Messstellen geben keinen Anlass zur Sorge“, so Heiliger.
Auch die Nierfelder Pappenfabrik in Gemünd hat keine Probleme. Wie Martin Uhlmann erklärt, gibt der Wasserverband kontinuierlich Wasser ab. Zum anderen arbeite man mit einem geschlossenen Kreislauf, also unabhängig vom Wasserstand. Allerdings fragt sich Uhlmann: „Was wäre passiert, wenn damals der Wasserabgabe von zehn Millionen Kubikmetern in den Aachener Raum zugestimmt worden wäre? Dann hätten wir ein Riesenproblem.“
Landwirtschaft
Für die Landwirtschaft, so der Keldenicher Bauer Christoph Gerden, werde 2011 ein „teures Jahr“. Schon im Frühjahr sei die Aussaat wegen der Trockenheit schwierig gewesen, auch das Sommergetreide habe darunter gelitten. Schwierig und vor allem teuer werde nun die Futterbereitstellung für das Vieh. Denn dessen Futter für den Winter wird bereits im Frühjahr gemäht und dann in Silos gelagert. Da aber im Frühjahr wenig zu mähen war – „der Grasaufwuchs war etwa ein Drittel geringer“, so Gerden – , müssten die Landwirte in großen Mengen Futter zukaufen . Hier greifen die Gesetze der Marktwirtschaft und von Angebot und Nachfrage. „Der Preis für einen Rundballen Heu ist von 40 auf 80 Euro gestiegen.“
