KÖLN / SCHNELLENBACH – Es ist eine unfassbare Tat, und auch nach der Aussage des Angeklagten bleiben viele Fragen offen. Vor der 11. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts legte der 46-jährige Engelskirchener gestern ein Geständnis ab. Er gab zu, am 20. Dezember 2010 in Engelskirchen-Schnellenbach seinen 49-jährigen Nachbarn mit einer Schneeschaufel attackiert und mit Schlägen auf den Kopf getötet zu haben.
Es war das tragische Ende eines seit langem schwelenden Streits unter Hausnachbarn. Angeklagt ist der 46-Jährige wegen Totschlags. In seinen Einlassungen räumte der Familienvater die Schläge mit der Schneeschaufel zwar ein, er selbst sei von dem Opfer aber zuerst attackiert worden.
Mit seiner ältesten Tochter sei er gerade dabei gewesen, den gemeinsamen Zuweg vom Schnee freizuschaufeln, als der 49-jährige Nachbar mit dem Auto vom Einkaufen nach Hause kam. Der Nachbar habe seinen Einkaufskorb abgestellt, ihm erst vorgeworfen, den Schotterweg beschädigt zu haben, und ihn dann mit einer Latte attackiert.
„Ich wehrte den Schlag mit geschlossenen Augen mit meiner Schaufel ab.“ Der Nachbar sei zu Boden gegangen und habe auf dem Bauch mit dem Gesicht im Schnee gelegen. Dann habe er mehrfach mit der Schaufel auf seinen Hinterkopf geschlagen.
„Auf einmal habe ich das Blut gesehen und bin weggelaufen. Ich sagte zu meiner Tochter, dass sie die Polizei rufen soll.“ Das Opfer war noch am Tatort verstorben.
Dabei habe die Nachbarschaft durchaus positiv begonnen. Er habe 2001 sein Haus in Engelskirchen gekauft, der Nachbar habe 2004 mit dem Bau seines Hauses begonnen. Zu diesem Haus gehört auch der Weg, den beide Familien benutzten. Der Streit begann 2005, als der neue Nachbar seiner Frau 15 Minuten lang die Ausfahrt blockiert habe.
Die erste Klage wurde eingereicht, später sollen handgreifliche Auseinandersetzungen gefolgt sein. Seinem damaligen Anwalt berichtete das Opfer, er sei von seinem Nachbarn geschlagen worden, habe dies aber nicht zur Anzeige gebracht. „Er sagte, er habe andere Sorgen“, berichtete Anwalt Stephan von Hardenberg, der jetzt die über 80-jährige Mutter des Opfers vertritt. Diese Sorgen bestanden darin, dass die Ehefrau ins Koma gefallen war und ein Jahr vor der Tat verstarb.
„Für die Kinder ist die Tat eine unfassbare Tragödie“, sagt Christoph Reinhold, der Anwalt der Kinder. „Durch die Tat wurden beide zu Vollwaisen. Die 13-jährige Tochter lebt in einer Pflegefamilie. Der 17-jährige Sohn wird vom Jugendamt betreut; beide sind völlig traumatisiert und in psychologischer Behandlung.“
Morgen wird der Prozess fortgesetzt. Dann sollen die Nachbarn aussagen. Das Urteil wird am vierten Prozesstag, dem 26. Juli, erwartet.