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Anne BeikircherVon gelassener Sinnenfreude

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„Diary“ hat Anne Beikircher die vier großen Hochformate betitelt. (Foto: Rosenbaum)

Hürth – Die Künstlerin Anne Beikircher arbeitet mit einem fragilen Werkstoff: sie benutzt Glas als Trägermaterial für figurative Malerei, die sie mit fließendem Pinselstrich aufträgt. Die Formen der von ihr grob gebrochenen Scherben aus Fensterglas geben dabei oft erste Anhaltspunkte für das spätere Motiv. Eine Ausstellung mit Arbeiten der Malerin und Glaskünstlerin, die das handwerkliche Rüstzeug an der Glasfachschule in Rheinbach erworben hat und ein Stipendium an der „École des beaux Art“ in Paris hatte, ist jetzt in der Bürgerhaus-Galerie zu sehen.

Ehemann Konrad war bei der Eröffnung an ihrer Seite und brach in seinem Grußwort eine Lanze für die Kultur in der Provinz. „Wir leben nicht von der Metropole, sondern von der Provinz“, versicherte der Kabarettist, der zu den „Hauskünstlern“ des Bürgerhauses gehört, wo man ihn am 24. November mit seinem Programm „Schön ist es auch anderswo“ erleben kann.

„Lüsterfarben“ für die Bemalung

„Glas ist in Deutschland nicht populär“, konstatierte er mit Blick auf die Arbeiten seiner Frau. „Ich mach’ den Ofen immer auf und zu“, ließ er die Besucher wissen, die trotz des prominenten Namens nur in überschaubarer Zahl erschienen waren. Anne Beikircher stand ihnen Rede und Antwort bei den vielen vorwiegend technischen Fragen, die ihnen auf den Nägeln brannten.

Für die Bemalung, die später bei 580 Grad im Ofen eingebrannt wird, verwendet sie sogenannte „Lüsterfarben“. Dabei handelt es sich um metallisch schimmernde, transparente Farben, die das Licht durchlassen.

Die in Bonn lebende Künstlerin malt einzelne, vornehmlich weibliche Figuren mit sanften Rundungen; vor allem aber trifft man auf erotische Paarszenen, bei denen Gestalten in enger Umarmung zu sehen sind – leicht und schwungvoll-rhythmisch gesetzt, strahlen sie eine gelassene Sinnenfreude aus. Dieses Thema dominiert die bemalten Scherben, die frei stehend wie Statuetten präsentiert werden. Der größte Teil der zerbrechlichen Exponate ist allerdings durch Vitrinen geschützt.

Den vier großen Hochformaten verdankt sich der Name der Ausstellung. „Diary“ (Tagebuch) hat die Bonnerin sie betitelt, weil sie hier Anregungen unterschiedlichster Art aufgenommen hat: die Begegnung mit einem Reh bei einem Waldspaziergang, Momentaufnahmen von einem Besuch aus Berlin und eine freie Adaption von Jan Vermeers berühmtem Gemälde „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“.

Die Ausstellung dauert bis zum 1. Dezember. Sie ist Mo von 8.30 Uhr bis 16 Uhr, Di-Do von 8.30-17.30 Uhr, Fr von 8.30 - 14 Uhr zugänglich.