ZÜLPICH – Thomas und Kristina Scheuffgen, Besitzer des Gestüts „Wildenburger Hofstadt“, sind immer noch entsetzt. Am Mittwoch entdeckten sie eines ihrer beiden erst am Montag geborenen Fohlen im Schluchtbach. Es lag tot in einem tiefen Tal, der Körper in sich verdreht. Kristina Scheuffgen erkannte sofort Bissspuren und einen offenen Bruch an der Schweifrübe, der Fortsetzung der Wirbelsäule, die den Schweif bildet. Und damit stand für die Reitlehrerin fest: Das Fohlen musste in den Tod gejagt worden sein. Kristina und Thomas Scheuffgen schalteten die Polizei ein und erstatteten Anzeige gegen Unbekannt. Polizisten nahmen noch am Mittwoch vor Ort Ermittlungen auf.
„Bei der morgendlichen Kontrolle der Weide haben wir bemerkt, dass eins der beiden Fohlen fehlte. Als wir dann gesehen haben, dass der Stacheldrahtzaun im hinteren Bereich der Weide an einer Stelle etwas verbogen war, haben wir das junge Islandpferd gleich unterhalb im Schluchtbach gefunden“, berichtet Pferdewirtschaftsmeister Thomas Scheuffgen.
Verängstigtes Fohlen starb im Bachbett
„Es hat es nicht geschafft, aus eigener Kraft wieder die steile Böschung hinauf zur Herde zu kommen und ist an Erschöpfung gestorben“, so der Isländer-Züchter.
Es war das vierte Fohlen der 16-jährigen Schimmelstute „Surtsey“, die von allen aber nur „Schimmi“ genannt wird. „Sie braucht jetzt besonders viel Zuneigung und Fürsorge. Ich habe mit einer Heilpraktikerin gesprochen, die ,Schimmi‘ etwas gegen die Trauer verabreicht und beim Abbau der Milch helfen soll“, schilderte gestern Pferdeliebhaberin Kristina Scheuffgen, während sie gemeinsam mit Töchterchen Emma die Stute mit einigen Möhren fütterte. Die Weide, auf der das Unglück seinen Lauf nahm, wird nur für Jung- und Zuchtstuten genutzt. Das Vatertier „Kóngur fra Sörlatungu“, ein preisgekrönter Elite-Deckhengst, befindet sich in einem Freilauf auf dem Hof an der Stephanusstraße.
Obwohl die Stuten-Weide von Spaziergängern nicht leicht zu erreichen ist und auch überall umzäunt ist, geht Thomas Scheuffgen davon aus, dass ein freilaufender Hund sein Fohlen in den Tod hetzte. „Die Herde, die sich im hinteren Teil des kleinen Tals aufhielt, hat den Hund offenbar nicht sofort gewittert. Deshalb vermute ich, dass ein Spaziergänger oberhalb des Tals auf dem Wirtschaftsweg gegangen und sein Hund einfach plötzlich auf die Weide gerannt ist“, sagt Scheuffgen, der berichtet, er habe schon wiederholt Spaziergänger gebeten, ihre Hunde in der Nähe der Weide anzuleinen.
Doch das werde meist ignoriert. „Ich habe in 30 Jahren Pferdezucht noch nicht erlebt, dass ein wildes Tier einem Pferd etwas angetan hat – obwohl der Nationalpark in der Nähe ist“, so Pferdewirt Scheuffgen, der gleichzeitig ein erfahrener Jäger ist. Er schließt aus, dass ein Raubtier oder zwei Hunde das Fohlen in den Tod hetzten, denn das kleine Islandpferd hatte nur im Bereich der Schweifrübe Verletzungen. „Wären es zwei Hunde gewesen, so hätte naturgemäß einer der Hunde das Fohlen gejagt, der andere hätte es gestellt. Und das würde weitere Bissverletzungen bedeuten. Wäre es ein Raubtier wie ein Luchs oder ein Fuchs gewesen, hätte der seine Beute unten im Schluchtbachtal sicher auch angefressen“, sagt der Bürvenicher, der auf 37 Hektar Fläche 85 Pferde hält. Das Rappstutfohlen, das nach seinem Vater „Kónga“ hätte heißen sollen, hatte einen Marktwert von etwa 2000 Euro. Für Scheuffgen ist der Schaden aber wesentlich größer. „Ein Jahr Zuchtarbeit mit zwei wertvollen Elterntieren war umsonst“, sagt Scheuffgen traurig. Das Fohlen sollte außerdem das Reittier für seine kleine Tochter Emma werden.
Elf Monate lang trägt eine Islandstute, entsprechend lange werden Scheuffgens Zuchtpläne aufgehalten. Er und seine Frau möchten versuchen, die Stute erneut decken zu lassen. Ob dies klappt, sei aber fraglich, denn es bestehe auch die Möglichkeit, dass sich die Mutterstute nun erst mal um ein „Pflegefohlen“ kümmere.
