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Auf den Spuren der Edelweißpiraten

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KÖNIGSWINTER. Auf Wegen der Erinnerung: 150 Teilnehmer gingen mit bei der historischen Wanderung „Edelweißpiratentour“ durchs Siebengebirge. Sie folgten dabei den Spuren der Kölner Edelweißpiraten, einer Gruppierung von Jugendlichen während der NS-Zeit, die damals häufig im Siebengebirge und an den Seen bei Oberkassel unterwegs war.

In Höhlen

geschlafen

Als Zeitzeuge berichtete der ehemalige Edelweißpirat Hans Fricke von den damaligen Erlebnissen. „Wir trafen uns am Kölner Westbahnhof in unserer Kluft - kurze Hosen, kleinkariertes Hemd und weiße Kniestrümpfe, über die dann aber noch andere Strümpfe getragen wurden, damit man uns in Köln nicht erkennt - und fuhren hinaus ins Siebengebirge", erinnert sich der 81-Jährige. Beliebte Ziele waren der inzwischen verlandete Märchensee, der Blaue See und der Dornheckensee, aber auch der Drachenfels und der Rolandsbogen dienten als Anlaufpunkte der etwa drei bis vier Mal im Jahr unternommenen Ausflüge.

„Geschlafen wurde dann in den Höhlen, ohne Decken und irgendwelchen Komfort", erzählte ließ Fricke den Mitwanderer. Die Schlafhöhle am Märchensee fand er auf Anhieb wieder, aber viele der noch recht jungen Leute hatten Probleme, es ihm nach zu tun und ebenfalls schnell dorthin zu kraxeln.

Die sorgfältige Vorbereitung des Unternehmens durch Jan Krauthäuser vom Kölner Edelweißpiratenclub und Helga Stoverock vom Siebengebirgsmuseum ließ sich erkennen, als Jörg Seyffahrt, ein Zugvogel von der Bündischen Jugend, mit seinen Mannen zu Klampfe und Schifferklavier die damaligen Lieder erklingen ließ. Die Edelweißpiraten bildeten seinerzeit keine feste Organisation, sondern bestanden aus lockeren Gruppen, die ihre Freizeit gern in der freien Natur verbrachten, beim gemeinschaftlichen Singen und Wandern. Neben traditionellen Volks- und Wanderliedern entstanden viele neue Kompositionen, in denen eigene Erlebnisse, Wünsche und Träume thematisiert wurden. Die Texte gefielen NS-Oberen und kamen auf den Index. So heißt es in einer zusätzlichen Strophe zum Lied „Hohe Tannen": „Höre, Rübezahl, was wir dir sagen: Volk und Heimat, die sind nicht mehr frei. Schwing den Spaten der Edelweißpiraten, schlag die Bündische Jugend frei, die Hitlerjugend entzwei!"

„Ich habe allen Verboten zum Trotz immer ,Guten Tag statt des Hitlergrußes gesagt", berichtete Hans Fricke, „aber andere engagierten sich richtig aktiv im politischen Widerstand“.

Für Jan Krauthäuser und Elmar Scheuren vom Siebengebirgsmuseum war die Veranstaltung ein großer Erfolg, denn sie hatten nicht mit einer solchen Vielzahl von Teilnehmern gerechnet. Das war für sie gleichzeitig Ansporn, die Aufarbeitung der Geschichte weiter zu betreiben: „Schön wäre es, wenn wir noch weitere Zeitzeugen fänden, die ihre Erlebnisse an die Jugend weitergeben und zeigen, dass in der NS-Zeit keineswegs nur Mitläufer gelebt haben!"