In den 70ern war er eine Institution, inzwischen ist er zur Legende geworden: Was in New York das Studio 54, war in Köln der Lovers Club. Angeblich war er die erste Diskothek in der Domstadt, Schmelztiegel einer Szene aus Künstlern, Hippies und Halbwelt. Zu den Gästen sollen illustre Figuren wie Peter Scholl-Latour, Udo Kier, Heiner Lauterbach, Günter Netzer, Jimi Hendrix, aber auch kölsche Urgesteine wie Jürgen Zeltinger und Purple Schulz gehört haben. Am kommenden Samstag treffen sich die Anhänger des Clubs drei Jahrzehnte nach dessen Schließung im Blue Shell zur kollektiven Spurensuche.
Auch für Wolfgang Linneweber (Jahrgang 1952) ist die Erinnerung an die Jugend mit der Diskothek am Hohenzollernring 97 verbunden, der 1969 unter der Regie von Hans Mac Sauer aus dem Tabu Club hervorgegangen war. Inspiriert durch den Roman Lovers Club - Kommentar aus dem Off von D. Holland-Moritz, der allerdings mehr die Atmosphäre und Befindlichkeiten der frühen Siebziger als den Club selbst beschreibt, ist der Musikjournalist Linneweber auf der Suche nach weiteren Zeitzeugen, um seine eigenen Erinnerungen mit ihren zu einem möglichst authentischen Bild von dem Club zu verbinden.
Lovers Club - wie ehrfürchtig haben wir damals diesen Namen ausgesprochen. Wie stolz waren wir, wenn wir es geschafft hatten reinzukommen, schrieb Camilla im Internetforum, das Linneweber eingerichtet hat. Ich erinnere mich noch an den Geruch, wie der Schweiß die schwarzen Wände runterlief, an die Tanzenden, an die vielen kleinen Winkel, schrieb Christine ins virtuelle Gästebuch.
Die Platten, wie sie im Lovers Club liefen, bekam man in Köln nicht für Geld, und wenn, dann erst Monate später, gibt Linneweber ein Beispiel für die Exklusivität des Clubs. Lieferquelle der neuesten Scheiben von Miles Davis bis James Brown, von Iron Butterfly bis Weather Report war Lazarus, ein ambulanter Plattenhändler, der wenigstens ebenso bekannt war wie Carol, der DJ, der mit Hilfe eines Thorens-Plattenspielers, eines Macintosh-Verstärkers und JBL-Studioboxen einen unglaublichen Sound zauberte, von dem Ohrenzeugen heute noch schwärmen.
1974 wurde der Club geschlossen, er ging im Gypsies auf. DJ Carol ist heute Netzwerkadministrator, aber für die Freunde des Clubs steht er am Samstag noch einmal am Plattenteller, wenn sich die Liebenden und alle Interessierten um 20.30 Uhr im Blue Shell, Luxemburger Straße, treffen. Die Erinnerungen auffrischen wird dann auch Holland-Moritz, der aus seinem Roman lesen wird.