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Aufkleber! Der Müll bleibt stehen

5 min

KALL. Morgens halb sieben in Kall: Die ersten Pendler machen sich auf den Weg zur Arbeit. Schüler versammeln sich an der Bushaltestelle.

Auch Frank Fink, Berater bei Schönmackers Umweltdienst für das Duale System Deutschland (DSD), dem Grünen Punkt, ist an diesem kühlen, aber sonnigen Morgen in Kall auf der Kölner Straße unterwegs. Der Mann in der orangefarbenen Jacke macht sich auf den Weg von einer gelben Mülltonne zur nächsten, bewaffnet mit Arbeitshandschuhen, Kladde und Digitalkamera.

Bereits bei der ersten Mülltonne bleibt Fink stehen. Schon ein kurzes Anheben signalisiert ihm, dass mit der Befüllung etwas nicht stimmen kann. „Eine gelbe Mülltonne wiegt in der Regel befüllt rund neun Kilo“, sagt Fink. Das habe man im Gefühl. Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung zu sein. Im gelben Sack, der oben auf liegt, sind Milchtüten und Joghurtbecher zu sehen. „Aber dieser Joghurtbecher ist noch voll und das gehört hier nicht rein“, meint der DSD-Berater, jetzt schon skeptischer.

In tieferen Schichten

fündig geworden

Er wühlt im Müll und entdeckt in den tieferen Schichten in der Tat, wonach er sucht. Im Müllsack, der mit Restmüll korrekt befüllt ist, findet er neben Schokolade vergammelte Speisereste. Mit der Digitalkamera dokumentiert Fink das Still-Leben. Die Mülltonne erhält einen Aufkleber, als Zeichen für die Müllmänner, die Tonne stehen zu lassen.

„Die Bewohner haben bis zur kommenden Abfuhr Zeit, den Inhalt korrekt zu sortieren. Erst dann nehmen wir die Tonne mit“, sagt Fink.

Auch beim Nachbarn sieht es nicht anders aus. Beim genaueren Wühlen findet Fink einen zusammengefalteten Lampenschirm, der noch mit rosafarbenem Blümchenstoff überzogen ist. Auch Plastikteile holt der Kontrolleur aus der Tonne heraus. Das ist zu viel, so dass auch diese Tonne einen Aufkleber erhält. Am nächsten Haus ist es nur ein Plastikrohr, das streng genommen nichts in der gelben Tonne zu suchen hat. Fink nimmt es heraus und stellt es an die Hauswand.

Der Befüller der nächsten Mülltonne hat weniger Glück: Ein alter Ball und sogar ein Kassettenrekorder bringen ihm einen Aufkleber auf der Tonne ein.

Dass keine Tonne auf diesem Kontrollgang korrekt befüllt ist, wundert Fink nicht. „Wenn man davon ausgeht, dass 50 Prozent der gelben Tonnen nicht ausschließlich mit Verpackungen befüllt werden, die den Grünen Punkt tragen, ist man noch optimistisch“, meint er. Höchstens zwei Prozent seien fehlerfrei. An kleineren Plastikteilen, die die Hauseigentümer in guter Meinung über die gelbe Tonne entsorgen, stößt sich Fink nicht - obwohl das im Sortierwerk von Schönemackers aussortiert und gesondert wieder verwendet wird.

Auch Säcke werden kulant mitgenommen, die nicht gelb, aber durchsichtig sind, so dass die Müllmänner sehen können, was drin ist. „Den Menschen muss allerdings klar sein, dass wir keine Plastikabfuhr machen, sondern nur die Verpackungen mit dem Grünen Punkt entsorgen“, sagt Fink. Sei es, dass sie sich in der gelben Tonne oder im gelben Sack befinden, den es kostenlos bei den Stadt- und Gemeindeverwaltungen gibt.

Direkt verdächtig

vorgekommen

Vor einer Gastwirtschaft sind insgesamt vier Mülltonnen aufgebaut. Das kommt dem Kontrolleur direkt verdächtig vor. Und in der Tat täuscht ihn sein Eindruck nicht. Eine bunte Mischung aus Kerzenstummeln, Gurkengläsern und Essensresten mischt sich unter Einwegverpackung mit dem Grünen Punkt. Fink scheint verärgert zu sein und geht auf den Parkplatz hinter dem Haus. „Grundstücke dürfen wir sonst nicht betreten, aber hier handelt es sich um einen Parkplatz“, sagt er. In der Tat wird er fündig. Gerade einmal zwei Tonnen für Restmüll nutzt der Betrieb. „Normalerweise reicht pro graue Tonne eine gelbe vollkommen aus“, sagt Fink.

Er sieht seinen Verdacht bestätigt, dass hier Restmüll über die gelbe Tonne entsorgt wird. Während für die graue Tonne Müllgebühren fällig sind, zahlen die Verbraucher beim Einkauf von Produkten, die den Grünen Punkt tragen, für die Entsorgung der Verpackung.

Später, in der Zentrale, wo die Müllsünder mit den dazugehörigen Fotos archiviert werden, wird er veranlassen, dass zwei der vier gelben Mülltonnen abgezogen werden. Normalerweise geschieht das automatisch, wenn ein Haushalt drei Mal bei einer Kontrolle auffällt und die Tonne falsch befüllt hat. Aber wer schon bei der ersten Kontrolle Teppiche, Altpapier, Gartenabfälle oder Autoteile völlig verkehrt entsorgt und sich vielleicht im persönlichen Gespräch uneinsichtig zeigt, riskiert schon mal einen sofortigen Entzug.

Schließlich sei die gelbe Tonne das Eigentum von Schönemackers. „Erst wer über einen längeren Zeitraum seinen Müll korrekt getrennt und mit gelben Säcken entsorgt hat, kann eine neue Mülltonne beantragen“, erklärt Fink.

Ein Anwohner sucht das Gespräch mit dem Kontrolleur. „Meine ist richtig befüllt, das war der Vermieter, der auch immer Gartenabfälle und Steine auf diesem Weg entsorgt“, erklärt er. Fink zeigt ihm, dass auch er nicht fehlerfrei ist: „Sehen Sie das Rohr? Das habe ich aus Ihrer Mülltonne herausgeholt.“

„Das sagt einem

ja niemand“

Nur weil sonst alles in Ordnung sei, werde die Tonne abgefahren. „Das ist ja gut zu wissen, das sagt einem ja sonst niemand“, entgegnet der Mann und geht zurück ins Haus.

Das, was er an diesem Tag in Kall sieht, sei alles noch relativ harmlos, meint Fink. Bei manchem Blick finde man auch schon mal Fleisch, das beinahe anfange, sich zu bewegen, teilweise garniert mit Damenbinden und Kinderwindeln. „Viele stellen sich dumm, beschuldigen die Nachbarn oder beschimpfen uns mit den übelsten Kraftausdrücken“, erzählt er. In einem Mietshaus sei er auch schon mit einem Messer bedroht worden.

Die Müllkontrollen, mit denen er jeden Arbeitstag beginnt, seien sinnvoll. Seit er vor einem Jahr als DSD-Berater begann, habe sich die Quote der falsch befüllten Mülltonnen von 55 Prozent auf 50 Prozent verringert. „Den Müll nachzusortieren kostet sehr viel Geld, so viel, dass es sich lohnt, einen DSD-Berater in jedem Bezirk zu beschäftigen“, sagt Fink.