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AusstellungBach und Mendelssohn in der NS-Zeit

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Verschiedene Publikationen aus der Zeit des Nationalsozialismus zu Bach und seiner Musik liegen im Bachhaus Eisenach in einer Ausstellungsvitrine. (Bild: dpa)

EISENACH - Felix Mendelssohn (1809-1847) gilt als derWiederentdecker der Musik Johann Sebastian Bachs. Zu seinem 200.Geburtstag setzt sich das Bachhaus Eisenach von diesem Freitag an ineiner neuen Ausstellung mit "Blut und Geist - Bach, Mendelssohn undihre Musik im Dritten Reich" auseinander. Während dem 1685 inEisenach geborenen Bach im Nationalsozialismus als "Deutschestemaller Deutschen" von Adolf Hitler und Propagandaminister HeinrichGoebbels öffentlich gehuldigt wurde, war der "Jude" Mendelssohn fürdie Nazis ein gefährlicher "Zwischenfall" der Musikgeschichte, sagteMuseumsdirektor Jörg Hansen am Donnerstag. Seine Werke wurden nichtmehr gespielt. Die kleine Sonderschau mit Fotos, Dokumenten, Büchern,Instrumenten und ausführlichen Erläuterungen ist bis zum 8. Novembergeöffnet.

Sie spannt den Bogen vom Jahr 1829, als der gerade 21 Jahre alteMendelssohn in der Berliner Singakademie erstmals nach dem Tod Bachsdessen Matthäuspassion aufführte, bis zur Vertreibung und Vernichtungjüdischer Künstler in den NS-Konzentrationslagern. Das Konzert vordem preußischen König Friedrich Wilhelm III., dem Philosophen GeorgWilhelm Friedrich Hegel und dem Schriftsteller Heinrich Heine rückteBachs bis dahin fast vergessene Musik, in ein neues, nationalesMusikinteresse. Zuvor wurden seine Werke nur in Liebhaberkreisengepflegt oder beim Klavierunterricht gespielt. Dort hatte auch FelixMendelssohn die Werke Bachs kennen und schätzen gelernt.

Rund 100 Jahre später wird zum 250. Geburtstag Bachs 1935 inBerlin eine gigantische Ausstellung eröffnet, beim "Reichs-Bachfest"in Leipzig sitzt in der Ehrenloge des Gewandhauses auch Hitler undlauscht nach einem Zeitungsbericht "ernst, in einercharakteristischen Haltung" den Bachschen Violin- und Cembalo-Konzerten. "Die Fuge ist blond und blauäugig", heißt esbeispielsweise in Richard Eichenauers Werk "Musik und Rasse". Mehrals Richard Wagner gilt Bach als Urtyp des deutschen Musikers. Diese"Einheit von Blut und Geist" wird auch dadurch belegt, dass Werke vonBach zu Liedern der Hitler-Jugend umgedichtet wurden: seine Trauerodewurde beispielsweise zu einer Weihemusik auf die Gefallenen desErsten Weltkrieges.

Mendelssohn aber, einst Mitbegründer der Neuen BachgesellschaftLeipzig, hatte nach Ansicht der NS-Wissenschaftler zur"Verweichlichung" der deutschen Musik im 19. Jahrhundert beigetragen.Sein Denkmal in Leipzig wurde über Nacht entfernt. Vor allem sein"Sommernachtstraum" mit dem berühmten Hochzeitsmarsch blieb aberStandardwerk deutscher Musiktheater. "Mehr als 30 Komponisten,darunter auch Carl Orff, versuchten mit wenig überzeugendenNeukompositionen zu Shakespeares Sommernachtstraum dernationalsozialistischen Musikpflege aus der Klemme zu helfen", sagteHansen. (dpa)