Bittere Pille für Discount-Backkönig Willi Ferling (59): Das Backwaren-Imperium des Erfinders der kölschen „Kaffeebud“-Stehcafés ist pleite. Ferling musste für die Brot Ferling GmbH an der Longericher Straße und die Verkaufskette Ferling Backland GmbH beim Amtsgericht Insolvenz beantragen. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter für die Brot Ferling GmbH wurde der Kölner Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Dr. Paul J. Gross bestellt. Großbäcker Ferling hatte über Jahre mit absoluten Kampfpreisen für Furore gesorgt: In seinen Läden geht jedes frisch gebackene Brot für einen Euro über die Theke, zehn Mohn- oder Sesambrötchen für 99 Cent.
Bei den Kunden kam das gut an. Doch dann geriet das Unternehmen durch schleppende Zahlungseingänge von Großkunden, Umsatzrückgänge während des heißen Sommers sowie teure Abfindungsverfahren nach der Entlassung ehemaliger Mitarbeiter in finanzielle Schwierigkeiten. Zurzeit wird der Betrieb vom Wirtschaftsgutachter geprüft. Ferling: „Ich rechne damit, dass dann Anfang April das Insolvenzverfahren eröffnet wird.“
Der kölsche Backkönig, lange Jahre Veranstalter der „Brezelsitzungen“ zugunsten kranker Kinder, steht der Entwicklung mit „maßloser Enttäuschung“ gegenüber. 1967 hatte Ferling den Betrieb übernommen. In der Folge baute er das Unternehmen zur Großbäckerei mit 130 Mitarbeitern aus. Sie beliefert unter anderem Supermärkte und Kliniken. Seine „Kaffeebud“-Cafés wurden zum Markenzeichen. Heute firmieren die 15 Verkaufsfilialen unter dem Namen „Der Brotbäcker Ferling“.
Vor vier Jahren erkrankte der Unternehmer schwer. Mit 60, so sein Plan, wollte er in Ruhestand gehen und den Betrieb verkaufen. „Dass ich jetzt in die Insolvenz gezwungen werde, macht mich wütend“, erklärt Ferling bitter. Die Schuld gibt er der unflexiblen Arbeitsgesetzgebung: „Als ich nach dem Umsatzrückgang im Sommer Personal freisetzen musste, waren hohe Abfindungen fällig. Das hat die Firma ausgeblutet.“
Hoffnungsschimmer für die Belegschaft: Der Betrieb geht zunächst weiter, er ist laut Ferling nicht überschuldet. Der vorläufige Insolvenzverwalter prüft die Fortführungsfähigkeit. Parallel läuft die Suche nach Käufern oder Investoren.