Baumschul-Inhaber Oliver Fink muss in seinem Wetterkalender lange zurückblättern, um den letzten ergiebigen Regen zu finden. Sehr genau notiert der Vorsitzende des Bundesverbandes der Gartenbaumschulen seit Jahren Temperaturen und Niederschlagsmengen. Nach seinen Aufzeichnungen gab es am 26. Mai zum letzten Mal "erwähnenswerten Regen". Das heißt für Fink: eine Menge von über zehn Liter pro Quadratmeter, die den Gärtner gelassen zurücklehnen lässt, weil er seine Pflanzen erst einmal gut versorgt weiß.
Bei Temperaturen von weit über 30 Grad heißt es deshalb für Hobbygärtner weiterhin: Gieß-Großeinsatz. Doch wie viel Wasser brauchen Pflanzen wirklich, und wann? Wir haben die wichtigsten Gießregeln zusammengestellt.
Morgens gießen
Die beste Tageszeit zum Gießen sind die frühen Morgenstunden, am besten zwischen 6 und 7 Uhr, wenn es noch angenehm kühl ist. Dann nämlich verdunstet nur sehr wenig Gießwasser und die Pflanzen sind den ganzen Tag über optimal mit Flüssigkeit versorgt. Weiterer Vorteil: Blätter und Früchte können, sobald die Sonne herauskommt, gut abtrocknen. "Je länger Blätter und Früchte feucht bleiben, desto leichter können sich Pflanzenkrankheiten wie Kraut- und Braunfäule oder Grauschimmel ausbreiten", erklären die Gartenexperten der Landwirtschaftskammer NRW. Wässert man den Garten dagegen erst am Abend, kann es nicht nur sein, dass so manche Pflanze bis zum Nachmittag schon schlapp macht. Auf keinen Fall sollte man in der Mittagshitze und dann auch noch direkt auf die Blätter gießen. Denn in diesem Fall kann sich in den Wassertropfen das Sonnenlicht brechen und so die Blätter regelrecht verbrennen. Wenn man dennoch tagsüber wässern muss, immer nur auf den Wurzelbereich gießen.
Sanft und in Raten gießen
Gießt man langsam und mit einem sanften Strahl, kann sich die Erde optimal mit Wasser vollsaugen. So werden die Wurzeln besser und länger mit Wasser versorgt. "Das ist wie mit einem neuen Schwamm", erklärt Oliver Fink. "Wenn ich den unter einen harten Wasserstrahl halte, läuft das Wasser erst einmal rechts und links vorbei."
Bei den Pflanzen sei das genauso. Für das Gießen müsse man sich Zeit nehmen, und das heiße: Lieber stetig und geduldig sanft gießen, als "husch, husch viel Wasser in kurzer Zeit über die Pflanzen geben". Beim Gießen mit dem Gartenschlauch nie direkt auf die Pflanzen zielen. Der harte Strahl spült die Erde weg und legt die Wurzeln frei, das Wasser fließt dann zu schnell ab, anstatt in den Boden einzudringen. Am besten werden spezielle Gießaufsätze für den Schlauch oder die Gießkanne verwendet, die den Wasserstrahl etwas sanfter machen.
Nicht zu oft gießen
Nicht zu oft, aber dann gründlich gießen, ist laut Landwirtschaftskammer NRW die wichtigste Regel, wenn es um die Wasserversorgung der Pflanzen geht. Wird zu oft gegossen, gewöhnen sich die Pflanzen an das bequeme Angebot und bilden keine tiefreichenden Wurzeln, mit denen sie in längeren Trockenperioden Wasser aus tieferen Bodenschichten holen können.
Durch häufiges und zu üppiges Gießen wird der Boden um die Pflanzen herum fest und hart. So kann die Erde das Wasser kaum noch aufnehmen, und ein großer Teil des Wassers fließt zur Seite ab oder verdunstet von der Oberfläche. Abhilfe schaffen kann man, indem man einmal pro Woche den Boden um die Pflanze herum mit einer kleinen Hacke auflockert. So kann das Wasser besser in die Erde eindringen, und die Wurzeln der Pflanze nehmen es schneller auf. Fink warnt allerdings davor, mit der "Erziehung" der Pflanzen zu streng zu sein. "Eine Pflanze am Leben zu halten, ist etwas anderes, als sie zu verwöhnen." Sei der Boden erst einmal völlig durchgetrocknet, könne er gar kein Wasser mehr aufnehmen.
Die richtige Menge
In Bezug auf den Wasserbedarf der Pflanzen darf auch die austrocknende Wirkung des Windes, auch bei bedecktem Himmel und nur mäßig warmen Wetter, nicht vergessen werden, betont die Landwirtschaftskammer NRW. Um Boden und Pflanzen gut mit Wasser zu versorgen, sind zehn bis 20 Liter pro Quadratmeter notwendig. Das entspricht ein bis zwei vollen Gießkannen. Einfache Regenmesser aus Kunststoff, die es für wenige Euro im Handel gibt, können dem Hobbygärtner eine gute Orientierung über die ausgebrachte Wassermenge geben. Ein Milliliter im Regenmesser bedeutet ein Liter pro Quadratmeter. Bei leichteren, sandigeren Böden sollte eine etwas größere Wassermenge angesetzt werden. Für Kübelpflanzen und Töpfe gilt: So lange gießen, bis das überschüssige Wasser aus den Ablauflöchern am Topfboden nach außen tritt. Balkonkästen, Töpfe und Gefäße sollten daher unbedingt Überlauflöcher haben. Diese können auch im Nachhinein noch mit einem elektrischen Bohrer gebohrt werden. Wenn man übrigens vor dem Gießen zunächst den Feuchtigkeitsgehalt der Erde im Kasten oder Topf "erfühlt", kann man eigentlich nichts falsch machen. Ist die Erde krümlig und trocken, brauchen die meisten Pflanzen Wasser. Bleibt die Erde am Finger kleben, kann man mit dem Gießen noch warten.
Das beste Wasser
Das beste Gießwasser ist Regenwasser, denn es hat eine für die Pflanzen angenehme Temperatur. Daher im Garten immer so viel Regenwasser wie möglich auffangen, am besten mit einer Regentonne. Das spart zudem Wasserkosten. Wer keine Regentonne hat, sollte abgestandenes Leitungswasser verwenden, auch das mögen die Pflanzen besonders gerne. Gießen kann man grundsätzlich auch mit frischem Leitungswasser, das jedoch nicht eiskalt sein sollte. Sonst können die Pflanzen einen Kälteschock bekommen.
