Seit zwei Jahren nimmt der Leiter des Rosenmontagszuges Christoph Kuckelkorn Gesangsunterricht. Denn er singt gern. Das war schon in seinen Kindertagen so, etwa wenn er in der Schule zum Playback sang. Zweifelsohne liegt das in der Familie; schon die Urgroßeltern waren Opernsänger, und auch Vater Fro, Präsident der Blauen Funken, hat eine musische Ader.
Bei Kuckelkorns Ehefrau Cassia Kürten-Kuckelkorn liegen die Dinge ähnlich: Die Mutter war Pianistin, Vater Gerold ebenfalls ein bekannter Musiker, und Cassia spielt alle Arten von Flöte, Klavier und E-Gitarre.
Als die beiden vor anderthalb Jahren mit ihren Freunden Ralph Herrnkind, Jochen Schaal, Heike Beckmann und Peter Baumgärtner - allesamt gestandene Berufsmusiker - gemütlich zusammensaßen, kam das Gespräch unweigerlich auch auf die Musik. Und plötzlich waren wir ne Band, erinnern sich Christoph und Cassia (beide 41), aus einer Weinlaune heraus. Auch ein Name war bald gefunden: Kölsche Kaviar.
Eine Band muss proben, und das geschieht bei den Kuckelkorns daheim im studiomäßig ausgestatteten Keller, im Haus von Cassias Vater in Dünnwald. Dort probt der Chef des Rosenmontagszugs und Festkomitee-Vize, wie die sechs Kuckelkorn-Pänz miterleben, jeden Tag das Singen. Auch unter der Dusche? Nein, ich finde, Musik braucht professionellen Rahmen.
Männer und Frauen gemeinsam auf der Bühne sind ein seltener Anblick im Karneval. Das gibt uns musikalisch und optisch neue Möglichkeiten, unterstreichen beide. Textlich wollen sie strikt bei dem bleiben, was der Name verspricht: Kölsch. Hochdeutsche Party, die Kölner Karneval heute vielfach geworden ist, liegt dem Paar gar nicht. Das Schöne ist: Wir machen Musik, ohne unter Druck zu stehen, denn wir müssen damit kein Geld verdienen. Wir machen Musik, die uns gefällt, und schielen nicht darauf, dass sie verkauft wird, sagt Christoph Kuckelkorn. Seine Frau, die in der Band die E-Gitarre spielt, ergänzt: Wir lachen wirklich viel auf den Proben.
Die Musik kommt offenbar gut an: Vor Jahresfrist wurde die CD Weihnachts-Flönz produziert und gleich 1000 Mal verkauft. Das Repertoire stammt teils von Cassia (Christoph: Sie bringt alle paar Monate ein Lied zur Welt), sowie von Heike, Ralph und Jochen, es umfasst auch alte Stücke, darunter einiges neu Vertontes von Henner Berzau.
Damit gar nicht erst der Verdacht aufkommt, Christoph nutze seine beiden Vorstandsämter im Festkomitee aus, um mit der Band Geld zu verdienen, spendet er sämtliche Gagen dem Förderverein des Kinderkrankenhauses Amsterdamer Straße. Bisher trat Kölsche Kaviar unter anderem bei einigen Straßenfesten auf und debütierte erfolgreich im Karneval. Dort will die Gruppe ab 2007 Fuß fassen, wenn die Jecken sich diesen Kaviar so richtig auf der Zunge zergehen lassen.