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„Barbara bringt Süßes“

3 min

RHEIN-ERFT-KREIS. „Die Pflege des Brauchtums hat mit den Jahren immer mehr nachgelassen, aber hier in Niederaußem ist es noch lebendig.“ Ortsvorsteher Rolf Kremer kann auf Anhieb mehrere Anknüpfungspunkte zur heiligen Barbara nennen: „Unsere Grundschule heißt Barbara-Schule, eine Straße ist nach der Heiligen benannt, in der Kirche ist ihr ein Fenster gewidmet.“ In Oberaußem stehe die Barbara-Kapelle zur Erinnerung an den Ort Fortuna.

Barbara ist die Schutzpatronin der Bergleute, und die Bergheimer Stadtteile haben alle Facetten des Bergbaus mitbekommen: Tagebaue, Fabriken, Kraftwerksblöcke. Generationen haben ihr Geld im Bergbau verdient, klar, dass Barbara tief verehrt wird.

Bergleute verehren

ihre Schutzpatronin

Im Niederaußemer Kindergarten St.-Johann-Baptist erinnern die Erzieherinnen jeweils einen Tag vor dem Namenstag der Heiligen an den Brauch. In einer Runde sitzen die Kinder im Turnraum um ein Arrangement mit einer Kerze, dem Bildnis der Heiligen und Kirschzweigen in einer Vase. Tim hat ein paar selbst gebackene Plätzchen dazugelegt, und Philipp hat ein paar Briketts aus dem Heizungskeller der Eltern mitgebracht. Die Kinder stellen ihre Schuhe dazu. Alles Symbole, die im Brauchtum eine Rolle spielen, erläutert Leiterin Marion Homann. Sie liest die Geschichte der Märtyrerin vor.

„Zum Barbarafest müssen wir die Schuhe putzen und vor die Tür stellen. Dann tut die Barbara da was Süßes rein“, weiß die sechsjährige Annika über den Brauch am Vorabend des 4. Dezembers längst Bescheid. Fast alle Kinder kennen sich aus, die Eltern auch.

Der Legende nach starb Barbara um 306 n. Chr. als Märtyrerin. Fast immer wird sie mit einem Turm dargestellt. Ihr eifersüchtiger Vater soll sie darin eingesperrt haben, weil er eine Heirat der hübschen Frau verhindern wollte. Der Vater soll es nach einer Variante auch gewesen sein, der Barbara mit dem Schwert erschlug, als er erfuhr, dass sie sich in seiner Abwesenheit hatte taufen lassen. Einer anderen Überlieferung nach wurde sie ihres Glaubens wegen vom Vater an die Obrigkeit ausgeliefert und zum Tode verurteilt.

Kinder kennen die

Legende der Märtyrerin

Die Volkskundler des Landschaftsverbandes Rheinland, Amt für rheinische Landeskunde, erforschen gerade das Brauchtum rund um die heilige Barbara. Sie sind beispielsweise darauf gestoßen, dass man zu Barbara Kirschzweige ins Haus holt, die Weihnachten blühen.

Für die Kinder in St. Johann-Baptist ein alter Hut: Die Barbarageschichte, die Andrea Homann im Kindergarten erzählt, lässt auch den Kirschzweig nicht aus. Der habe sich auf dem Weg ins Verlies in ihrem Kleid verfangen, und Barbara habe ihn ihr Trinkwasserglas gestellt. Kurz bevor Barbara laut dieser Version gehängt worden sei, nämlich zu Weihnachten, habe der Zweig geblüht.

Wer weitere Hinweise zum Barbara-Brauchtum geben kann, wird gebeten sich beim Amt für rheinische Landeskunde, Endenicher Straße 133, 53115 Bonn, an Dr. Alois Döring, Telefon (02 28) 98 34-2 65, zu wenden.