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Beethoven zeitweise erblindet

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BONN. Einfach an einer Gelben Tonne vorbei zu gehen oder eine abschüssige Straße herunter laufen - unter normalen Umständen kein Problem. Sieht man dabei aber nur ein undeutliches Farbengewirr, wird aus einer Treppenstufe plötzlich ein echtes Problem. „Hier geht es nicht weiter“, dachten viele, die im „Erlebnisgang“ ausprobiert haben, wie es ist, nichts zu sehen und drehten einfach um. Zehn Meter lang ist der Gang, der gestern im Rahmen der „Woche des Sehens“ auf dem Bonner Münsterplatz aufgebaut war. Für diese kurze Strecke benötigen die Besucher im Schnitt drei Minuten.

Haben es die mutigen Passanten durch den Gang geschafft, dürfen sie noch einmal durch den Raum gehen - diesmal aber ohne die Brille, die einen grauen Star simuliert. „So breit und kurz ist die Strecke?“, wundern sich die Teilnehmer. Welche Hindernisse blinde Menschen im täglichen Leben bewältigen müssen, davon kann man sich auch nach dem Versuch nur schwer eine Vorstellung machen.

Die Aufklärungskampagne „Woche des Sehens“ will auf die Bedeutung von gutem Sehen und auf die Ursachen von Blindheit aufmerksam machen. Thema in diesem Jahr ist vor allem die „Altersbedingte Makuladegeneration“ (AMD; siehe Kasten). „In Deutschland sind derzeit zwei Millionen Menschen an AMD erkrankt. Es ist wichtig regelmäßig zum Augenarzt zu gehen, denn je früher man die Krankheit erkennt, desto besser kann man sie behandeln“, weiß Dr. Almut Wittich von der Universitätsaugenklinik Bonn.

Als besonderer Gast war die blinde Sängerin Corinna May in Bonn. „Nur weil man nichts sieht, muss man sich nicht zu Hause verstecken. Das möchte ich mit meinen Liedern und Auftritten zeigen“, erzählt sie.

Um Blindheit auch symbolisch zu verdeutlichen, wurden dem Beethoven-Denkmal auf dem Münsterplatz die Augen verbunden: So war der berühmte Komponist einen Tag lang nicht nur taub, sondern auch blind. (haf)

www.woche-dessehens.de