PARIS. Die britische Königin Elisabeth II und ihr Prinzgemahl Philip haben gestern einen dreitägigen Staatsbesuch in Frankreich angetreten. Politisch mag das Ereignis zwar von geringer Bedeutung sein, doch gesellschaftlich ist die Visite von höchstem Rang.
Das prachtvolle Programm - Parade auf den Champs-Elysees, Gespräche mit Präsident Chirac, Galadiners, Besichtigung des Louvre sowie ein Abstecher nach Toulouse - wird von allem zeremoniellem Prunk begleitet, den die französische Republik bei solchen Anlässen zu entfalten weiß.
Es ist ein Irrtum zu glauben, dass die Franzosen mit gekrönten Häuptern nichts am Hut haben. Mögen sie auch die Nachfahren von Revolutionären und Königsmördern sein, sie sind vor allem ein Menschenschlag mit Benimm.
Und sie verwandeln sich amüsanterweise immer dann in begeisterte Royalisten, wenn fürstlicher Besuch ins Haus steht. Die Queen weiß das ganz genau und hat in Paris nicht weniger als drei Bäder in der Menge vorgesehen. Das erste, gestern Nachmittag, hat Tradition. In einer Staatskarosse aus dem Fuhrpark des Gastgebers ließen sich Elisabeth II. und Prinz Philip die Champs-Elysees hinauffahren und winkten den Parisern huldvoll zu. Wie 1972 etwa oder zuletzt 1992.
Und noch etwas hat Tradition. Die Franzosen wollen überprüfen, ob die Queen immer noch ihren eigenen Bekleidungsstil so hingebungsvoll pflegt. Gemeint sind jene bonbonfarbenen Roben (gestern war Aprikose angesagt), kombiniert mit kokett-komischen Kompotthütchen, die vom Pariser Chic mindestens eine Ärmelkanalbreite entfernt sind. Auch diesmal bestätigte die visuelle Stichprobe, dass in punkto Mode der französische Vorsprung uneinholbar erscheint.
Darüber, dass die französisch-britischen Beziehung stets ziemlich kompliziert waren, wird bei solchen Anlässen höflich hinweggegangen. Der gute Ton will es so. Nur diesmal nicht. Denn der Staatsbesuch soll an jenen erinnern, mit dem König Edouard VII. den Weg zur „Entente Cordiale“ ebnete. Das Abkommen über das „herzliche Einvernehmen“ zwischen den beiden Erzrivalen Frankreich und England wurde am 8. April 1904 besiegelt und legte den Grundstein zu einer militärischen Allianz der beiden Mächte. So richtig herzlich war das Einvernehmen zwischen den Nachbarn am Ärmelkanal trotzdem nie. Seit dem 100-jährigen Krieg, als die Engländer die französische Nationalheilige Johanna von Orleans auf dem Scheiterhaufen verbrannten, gab es immer genug Gründe, sich gegenseitig ganz und gar nicht zu mögen. Napoleon etwa. Oder die mehrmals nur knapp an einem offenen Krieg vorbeigeschrammte Konkurrenz beider Kolonial-Imperien.
Und auch heute noch sind sich Franzosen und Briten nicht wirklich „grün“. Erst jüngst belegte das eine repräsentative Umfrage:
Auf die Frage, was ihnen zu den Briten einfällt, nannten die meisten Franzosen Begriffe wie Inseldenken, Egoismus und Arroganz. Jedem fünften Briten dagegen fiel zum Nachbarn Essen ein - gleich neben Arroganz, Illoyalität und Egoismus. (EB / dpa)
