MECKENHEIM-LÜFTELBERG – Eine ereignisreiche Zeit liegt hinter ihr - doch eines steht fest: Im nächsten Jahr wird für Manuela van Schewick ein Lebenstraum wahr. Oftmals sei sie an dem Aussiedlerhof zwischen Meckenheim und Lüftelberg vorbeigefahren. „Was man daraus alles machen könnte!“ Das hatte sie sich oftmals ausgemalt. Als der Bergerhof dann im vergangenen Jahr zum Verkauf stand, zögerte die Meckenheimerin nicht lange.
Sie holte beim Bauamt, dem Naturschutzamt, der Landwirtschaftskammer und dem Veterinäramt alle nötigen Genehmigungen ein. Jetzt soll der alte Bauernhof seinen ursprünglichen Charakter als landwirtschaftlicher Betrieb wieder erhalten und nicht nur das neue Zuhause für sie selbst, ihren Lebensgefährten Christian Fey, ihre vier Hunde, die Island-Stute und die beiden Katzen werden. Der Bergerhof soll zukünftig auch Begegnungsstätte von Menschen untereinander sowie von Mensch, Tier und Natur sein: „Ich möchte das Verständnis für die Natur wecken und motivieren, sie zu schützen.“
Der Winter breitet sein weißes Kleid über die mehr als zwei Hektar Land aus, die den Gebäudekomplex - Wohnhaus, ehemalige Ställe, Scheune und Maschinenhalle - umgeben. Bei einem Rundgang erklärt die 54-Jährige mit glänzenden Augen, wie es demnächst hier aussehen wird. An den Hausgarten im Süden schließen sich die Weiden an, wo neben ihrer Stute Fina auch Unterstellpferde und Esel grasen können. Auch eigene Schafe möchte Manuela van Schewick halten - Soay-Schafe, eine alte Rasse, die vom Aussterben bedroht ist und sich dadurch von anderen Schafen unterscheidet, dass sie ihr Wollkleid selbständig abwirft und nicht geschoren werden muss. Auch lassen sich diese wildtierartigen Schafe nicht von Hütehunden lenken.
Im Hühnerstall sollen ebenfalls vom Aussterben bedrohte, ursprünglich rheinländische Sperberhühner einziehen. Vegetationsinseln sollen kleinen Wildtieren Unterschlupf bieten. Auf der Streuobstwiese werden heimische Gehölze wachsen. Neben der Scheune schließen sich drei Trainingswiesen für die Hundeschule an, die Manuela van Schewick 1996 eröffnete und in der sie sich seither für das Verständnis zwischen Hunden und Menschen einsetzt. Endlich ist genügend Platz, dass van Schewick und ihre Mitarbeiterin Andrea Schweizer parallel unterrichten können und die Agility-Geräte auch mal stehen lassen können.
Drinnen schreiten die Arbeiten bereits sichtbar voran - überall wird gewerkelt. In der Küche des in den 50er Jahren erbauten Hauses bollert der alte Kohleofen. Elektriker verlegen Kabel, die alten Dielenböden schleifen van Schewick und Lebenspartner Fey in Eigenregie ab. Im alten Schweinestall wird gefliest. Hier entstehen vier Hundezimmer, damit später auch Pensionshunde oder Hunde, die zur speziellen Ausbildung, zum Beispiel zum Therapie-, Epilepsie- oder Diabeteshund, bei der Hundetrainerin sind, eine eigene artgerechte Rückzugsmöglichkeit erhalten.
Alle werden mit Familienanschluss betreut. Die Zimmer erhalten Zugang zum Garten. In der Scheune stapeln sich die Bodenplatten. Hier werden zu künftig wettergeplagte zwei- und vierbeinige Klienten der Hundeschule ein Dach über dem Kopf erhalten. Der ebene Fußboden ermöglicht es auch Rollstuhlfahrern oder Senioren, mit Gehhilfen an Seminaren teilzunehmen. Für alte Menschen ist der Hund wichtiger Sozialpartner - doch weil sie oft nicht mehr gut zu Fuß sind, trennen sie sich vom vierbeinigen Gefährten. Völlig unnötig, befindet die Hundetrainerin, denn Hunde können, wie sie weiß, auch gut Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollatoren begleiten. Sie müssen es nur lernen.
Noch viele weitere Pläne hat die engagierte, tierliebe und naturverbundene Powerfrau. Dazu gehören die Zusammenarbeit mit Reha-Einrichtungen, Schulen und Kindergärten, tiergestützte Therapien für Behinderte („nicht nur Delphine sind gute Therapeuten“) sowie Seminare für Führungskräfte. Einiges davon sind auch neue Herausforderungen für Manuela van Schewick, doch davor ist ihr nicht bange. „Ich weiß nie genug“, lacht sie. Ihr Credo lautet: „Wir dürfen nie aufhören zu lernen!“ Dass andere, die über das Wissen verfügen, es bereitwillig weitergeben, davon ist van Schewick überzeugt. Auch die viele Arbeit, die noch vor ihr liegt, scheut sie nicht. Wichtig sei, was dadurch erreicht werde. Und die Zukunft des Bergerhofes hat die Meckenheimerin jetzt schon deutlich vor ihrem geistigen Auge.
