Köln – Und dabei ist sein Beruf vom Aussterben bedroht und dem Gros der Menschen wohl gänzlich unbekannt: Der Neu-Kölner ist Senfmüller.
Doch das war nicht immer so: Nach 23 Jahren als Schlosser machte sein damaliger Arbeitgeber dicht, und Steffens stand ohne Job da. Nach Tätigkeiten als Brötchen-Lieferant, Schreiner oder im Tiefbau, landete er schließlich als Hausmeister in einer alten Mühle. Als passionierter Flohmarktbesucher lernte der 54-Jährige in Holland an einem Stand dann einen Senfmüller kennen. „Der hatte noch zwei alte Senfmühlen bei sich zu Hause, wollte mir diese aber nicht verkaufen“, erklärt Steffens heute. Vorerst nicht. Denn knapp zwei Jahre später klingelt bei ihm das Telefon: Er könne die Mühlen nun doch haben, entweder am nächsten Tag oder gar nicht - lautete das Gebot. Kurzerhand fuhr Steffens mit einer Spedition nach Holland und holte die alten Mühlen ab.
Nach einem knappen dreiviertel Jahr und etlichen Arbeitsstunden Restauration an der ersten Mühle dann der Gedanke: „Ich will Senfmüller werden“. Doch auf das „Was“ folgte schon bald das „Wie“. „Ich brauchte dafür einen Meisterbrief, doch bei der Handelskammer kannte den Beruf niemand mehr.“ Die Handelskammer schickte ihn trotzdem auf zahlreiche Fortbildungen und Seminare. Dann der erlösende Moment - der Meisterbrief mit einer Ausnahmegenehmigung, denn eine Kommission zur Abnahme einer Prüfung gab es nicht mehr. Als einziger in die Rolle der Handelskammer eingetragener Senfmüller in Deutschland startet Steffens in die Selbstständigkeit. In Cochem an der Mosel eröffnet er 2001 ein produzierendes Senfmuseum. Ein voller Erfolg, wie sich zeigte.
Die Herstellung des Gourmet-Senf im Kaltmahlverfahren betreibt er heute, wie es die Senfmüller vor mehreren hundert Jahren taten. Von den alten Mühlen, die für diese Art der Herstellung unabdingbar sind, gibt es nur noch sieben weltweit. Aufgrund des Erfolges dann 2009 der Entschluss: „Wir wollten auch die zweite Mühle in Betrieb nehmen und Köln erschien uns als der ideale Standort.“ Am Holzmarkt fand er die geeigneten Räume und eröffnete im September das zweite produzierende Senfmuseum. „Es ist toll hier und wir bekommen eine super Unterstützung aus dem Veedel“, berichtet Steffens. 180 Kilogramm Senf fließen so tagtäglich aus der alten Mühle und nebenher gibt es für Interessierte sechs Führungen pro Tag durch das Museum. Für Köln hat sich Steffens auch noch was Besonderes ausgedacht: Köln-Mostert - Senf verfeinert mit Kölsch, eine von sieben Eigenkreationen. „Bald wird es auch meine eigene Flönz geben. Der 54-Jährige hat also noch viel vor.