ZÜLPICH – Die Kinder würden körperlich angegangen, die Betreuerinnen würden die Kinder anschreien, vernünftige Hausaufgabenbetreuung finde nicht statt und wenn ein Kind „Schwierigkeiten“ mache, solle es von den Eltern abgeholt werden. „In dieser OGS werden die Kinder nicht betreut, sie werden lediglich verwahrt“, entrüsten sich einige Eltern im Gespräch mit der Rundschau.
Was ist da los in der Offenen Ganztagsschule (OGS) in Zülpich? Mit Eröffnung der OGS 2007 war zunächst die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Träger der Einrichtung geworden. Zwei Jahre später entschied sich der Stadtrat für die Katholischen Jugendwerke Euskirchen (KJE) als Träger. Eine neue OGS-Leiterin wurde eingesetzt, die kurze Zeit später erkrankte. Eine weitere kündigte nach einigen Monaten. Nach den Sommerferien 2010 wurde die OGS-Leitung neu besetzt. „Auch diese OGS-Leiterin wurde, wie alle Leitungskräfte, zusammen mit der Schulleitung ausgewählt, die Stellen werden grundsätzlich ausgeschrieben“, erklärte Rainer Braun-Paffhausen, Erster Vorsitzender der Katholischen Jugendwerke, auf Rundschau-Anfrage. Kurze Zeit später traten erste Unstimmigkeiten im Betreuungsteam auf. Die KJE hatte sowohl eigene Mitarbeiterinnen in Zülpich eingesetzt als auch bestehendes Personal, hierunter auch Ehrenamtler, übernommen.Die damit verbundenen Änderungen ließen jedes pädagogische Konzept vermissen, kritisieren einige Eltern. „Ich gebe den Eltern recht, wenn sie Mängel in der Hausaufgabenbetreuung, der Abholsituation oder der Essensqualität aufzeigen. Hier sind wir als Träger natürlich für Vorschläge offen“, erklärt Braun-Paffhausen.
Doch dies scheinen noch die harmloseren Vorwürfe zu sein. Einige Eltern kritisieren die OGS der Chlodwigschule hart. „Die neue Leitung scheint überfordert mit ihrer Aufgabe zu sein, da sie keine pädagogische Erfahrung oder Ausbildung besitzt“, sagt Thorsten Mette. Und Claudia Konopka drückt es noch deutlicher aus: „Unsere Kinder werden hier von einer Hauswirtschafterin betreut.“Braun-Paffhausen dazu: „Unsere hauptamtlichen Kräfte verfügen natürlich über eine entsprechende Ausbildung.
Es wird jedoch immer schwieriger, genügend Fachpersonal zu finden.“ Gegen die Vorwürfe wegen vermeintlicher körperlicher Übergriffe durch das Betreuungspersonal verwahrt er sich: „Dafür liegen bisher keinerlei Beweise vor.“ Claudia Konopka begründet ihre Zweifel an der pädagogischen Eignung der Betreuer: „Es kann doch nicht sein, dass wir als Eltern angerufen werden, unsere Kinder von der OGS abzuholen, weil die Betreuer mit ihnen nicht fertig werden.“ Sie selbst sei schon auf der Arbeitsstelle angerufen worden, habe sich aber geweigert, ihr Kind frühzeitig aus der Betreuung zu holen. „Ausgebildete Fachkräfte sollten in der Lage sein, damit umzugehen und nicht aus Bequemlichkeit das Kind zu entsorgen“, sagt sie.
Kaum nochInfos für Eltern
Zudem, das bestätigt auch Thorsten Mette, erhielten die Eltern keine Informationen mehr seitens der OGS. „Bevor die neue Leitung ihre Aufgabe übernahm, fanden in Abständen Infoabende zum Austausch zwischen Eltern und Betreuern statt“, so Mette.Einige OGS-Betreuerinnen beklagen die mangelnde Kommunikation im Betreuungsteam. So habe es in letzter Zeit Teambesprechungen ohne ihr Beisein gegeben. „Wir betreuen die Kinder bei den Hausaufgaben, fördern sie in den schwächeren Fächern. Wir können nicht verstehen, warum wir außen vor gelassen werden, obwohl wir die Kinder doch gut kennen und es nur um ihr Wohl gehen sollte“, sagt Rosel Krieger.Sie ist eine der ehrenamtlichen Kräfte in der OGS und seit deren Bestehen mit im Boot. „Wir saßen immer mit am Tisch, wenn es um die Belange der Kinder ging, auch unter der Leitung der AWO“, sagt sie. Dass ihre Stunden von vier auf jetzt noch eine gekürzt wurden, enttäuscht Rosel Krieger sehr: „Wenn ich nicht mehr im Team bin, wären sie die Letzte los, die sich traut, den Mund aufzumachen.“So wurde mit Schreiben vom 23. Mai Margarethe Beyard, einer ehemals Zehn-Stunden-Kraft, der Werkvertrag mit der OGS-Chlodwigschule fristlos gekündigt.
Als Begründung stand im Kündigungsschreiben: In der Elternversammlung am 10. Mai habe sie der Stadt Zülpich und den anwesenden Eltern von vermeintlichen Missständen in der OGS-Betreuung berichtet. Dadurch habe sie „wahrheitswidrig die OGS in Misskredit gebracht“, weshalb eine weitere Zusammenarbeit nicht zumutbar sei.Auch in der fristlosen Kündigung einer Gruppenleiterin, die seit Dezember vergangenen Jahres krankgeschrieben ist, wird derselbe Vorwurf erhoben. Thorsten Mette dazu: „Die guten Seelen der OGS sind gekündigt worden.“ Margarethe Beyard findet recht deutliche Worte: „Jetzt sind in der Betreuung nur noch die übrig geblieben, die für den Missstand verantwortlich sind.“
Hintergrund der Anschuldigungen in den Kündigungsschreiben: Die Stadt Zülpich hatte am 10. Mai zu einer Elternversammlung eingeladen, nachdem auch ihr die Vorwürfe gegen die OGS-Betreuung bekannt wurden. Fünf Tage später besprachen Stadt, KJE und Eltern die Anschuldigungen.„Wir haben dann zusammen entschieden, dass Fragebögen erstellt und an die OGS-Eltern ausgegeben werden, in denen die derzeitige Situation, die Zufriedenheit und Unzufriedenzeit mit dem Träger dargestellt werden soll“, erklärte Beigeordneter Ulf Hürtgen.Rainer Braun-Paffhausen erklärte, dass am 10. Mai nicht die beiden gekündigten Betreuerinnen, sondern Eltern die Missstände aufgezeigt hätten. Braun-Paffhausen: „So ist es auch im Protokoll dieses Elternabends festgehalten. Allerdings haben die gekündigten Mitarbeiterinnen die von den Eltern vorgetragenen Vorwürfe bestätigt.“